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Lübeck Kaisertor verkauft: 2018 wird umgebaut
Lokales Lübeck Kaisertor verkauft: 2018 wird umgebaut
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20:30 24.03.2016

Lübeck. Majestätisch erhebt es sich über die kahlen Baumwipfel. Den hohen Durchgang des Kaisertors kann erahnen, wer auf der anderen Seite der Kanal-Trave steht. Etwas verdeckt erstreckt sich daneben die alte Seefahrtschule, in der seit 20 Jahren keine Kapitäne mehr das Navigieren lernen. Die Lage ist einmalig: in den Wallanlagen, am Wasser, dahinter die Altstadt.

Das Gebäude gehört jetzt dem städtischen Koordinierungsbüro Wirtschaft. Es muss einspringen, wenn es um schwierige Immobilien geht.

Dieses historische Ensemble hat das Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) jetzt gekauft — vom Land. Seit März gehören Kaisertor und Seefahrtschule der städtischen Gesellschaft. 425 000 Euro hat sie auf den Tisch gelegt. Die Sanierung wird „über eine Million Euro kosten“, sagt KWL-Architekt Hauke Guttenberg. Losgehen soll es 2018. So lange bringt die Stadt dort voraussichtlich Flüchtlinge unter.

Die KWL will dort auf 800 Quadratmetern Büros und Arztpraxen errichten, möglicherweise ein Café. Und eine Wohnung. Es ist das erste Apartment im Besitz der KWL. Der Grund: In das Dachgeschoss des Kaisertors kann Guttenberg wegen des Denkmalschutzes keinen zweiten Rettungsweg einbauen. Damit sind dort keine Büros möglich, daraus wird eine 60-Quadratmeter-Wohnung. Heute ist neben dem Kaisertor ein Gerüst aufgebaut, das als Fluchtweg dient. „Ein Provisorium“, so Guttenberg. Ohne dürften dort keine Asylbewohner leben. Die KWL will beim Umbau den Verbindungsgang zwischen Kaisertor und Seefahrtschule abreißen.

Das Ensemble in den Wallanlagen ist nicht die einzige Immobile der KWL. Daneben hat sie noch sechs weitere in ihrem Besitz (siehe rechts). „Wir sind gefragt, wenn Gebäude in öffentlicher Hand bleiben sollen“, erklärt Guttenberg. Beispielsweise, weil sie eine exklusive Lage haben wie Kanzleigebäude, Media Docks oder Gesamthafen. Diese Immobilien saniert und vermietet die KWL. Sie muss keinen Gewinn wie ein Privater machen, nur eine schwarze Null schreiben.

Zudem muss die KWL einspringen, wenn die Stadt beispielsweise Flüchtlinge unterbringen muss. Erst vor ein paar Tagen erntete sie dafür mächtig Kritik. Sie verlangt von der Stadt 16,40 Euro pro Quadratmeter für die geplante Unterkunft an der Ostseestraße in Travemünde. Den Bau muss sie nach zehn Jahren abreißen, weil dort nicht gewohnt werden darf. Nur die Asylgesetze machen es möglich. „Es gab die Idee, die Häuser später als Jugendherberge zu nutzen“, so Guttenberg. Aber das gibt das Baurecht nicht her. Jetzt untersucht das Rechnungsprüfungsamt den Fall.

Kanzleigebäude in der Fußgängerzone: Es ist das erste Bauwerk, das der Gestaltungsbeirat verhandelte. 2005 wurde der hundert Meter lange Rathaus-Anbau von der KWL für knapp 1,7 Millionen Euro erneuert. Es war das zweite historische Gebäude, dem sich die städtische Gesellschaft annahm — und es wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet. Errichtet zwischen 1480 und 1625 verstaubte das Kanzleigebäude im 20. Jahrhundert. Die KWL machte es zur schicken Einkaufszeile und vermietet es für die Stadt.

