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Lübeck Kalkbrenner kein Ehrenbürger mehr?
Lokales Lübeck Kalkbrenner kein Ehrenbürger mehr?
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20:10 23.11.2015
1951: Dr. Georg Kalkbrenner erhält die Ehrenbürgerschaft, an seiner Seite seine Ehefrau. Quelle: Kripgans
Lübeck

Er soll kein Ehrenbürger mehr sein. Gut 60 Jahre nach der Ernennung soll Georg Kalkbrenner die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden. Das zumindest empfiehlt der Bauausschuss — auf Antrag des Grünen Carl Howe. Der will dieses Gesuch auch in der Bürgerschaft stellen. Die SPD hat die Hand dafür gehoben und ebenso Pirat Detlev Stolzenberg.

Der Grund: Kalkbrenner saß 1933 im Senat der Hansestadt. Er hatte in Absprache mit den Nationalsozialisten seine Kollegen aus dem sozialdemokratischen und liberaldemokratischen Lager zum Rücktritt gedrängt sowie auch den damaligen Bürgermeister Paul Löwigt — den ersten SPD-Mann auf diesem Posten. Gleichzeitig hievte Kalkbrenner den NSDAP-Mann Walter Schröder ins Amt des Polizeisenators — mit Hilfe zweier bürgerlich-konservativer Senatoren. Dadurch gab es keinen offenen Putsch der Nationalsozialisten in Lübeck, sondern sie infiltrierten den Senat mit Hilfe Kalkbrenners.

Nach 1945 wurde Kalkbrenner wieder Chef über Lübecks Finanzen, denn er war ein parteiübergreifend geschätzter Fachmann. 1951 wurde er zum Ehrenbürger der Hansestadt ernannt. Außerdem bekam Kalkbrenner 1955 ihre höchste Auszeichnung, die Gedenkmünze Bene Merenti. Ein Jahr zuvor hatte er auch das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Für Howe ist das zuviel der Ehre: „Kalkbrenner hat dafür gesorgt, dass es einen NSDAP-Senator gab.“ Und auch Stolzenberg sagt: „Ich finde es ganz wichtig, dass die Ehrenbürgerschaft Kalkbrenners aberkannt wird.“ Die CDU sieht das indes anders. „Man muss das aus der Zeit heraus verstehen“, sagt Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses. Außerdem könne man über Infotafeln auf Hintergründe und Kritik an Personen aufmerksam machen. So sieht es auch FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke. „Man muss das aus dem Kontext heraus verstehen.“ So werde Günter Grass als Literat im Gedächtnis bleiben, nicht als einer, der im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS angehört habe.

Das politische Handeln Kalkbrenners geht aus einem Bericht hervor, den ein interfraktioneller Arbeitskreis jetzt vorgelegt hat. Dabei geht es um die historisch-wissenschaftliche Überprüfung von Personen, nach denen Straßen in der Hansestadt benannt sind. Denn in Lübeck gibt es in St. Jürgen auch die Kalkbrennerstraße. Die soll aber weiterhin so heißen, entschied der Bauausschuss — mit einem Patt von sieben zu sieben Stimmen. Stolzenberg hat dabei für den Erhalt des Straßennamens gestimmt. „Ich wollte den Bericht des Arbeitskreises nicht verändern.“ jvz

Lübecker Ehrenbürger
26 Männern wurde die Ehrenbürgerwürde verliehen. Aberkannt wurde sie vier NS-Politikern durch die Bürgerschaft vom 20. Juni 1946:
Adolf Hitler, der 1933 zum Ehrenbürger ernannt worden war, sowie Reichsinnenminister Wilhelm Frick, NSDAP-Reichsleiter Alfred Rosenberg und Hermann Göring als Preußens Ministerpräsident — alle waren 1937 zu Ehrenbürgern geworden. Bekannte Lübecker Ehrenbürger sind Literat Thomas Mann und Altbundeskanzler Willy Brandt.

LN

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