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Lübeck Kaufland kauft Schlachthof: BfL bläst Bürgerbegehren ab
Lokales Lübeck Kaufland kauft Schlachthof: BfL bläst Bürgerbegehren ab
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21:11 09.02.2018
Als „Rattenparadies“ bezeichnet die BfL das 31 000 Quadratmeter große Gelände des früheren Schlachthofs.  Quelle: Roessler
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Im Dezember hat der bisherige Projektentwickler für den Schlachthof, Thorsten Schulze aus Nordfriesland, das Gelände vom internationalen Fleischproduzenten Vion gekauft. Bis dahin hatte er eine Kaufoption. Nur Wochen später hat Schulze den früheren Schlachthof weiterverkauft – an Kaufland. Über die Kaufpreise herrscht bei allen Beteiligten Schweigen. Seit zehn Jahren bemüht sich Schulze um eine Entwicklung des Geländes. Er wollte für rund 25 Millionen Euro 130 Wohnungen errichten und Einzelhandel ansiedeln. Vor allem aber sollte ein Kaufland dort entstehen – mit 3800 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke vom alten Schlachthof in Lübeck zu sehen (Stand: November 2017)!

Das war der Bauverwaltung und mehreren politischen Fraktionen ein Dorn im Auge. Immer wieder musste Schulze neue Gutachten beibringen. Später wurde das Gelände in Teilen unter Denkmalschutz gestellt. Er habe in den vergangenen zehn Jahren rund 250 000 Euro an Planungskosten investiert, sagt Schulze, der sich „mit einem lachenden und einem weinenden Auge von dem Projekt trennt“. Der Projektentwickler: „Kaufland hat wirtschaftlich bessere Möglichkeiten. Das Unternehmen wird jetzt alles in Ruhe überdenken.“ Kaufland teilt mit, „dass die grundsätzliche Planung neben einer Kaufland-Filiale und weiterem Einzelhandel auch Wohnungsbau vorsieht“. Jörg Brauer, Projektleiter Immobilienentwicklung Region Nord: „Wir wollen einen offenen Dialog mit allen Beteiligten führen, dazu gehören die Bürger, die Politik und die Verwaltung. Wir wünschen uns einen gemeinsamen Neustart für ein attraktives Stadtquartier.“

Diesem Neustart will die BfL nicht im Weg stehen. Die Fraktion bläst deshalb das Bürgerbegehren unter dem Motto „Ja zu Wohnen und Einkaufen am ehemaligen Schlachthof“ ab. Nach Angaben von Fraktionschef Marcel Niewöhner sind bis gestern 6235 Unterschriften für die Bebauung zusammengekommen. Kaufland sei auf die BfL zugegangen und habe auf die Gefahr hingewiesen, dass ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit dem Neustart kollidieren könne. „Wir wollen dem Fortschritt auf diesem Gelände nicht schaden“, sagt Niewöhner, „der Eigentümerwechsel stellt eine völlig neue Situation dar.“ Anfang nächster Woche werde die BfL die Kieler Kommunalaufsicht und die Stadtverwaltung über das Ende des Bürgerbegehrens informieren, sagt Niewöhner.

Am 1. Juli 2006 machte der Vion-Konzern den Schlachthof in der Schwartauer Allee dicht, 200 Menschen verloren ihre Jobs. 2010 wurde bekannt, dass Thorsten Schulze aus Nordfriesland auf dem Gelände Wohnungen und Einzelhandel ansiedeln will. Aus der Politik gab es Widerstand. 2015 änderte Schulze seine Pläne, erhöhte die Zahl der Wohnungen. Im Mai 2017 gab es grünes Licht vom Bauausschuss, doch Tage später kassierte eine andere Mehrheit in der Bürgerschaft den Beschluss wieder ein. Im September startete die BfL ihr Bürgerbegehren.

dor

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