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Lübeck Kampf um die Fahrkarte nach Berlin
Lokales Lübeck Kampf um die Fahrkarte nach Berlin
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11:03 14.09.2013
Zwei Frauen, zwei Parteien, ein Ziel: Alexandra Dinges-Dierig und Gabriele Hiller-Ohm (r.). Quelle: Foto: Maxwitat
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Lübeck

Das Duell der Doppelnamen-Damen: Es sollte ein gemütlicher Plausch bei Kaffee und Keksen werden, doch dann geriet der Termin zu einem angespannten Aufeinandertreffen zweier Konkurrentinnen. Gabriele Hiller-Ohm auf der einen Seite, Alexandra Dinges-Dierig auf der anderen. Die SPD-Frau sitzt seit elf Jahren im Bundestag und will ein viertes Mal hinein, die CDU-Frau versucht den Sprung ins Bundesparlament zum ersten Mal. In einer Woche wollen sie gewählt werden.

Zum Thema: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel kommt heute nach Lübeck

Beide Frauen sind 60, haben je zwei Kinder und zwei Enkel. Sie gehören einer Generation an, die durch die 70er Jahre geprägt worden ist — doch damit endet dann schon die Gemeinsamkeit. Während Hiller-Ohm ihren Doppelnamen gewählt hat „wegen der Emanzipation“, hat es Dinges-Dierig „aus Tradition“ getan — weil ihr Mädchenname einer 200 Jahre alten Unternehmerfamilie gehört. Mitte der 70er mussten sich Ehefrauen damit begnügen, ihren Namen an den des Mannes anzuhängen. So war das damals.

„Kaffee?“ Nein, beide hatten gerade erst einen. Wasser — ja, das geht für die Damen in Ordnung. Jetzt geht es um Politik. Beim Elbe-Lübeck-Kanal sind sich beide Frauen noch einig: Der wird gebraucht.

Dinges-Dierig will dafür im Verbund mit der Binnenschifffahrtstadt Duisburg und den süddeutschen Bundesländern kämpfen: „Das müssen wir gemeinsam machen.“ Hiller-Ohm hingegen setzt auf die eigene Kraft: „Der Norden muss das alleine schaffen.“ Bei der Bahntrasse im Hinterland des geplanten Fehmarnbelttunnels gibt es schon unterschiedliche Positionen: Hiller-Ohm will darauf achten, dass der Lübecker Hafen seine Ladung weiter über die Schienen transportieren kann. Sie fürchtet, dass es in Lübeck zu einer Nadelöhr-Situation kommt. Dinges-Dierig lehnt eine X-Trasse durch Dänischburg klar ab — und fordert Lärmschutz für Wohngebiete in Bad Schwartau und Ratekau.

Noch gegensätzlicher wird es, wenn es um die politischen Schwerpunkte geht. Für Dinges-Dierig steht das Problem der grundsätzlichen Verteilung der Finanzen im Vordergrund, Hiller-Ohm setzt hingegen auf Soziales. „Es gibt 8000 arme Kinder in Lübeck“, kritisiert die SPD-Frau. Für sie ist klar, dass die Kinderarmut in Lübeck überwunden werden muss. Das will sie in den nächsten vier Jahren angehen.

Und es soll kostenlose Kindertagesstätten und Krippenplätze geben. Ein barrierefreies Lübeck und mehr Geld für die Kommunen — das sind ihre Ziele. Dinges-Dierig hingegen will das finanzielle Geflecht zwischen Bund, Ländern und Kommunen entwirren und sich stark machen für eine klare Verteilung der Gelder und Aufgaben. „Wir müssen das Finanzproblem lösen.“ Zudem sollen Bund und Länder bei der Bildung zusammenarbeiten.

