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Lübeck Katharinenkirche ist maroder als gedacht
Lokales Lübeck Katharinenkirche ist maroder als gedacht
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11:01 30.10.2012
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Lübeck

Sie ist das Stiefkind unter den Altstadtkirchen: Die Backsteinbasilika aus dem 14. Jahrhundert ist die einzige, die der Stadt gehört – und die ist permanent klamm. Durch die Welterbe-Millionen des Bundes wird seit einem Jahr das Nötigste an der Kirche in der Königstraße gemacht. Die Kosten: 3,1 Millionen Euro. Davon zahlt der Bund 2,79 Millionen Euro, 310 000 Euro kommen von der Stadt. Doch: „Es ist erheblich mehr kaputt, als wir absehen konnten“, sagt Dennis Bunk, Chef des Gebäudemanagements. Die Arbeiter sind auf marode Balkenköpfe in der Dachkonstruktion gestoßen. Betroffen ist die Wetterseite – in Richtung Katharineum. Teilweise sind die Holzbalken vollkommen morsch. Wie viele erneuert werden müssen, ob ganz oder teilweise, soll sich nach dem Winter klären. Erst, wenn der Frost vorbei ist, sollen die kaputten Stellen untersucht werden. Aber das Budget für die Sanierung der Kirche wird voraussichtlich nicht steigen. Die Alternative: „Wir müssen Maßnahmen reduzieren“, so Bunk. Das heißt: Statik geht vor Schönheit.

Im Zweifel müsse an der Restaurierung der Kunstschätze in der Kirche gespart werden. Sie fällt ohnehin nicht üppig aus, auch wenn schon Restauratoren am Werk sind. Als Höhenarbeiter werken sie 25 Meter über dem Steinboden. In blauen Overalls und weißen Schutzmasken können sie auf der speziellen Gerüstkonstruktion in luftiger Höhe gerade eben so aufrecht stehen – dort wo normalerweise niemand hinkommt. Dort oben müssen die Restauratoren sich ab und zu unter den Bögen hindurch ducken, an denen sie werken. Ihre Arbeit hat mehr mit Sicherung als mit dem Rekonstruieren von Malerei zu tun. Sie führt sie in die Vergangenheit des alten Gemäuers, das während des Mittelalters errichtet wurde. 60 Jahre – von 1300 bis 1360 – hat der Bau gedauert.

Die Zeit hat ihre Narben hinterlassen. Damit sie nicht das Ende der Bögen bedeuten, steht Susanne Nitsch (28) hier oben, sie gehört zur Gruppe um Projektleiterin Annerose Seidel. Die gemauerten und verputzten Bögen haben mächtige Risse. Nitsch hat in dem Bogen vor ihr einen Riss frei gelegt – darunter kommen rote Ziegelsteine hervor. Teilweise ist auch der Stein selbst durchgebrochen – offensichtlich ist, dass das Fugenmaterial an vielen Stellen fehlt. Teilweise sind dafür Holzspalte eingesetzt worden. „Manche davon sind recht alt“, sagt Nitsch. Also war schon mal vor ihr jemand hier oben, an der Stelle, die ohne Gerüst nicht zu erreichen ist, und hat versucht die Fugen notdürftig zu flicken. Nitsch nimmt den Putz vorsichtig ab, damit später eine Firma Material zwischen die Steine pressen kann. Sie sollen wieder zusammengeklebt werden, damit die Bögen nicht in sich zusammenbrechen. Die Restaurierung ist bei diesen Arbeiten der kleinere Teil. Hauptsächlich geht es um die Statik.

So ist es auch bei den anderen Arbeiten, denn die Kirche drohte auseinanderzuklappen. Das größte Problem: Die Wände des Querschiffes neigten sich nach außen. Jetzt sind sie mit 14 Gewindestangen gesichert. Sechs Meter lang sind die Metallstreben, die oberhalb der Bögen durch das Mauerwerk gebohrt und auf Zug gebracht wurden. Außerdem waren 1000 Ziegel marode. Eine kleine Ziegelei im brandenburgischen Glindow hat sie als Sonderanfertigungen nachgebrannt. Sie sehen nicht nur aus wie aus dem Mittelalter – sie sind auch aus demselben Material.

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