Seelandstraße in Siems: Das Gebäude der Firma Coherent hat die KWL 2003 gebaut. Der weltweit führende Hersteller von Lasern saß im Technikzentrum. Der Platz wurde zu eng und das danebenliegende Grundstück durch das Aus der Flender Werft frei. Um zu verhindern, dass Coherent abwandert, kaufte die KWL das Gelände von Flender und baute für 5,66 Millionen Euro einen zweigeschossigen Anbau mit einer Bruttogrundfläche von knapp 3000 Quadratmetern. Die KWL erweiterte es 2011.

Media Docks auf der Nördlichen Wallhalbinsel: Dort sollte ein Multimedia Campus entstehen, die KWL sollte ihn bauen. Knapp 20 Millionen Euro hat die Sanierung des denkmalgeschützten Hafenschuppens gekostet, das Land hat davon 6,7 Millionen Euro gezahlt. Am 22. Februar 2002 wurden die Media Docks mit viel Tamtam eröffnet — doch die Idee des Medien Campus scheiterte. Erst seit 2008 schreiben die Media Docks schwarze Zahlen. Heute haben etliche Firmen dort ihre Adresse.

Walkmühlenweg im Gewerbegebiet Genin: In dieser Immobilie verkauft Zoo Schnack derzeit seine Waren. Zudem sind dort noch Räume an einen Maler vermietet, es gibt zwei Büros — und die KWL hat dort ihre Lagerflächen. Die städtische Gesellschaft kaufte das Gebäude vor gut 20 Jahren und vermietet es seither. Darin waren früher die Schneider- Werke untergebracht, eine Firma für Werbematerial. Danach stand das Haus leer. Die Stadt wollte, dass die KWL die Brache an dieser Stelle beseitigt.

Kaisertor und Seefahrtschule in den Wallanlagen: Das ist die neueste Immobilie der KWL. Die städtische Gesellschaft hat sie vom Land gekauft. Derzeit leben dort 68 Flüchtlinge.

Doch damit soll es 2018 vorbei sein. Dann will die städtische Gesellschaft die denkmalgeschützten Gebäude komplett sanieren — und dort Büros vermieten. Blick zurück: Das Kaisertor stammt in seinen Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert. Seinen Namen und das heutige Aussehen erhielt es um die Jahrtausendwende — als Kaiser Wilhelm II. von dort aus in ein Schiff stieg, um den Elbe-Lübeck-Kanal einzuweihen. Das war am 16. Juni 1900. Damals stand daneben bereits die Seefahrtschule, die 1826 erbaut wurde. Dort wurden Kapitäne und Steuerleute der Handelsmarine ausgebildet. Als die Seefahrer 1993 nach Flensburg zogen, übernahm die Universität zu Lübeck das Gebäude. Anschließend war das Institut für Mathematik bis November 2011 hier untergebracht. Dann zogen dort Polizisten des ersten Reviers ein, weil ihr Gebäude in der Mengstraße auf der Altstadtinsel renoviert wurde. Seit Frühjahr 2015 hat die Stadt Lübeck in der alten Seefahrtschule Asylsuchende untergebracht.

Fotos: Wolfgang Maxwitat

Gewerbehof Altstadt an der Kanalstraße: In den 90er-Jahren wurde die autofreie Altstadt diskutiert. Das Gewerbe mit viel Autoverkehr sollte an den Rand der Altstadt ziehen. Daher baute die KWL den Gewerbehof Altstadt. Aber die Pläne für den Bau weiterer Gewerbehöfe wurden eingestampft. Denn nur ein Unternehmen zog dorthin um: Die Druckerei Hinzke sitzt heute noch an der Kanalstraße 62. Mittlerweile hat die KWL das gesamte Haus wieder vermietet, nachdem dort Geschäfte lange leerstanden.

Gesamthafen an der Hafenstraße: Es ist das jüngste Projekt der KWL. Die Hafenschuppen-Anlage steht unter Denkmalschutz. Dort heuerten die Hafenarbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins an — noch bis 2012. Die KWL nahm sich des verfallenden Gebäudes an und sanierte es von 2011 bis 2013 für knapp sieben Millionen Euro. Die bekanntesten Mieter sind das Café

Bar Celona und das Fitness- Studio Kieser Training. Heute stehen noch 360 Quadratmeter Bürofläche leer. Auch dafür gibt es Interessenten.

Von Josephine von Zastrow

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