Ungemütlich wird es dann beim Thema Kailine. Das Bauprojekt auf der Nördlichen Wallhalbinsel hat mit der Bundespolitik gar nichts zu tun — aber es bewegt Lübeck. Und diese Stadt sollen die Politikerinnen ja im Bundestag vertreten. Es gibt aber keine Überraschung: Beide Damen halten sich strikt an die Parteilinie. Dinges-Dierig verteidigt den Stopp der Kailine mit CDU-Stimmen. „Wir haben seit zwei Jahren dieselbe Meinung dazu.“ Man müsse das historische Lübeck erhalten — vor allem den Hafenschuppen F. Dinges-Dierig hatte die Nördliche Wallhalbinsel vor zwei Jahren bei ihrem Bürgermeisterwahlkampf in Lübeck zum Thema gemacht — und die Idee eines Künstlerviertels vorangetrieben. Hiller-Ohm ist da ganz anderer Ansicht. „Die CDU war doch vorher auch für eine Bebauung.“ Und zwar für eine massivere als mit Kailine geplant gewesen sei. Es sollten jetzt ja auch sozialer Wohnungsbau entstehen. Hiller-Ohm: „Mir ist unverständlich, warum man kurz vor Abschluss den Investor vor den Kopf stößt.“ Da müsse man sich vorher Gedanken machen. Dinges-Dierig: „Wir haben schon vor zwei Jahren dagegen gestimmt. Grüne und Linke haben ihre Meinung geändert.“

Bevor das Gespräch gar nicht mehr heraus geht aus dieser Sackgasse — lieber noch etwas Persönliches. Lieblingsmusik? „,Brown Sugar‘ von den Rolling Stones“, kommt es bei Hiller-Ohm wie aus der Pistole geschossen. „Mendelssohn Bruch, Violinkonzerte mit Ann-Sophie Mutter“, sagt Dinges-Dierig. Okay, dass wird nichts mit einer gemeinsamen Wellenlänge. Noch ein Versuch: Wohin schicken Sie Ihre Gäste, wenn sie Lübeck besuchen? Marlihof an der Wesloer Straße und ins Café im Schulgarten (Hiller-Ohm). Holstentor, Gängeviertel, Buddenbrookhaus und in eine aktuelle Ausstellung (Dinges-Dierig).

Alles klar, keine Gemeinsamkeit.

Gabriele Hiller-Ohm (SPD)
Die Lübeckerin studierte an der Uni Hamburg Germanistik, Geschichte und Pädagogik und machte danach eine Lehre als Elektroinstallateurin. Sie arbeitete als Redakteurin, wechselte dann an die FH Lübeck. 1982 ist sie in die SPD eingetreten und sitzt seit 2002 im Bundestag. Hiller-Ohm lebt in Lübeck, ist geschieden, und ihr Sternzeichen ist Fisch.

Wenn Sie eine Million Euro gewinnen, was machen Sie damit? Ich würde es in die Sanierung der Lübecker Schultoiletten stecken.

Was würden Sie sagen, wenn Sie Angela Merkel treffen?
Guten Tag.

Wie viel Prozent holen Sie? 40 Prozent
Neun Kandidaten treten an
Zum Wahlkreis gehört neben Lübeck der nördliche Kreis Herzogtum Lauenburg. Direkt gewählt wird der Kandidat mit den meisten Erststimmen. In der Vergangenheit waren das in Lübeck immer die Bewerber von SPD oder CDU. Die sieben weiteren Kandidaten stellen wir in der kommenden Woche vor.
Alexandra Dinges-Dierig (CDU)
Die gebürtige Lübeckerin ist in Osnabrück und Hinterzarten aufgewachsen, studierte Volkswirtschaft, arbeitete als Berufsschullehrerin und in Ministerien. 2004 bis 2008 war sie in Hamburg Senatorin für Bildung und Sport. 2006 ist sie in die CDU eingetreten. Dinges-Dierig lebt in Niendorf, ist verheiratet, und ihr Sternzeichen ist Wassermann.

Wenn Sie eine Million Euro gewinnen, was machen Sie damit? Meine Enkelkinder absichern und in Stipendien der Privatschule stecken, in der ich im Vorstand bin.

Was würden Sie sagen, wenn Sie Peer Steinbrück treffen? Es ist immer wieder unterhaltsam, Ihnen zuzuhören.

Wie viel Prozent holen Sie? 36 Prozent

Josephine von Zastrow

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