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Lübeck Käufer-Ansturm auf Waterfront
Lokales Lübeck Käufer-Ansturm auf Waterfront
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20:47 11.12.2015
Blick in die Modellwohnung am Passathafen. Quelle: Bernd Perlbach

Der erste Spatenstich ist keine zwei Monate her, und schon ist ein Großteil der ersten Ferienwohnungen des Waterfront- Projekts auf dem Priwall verkauft. Dabei hat die öffentliche Vermarktung noch gar nicht begonnen. Für 46 von 62 Wohnungen in neun Häusern sind nach Angaben von Investor Sven Hollesen schon Kaufverträge abgeschlossen. Die Häuser liegen mit einer Ausnahme im ersten Bauabschnitt. Allein neun der Wohnungen hätten Investoren aus der Lübecker Region gekauft. Damit sei ihr Anteil noch höher als bei den Feriendörfern auf dem Priwall.

Mit den Verkäufen hat Hollesen schon 17,3 Millionen Euro von den 23 Millionen sicher, die ihn dieser Teil der Investition gekostet hat. Und das alles ohne große Werbung, denn die bisherigen Investoren kommen gut zur Hälfte aus dem Kreis derer, die schon Immobilien bei Hollesen gekauft haben. Darunter sind viele der 174, denen Häuschen in den Feriendörfern auf dem Priwall gehören. „Das sind keine Fonds oder Immobilienhändler“, sagt Hollesen, „das sind ganz normale Familien — natürlich solche, die das finanziell wuppen können.“

Die Wohnungen am Passathafen sind zwischen 50 und 180 Quadratmeter groß und kosten zwischen 250000 und 1,1 Millionen Euro. Hollesen bietet sie zum Festpreis an — voll möbliert und ausgestattet. „Da fehlen weder Weingläser noch Knoblauchpresse, und es gibt einen Stellplatz dazu.“ Für das neue Jahr kündigt er den Verkaufsstart für 100 weitere Ferienwohnungen an. Sie werden in Villen in zweiter Reihe hinter dem Hafen liegen, 30 bis 108 Quadratmeter groß sein und voraussichtlich zwischen 120000 und 500000 Euro kosten. Am Ende sollen es 454 Wohneinheiten werden, einschließlich der auch als Ferienwohnungen nutzbaren Zimmer des Tagungszentrums, das Hollesen mit einem Partner aus Lübeck selbst betreiben will. Das gesamte Projekt soll laut Hollesen 2018 fertiggestellt werden und Travemünde 315000 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr verschaffen.

Uwe Kirchhoff, Kurdirektor von Travemünde, sieht in dem Verkaufsboom eine Bestätigung von Hollesens Konzept. Er rechnet damit, dass sich durch den Gästezuwachs auf längere Sicht das Defizit des Kurbetriebs auf 600000 Euro halbieren werde — mindestens. „Wir sind sehr vorsichtig“, sagt er, „aber die Prognosen von Herrn Hollesen sind bisher auch eingetroffen.“

Siegbert Bruders, Sprecher der Bürgerinitiative behutsame Priwallentwicklung (BiP) und Wortführer der Waterfront-Gegner, zeigt sich nicht überrascht von dem Ansturm. „Es ist klar, dass sich das verkauft in der Lage. Sie können den ganzen Priwall verkaufen.“ Hollesens Übernachtungszahlen aber hält er für überzogen: „Eine Auslastungsquote von 60 Prozent ist illusorisch“, sagt Bruders. „Das gibt es auf der ganzen Welt nicht. Dann müssten 38 Wochen im Jahr alle Wohnungen komplett vermietet sein.“ Er vermutet, dass Hollesen langfristig einen Teil der Wohnungen der touristischen Nutzung entziehen und Privatwohnungen daraus machen könnte. Indizien für diese Vermutung habe er aber nicht, gibt er zu.

Bruders und seine Mitstreiter erlitten ihre große Niederlage am 24. September, als die Bürgerschaft Baurecht für Waterfront beschloss. Sie haben trotzdem die Hoffnung auf einen Baustopp nicht aufgegeben. Ein Anwalt prüfe zurzeit die Aussichten eines Normenkontrollverfahrens. Allerdings räumt Bruders ein: „Bauabschnitt eins ist eher der konfliktfreiere, weil keine Anwohner betroffen sind.“

Komplett eingerichtet — und mit Fototapete
Eine Musterwohnung hat die Planet -Gruppe des Waterfront-Entwicklers Sven Hollesen am Passathafen neben der Ostseestation eingerichtet. Sie ist komplett ausgestattet — so wie es auch die Wohnungen bei der Übergabe ab Ende 2016 sein werden. Der Blick auf den Hafen und Travemünde wird mit einer Fototapete simuliert.
Die öffentliche Vermarktung der Wohnungen, die in der ersten Runde noch zum Verkauf stehen, beginnt nach Hollesens Aussage im Januar. Ab Februar soll die Musterwohnung als Verkaufsbüro genutzt werden.

Hanno Kabel

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