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Lübeck Kanalbrücke: Umleitung nervt die Anwohner
Lokales Lübeck Kanalbrücke: Umleitung nervt die Anwohner
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21:28 24.10.2017
Derzeit wird der Asphalt der Brücke abgefräst, ein Sondierer sucht anschließend die Umgebung nach Granaten ab. Quelle: Neelsen, Roessler (3)
St. Jürgen

„Das ist schon abenteuerlich alles“, sagt Jorge Nowak, „hier ist viel mehr los seit der Sperrung. Vor allem die normalen Fahrzeuge, aber auch die mittelschweren Lkw, die sonst über die Brücke durften, fahren jetzt hier lang.“ Der 30-Jährige wechselt gerade die Bremsklötze seines Wagens. Er lebt am Anfang der Straße Langjohrd, hinter dem Haus beginnen die weiten Felder. Doch wo normalerweise Stille herrscht, ist jetzt mächtig was los. „Dabei ist die Strecke eigentlich gar nicht für Begegnungsverkehr ausgelegt“, sagt Nowak.

Ein lautes Donnern dröhnt durch die sonst so ruhige Straße Langjohrd in Oberbüssau. Dann rauscht ein Lkw vorbei. Seit Montag ist die Kanalbrücke gesperrt, die Autofahrer müssen über landwirtschaftliche Wege ausweichen. Schon jetzt bemerken die Anwohner mehr Verkehr.

„Über den Kanal zu fahren, ist derzeit eine kleine Weltreise.“ Gunda Wahls, Oberbüssauerin

Das moniert auch Gunda Wahls: „Die Straße ist rechts und links nicht genügend befestigt worden. Man sieht schon jetzt, dass die Ränder Schaden nehmen.“ Sie lebt in Oberbüssau, besucht aber häufig Verwandte und Freunde auf der anderen Seite des Kanals. „Die Brücke habe ich jeden Tag benutzt, nun ist es eine kleine Weltreise“, sagt die 63-Jährige. Dass die Brücke pünktlich im Frühjahr 2019 fertig wird, daran glaubt sie nicht. „Der Boden ist morastig, das wird bestimmt alles nicht so einfach“, sagt sie. Doch Gunda Wahls hat zumindest Glück und kann für den Umweg das Auto nutzen. Wer zu Fuß oder mit dem Rad die Kanalseite wechseln will, muss Zeit und Ausdauer mitbringen.

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Die Umleitung verläuft über die Straßen Langjohrd und Milbreed, dann über die Kronsforder Hauptstraße Richtung Krummesser Landstraße. Zwei Kilometer geht es teilweise über landwirtschaftliche Wege.

Deshalb wurde für Fußgänger zusätzlich ein Shuttle eingerichtet. „Anfangs hat der direkt an der Brücke gehalten“, erzählt Joachim Hähnsen, „so ein Quatsch, dann mussten die Leute erst runter zum Kanal und wurden dann wieder hochgefahren.“ Mittlerweile hält der Shuttle in der Nähe der Durchfahrtsstraße. „Aber es wäre trotzdem sinnvoll, wenn er auf der Strecke ein oder zwei Haltestellen anfährt, damit gerade die alten Menschen nicht so weit laufen müssen“, findet der 63-Jährige. Was ihn aber noch mehr stört, ist die Raserei in Oberbüssau. „Die fahren hier teilweise mit 100 durch. Es sollte viel mehr geblitzt werden.“

Während die Anwohner im Langjohrd auf eine Absperrbake und ein Sackgassen-Schild schauen, wird wenige Hundert Meter weiter gebaut. Der Kampfmittelbergungsdienst ist routinemäßig im Einsatz und durchsucht den Boden nach Granaten. „Mit dem Sondierer können wir Eisen aufspüren. Bis zu vier Meter Tiefe ist das kein Problem“, erzählt Dirk Schittko von der Eggers-Gruppe. Während der Baggerfahrer die Schotterschicht wegräumt und den Weg für den Detektor ebnet, wird auch auf der Niederbüssauer Seite gewerkelt. Wasserbauer Thomas Schulz schmiert die Spundwände mit einer schwarzen Masse ein. „In der nächsten Woche kommen sie auf der Oberbüssauer Seite ins Wasser“, erzählt Frank Notkamp von der Firma Echterhoff. „Dazu wird das Erdreich abgetragen“, so der Oberbauleiter.

Das über 120 Jahre alte Bauwerk wird durch eine neue Brücke ersetzt. Sie ist rund 70 Zentimeter höher und etwas leichter. Bis Oktober 2018 soll die Durchfahrt gesperrt sein. Noch einmal ein halbes Jahr später soll dann alles komplett fertig sein. Bauherr der Brücke ist das Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg, das im Auftrag der lauenburgischen Behörden tätig wird.

 Maike Wegner

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