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Lübeck "Kein Bus fährt" - Warnstreiks in Lübeck und Neumünster
Lokales Lübeck "Kein Bus fährt" - Warnstreiks in Lübeck und Neumünster
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23:14 20.03.2017
Warten am Lübecker ZOB. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Für Kira Piper und Celine Schiefelbein (beide 18) war es kein guter Tag. Die List-Schülerinnen mussten zu Fuß von der Triftstraße zum Zob laufen. „Wir wussten ja, dass gestreikt wird“, sagten die Schülerinnen, aber für sie war die Situation trotzdem einfach „Sch...“. Nach einem halbstündigen Fußmarsch stieg Kira Piper in den Zug nach Grevesmühlen, Celine Schiefelbein konnte am Zob einen LVG-Bus nach Kücknitz nehmen. Denn die Busse der Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft rollten, die 140 Stadtverkehrs-Busse dagegen blieben im Depot.

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Martin Kielhorn (l.) und Karl-Heinz Pliete (r.) sowie rund 200 Kollegen machten gestern den Busbetrieb dicht.

„Um 2.45 Uhr haben wir den Betrieb dichtgemacht“, berichtete Karl-Heinz Pliete, Gewerkschaftssekretär von Verdi. Um 3.05 Uhr sollte der erste Bus das Depot im Ratekauer Weg verlassen. Daraus wurde nichts. Erst heute am frühen Morgen wollte der Stadtverkehr die Beförderung wieder aufnehmen. Verdi hatte an der Einfahrt zum Betriebsgelände Zelte aufgebaut, es gab belegte Brötchen und literweise Kaffee. „Die Busse, die Werkstatt und der Reinigungsdienst werden bestreikt“, erklärte Karl-Heinz Pliete, „auch die Servicecenter am Zob und in Travemünde sind dicht.“

Am 1. März hatten die kommunalen Busfahrer bereits für sechs Stunden die Arbeit niedergelegt, gestern ließen sie den ganzen Tag über die Muskeln spielen. 145 Euro oder knapp fünf Prozent wollen sie mehr im Portemonnaie haben. „Alles wird teurer, und wir gucken immer in die Röhre“, unterstrich Jörg Gatzke die Verdi-Forderung, „60 bis 70 Euro netto mehr im Monat müssen drin sein.“ Der 54-Jährige ist seit fast 30 Jahren beim Stadtverkehr und berichtete von immer mehr Arbeitsverdichtung und kürzeren Pausen. „Ein vernünftiges Gehalt ist auch nötig, um in Zukunft Personal zu gewinnen“, sagte Hans-Peter Schulz. Der 58-Jährige ist seit 1992 dabei. „Wir fahren feiertags, an Wochenenden und in Schichten.“ Alle Kollegen seien sich einig, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Marco Fiebelkorn.

„Es muss einen ordentlichen Schluck aus der Pulle geben.“

Der Stadtverkehr hat auf LN-Anfrage grob überschlagen, was 145 Euro mehr kosten würden. Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke: „Bei 500 Mitarbeitern mal 145 Euro plus 30 Euro Lohnnebenkosten macht das über eine Million Euro zusätzliche Kosten im Jahr.“

Die Arbeitgeber empfinden den Arbeitskampf „als unangemessen und verfrüht“, sagte Wilfried Kley vom Kommunalen Arbeitgeberverband. 2,2 Prozent mehr hatte der KAV angeboten. Dass Verdi diese Summe als nicht verhandlungsfähig zurückgewiesen habe, empörte Kley. „Wir brauchen von Verdi ein Signal, dass in diesen Dimensionen abgeschlossen wird.“

Die Fahrgäste, die bereits seit Freitagabend über den Warnstreik informiert wurden, hatten sich überwiegend darauf eingestellt. Große Schulen meldeten nur wenige Schüler, die zu Hause geblieben waren. „Alles ganz normal“, hieß es im Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium. „Bei uns fahren ohnehin 85 Prozent mit dem Fahrrad“, sagte Karl-Peter Flittiger von der Thomas-Mann-Schule. „Einige Schüler haben angerufen, dass sie nicht kommen“, erklärte Stephan Cosmus von der Friedrich-List-Schule. Für die Taxen sind Busstreiks jedes Mal ein Konjunkturprogramm. „Wir hatten das doppelte bis dreifache Aufkommen“, berichtete Thomas Kollin, Geschäftsführer von Minicar und Citycar (38 Wagen). Einige Stammgäste hätten sich gewundert, dass sie telefonisch nicht durchkamen. „Die haben gar nichts von dem Streik gewusst“, sagte Kollin. Der Ausstand könnte sich wiederholen. Gewerkschaftssekretär Pliete: „Wir sind gewillt, weiter zu streiken.“

140 Busse blieben gestern in Lübeck im Depot, rund 200 Busfahrer waren im Warnstreik. 80 Kollegen waren es nach Angaben von Verdi in Neumünster, auch dort kam der Nahverkehr zum Erliegen.

Heute laufen Warnstreiks bei der Kieler Verkehrsgesellschaft und bei Aktiv Bus Flensburg. Am Donnerstag, 23. März, steigt die vierte Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband KAV.

 Kai Dordowsky

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