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Lübeck Kein Nachfolger: Feuerwehr womöglich bald ohne Chef
Lokales Lübeck Kein Nachfolger: Feuerwehr womöglich bald ohne Chef
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23:30 06.02.2016
Lübecks Berufsfeuerwehr steuert auf eine führungslose Zeit zu, sollte der Chefposten nicht schnell ausgeschrieben werden. Quelle: Fotos: Peer Hellerling

Die Berufsfeuerwehr droht ab August ohne Chef dazustehen. Lübecks oberster Brandschützer Oliver Bäth hat am 31. Juli seinen letzten offiziellen Arbeitstag, mit Beginn seines 61. Lebensjahrs wechselt er in den Ruhestand. Doch bis jetzt hat die Stadt die Stelle nicht neu ausgeschrieben — obwohl die Personalie seit einem Jahr bekannt ist. Das Problem wäre offenbar vermeidbar gewesen.

„Unbefriedigend“ nennt Olaf Wegner von der BfL die aktuelle Situation. „Die Stadt riskiert Lücken, die die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr infrage stellen.“ Sein SPD- Kollege Frank Zahn: „Da besteht Handlungsbedarf.“ Die Verwaltung sei „mehrfach darauf hingewiesen worden“, einen neuen Feuerwehrchef zu suchen. Zahn sieht daher vor allem Innensenator Bernd Möller (Grüne) in der Pflicht.

Doch der hat nach eigener Aussage bereits am 22. Juni 2015 den „schriftlichen Wiederbesetzungsantrag mit ausführlicher Begründung“ unterzeichnet und „unverzüglich zum Personal- und Organisationsservice der Hansestadt geschickt“. Im Juli folgten Anforderungsprofil und Ausschreibungstext. Seitdem sei nichts mehr geschehen — trotz Nachfragen per E- Mail an Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) im August und Oktober plus Gespräch im September, so Möller.

Auch der Feuerwehr-Personalrat sieht „dringlichsten Handlungsbedarf, die Stelle lückenlos wiederzubesetzen“, sagt der Vorsitzende Peter Tengler. Er wandte sich im Dezember und Januar schriftlich an den Bürgermeister. Es sei bereits jetzt schwierig, „mit der unterbesetzten Führungsstruktur die bestehenden Ereignisse und Aufgaben zu erledigen“. Auch Innensenator Möller fürchtet, dass „die ordnungsgemäße Führung der Feuerwehr möglicherweise nicht uneingeschränkt sichergestellt werden“ könne, sollte bis Juli kein Nachfolger für Bäth gefunden werden.

„Der Bürgermeister kommt nicht aus dem Quark“, sagt FDP-Fraktionsschef Thomas Rathcke. Auch Jochen Mauritz von der CDU fordert rasches Handeln: „Es ist schwierig, überhaupt passendes Personal zu finden.“ Statt halbwegs komfortablen zwölf blieben nun nicht einmal mehr sechs Monate Zeit für Ausschreibung, Bewerbungsfrist und Auswahlverfahren. Mauritz: „Wir müssen jetzt schauen, dass es schnell geht.“

Bürgermeister Saxe verweist auf die bis zu neunmonatige Wiederbesetzungssperre wegen der Haushaltskonsolidierung. „Es sei denn, es wird im Einzelfall etwas anderes entschieden.“ Entsprechende Gespräche und Prüfungen laufen, Ausgang unbekannt. Gleichzeitig gebe es im Fall der Fälle mit Bäths jetzigem Stellvertreter Bernd Neumann einen qualifizierten, vorübergehenden Ersatz. Saxe:

„Führungslos ist die Feuerwehr nicht.“

Personalrat Tengler befürchtet, dass Neumann den Chefposten ersatzlos zu all seinen aktuellen Ressorts auf Dauer mit übernehmen muss. „Neben seiner eigentlichen Funktion leitet er bereits den Rettungsdienst und die Stabsstelle.“ Zudem scheide im März 2017 mit Helmut Beck der nächste aus dem Cheftrio aus — das Problem verschärfe sich weiter. CDU-Mann Mauritz: „Die Feuerwehr geht auf dem Zahnfleisch.“ Hinzu kommen Großprojekte wie das Feuerwehr-Gutachten zur Kooperation von Kiel und Lübeck sowie der Neubau von Wache 3. „Es sind wichtige Entscheidungen zu treffen“, sagt Sozialdemokrat Zahn. Noch-Chef Oliver Bäth äußert sich diplomatisch zu dem Ganzen: „Ich wäre beruhigt, wenn ich mein Amt einem Nachfolger übergeben könnte.“

Peer Hellerling

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