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Lübeck Keine Feuerwehr-Ampel für Possehlbrücke
Lokales Lübeck Keine Feuerwehr-Ampel für Possehlbrücke
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23:02 22.09.2016
Langzeitbaustelle: Die Possehlbrücke ärgert seit der einseitigen Sperrung von März 2015 die Verkehrsteilnehmer. Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat (2)

Keine Sonderregelung: Die Bauverwaltung lehnt eine Feuerwehr-Ampel an der einseitig gesperrten Possehlbrücke ab. Denn das führe zu Rückstau. Das hat die Prüfung der Verkehrsexperten ergeben. Über die Entscheidung der Bauverwaltung ist der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung jetzt informiert worden – in nicht-öffentlicher Sitzung. Damit erteilt sie Innensenator Ludger Hinsen (CDU) eine klare Absage. Der hatte sich Anfang August für eine Feuerwehr-Ampel an der Possehlbrücke stark gemacht. Somit müssen Rettungswagen mit Blaulicht weiterhin einen Umweg fahren, wenn sie in den Süden der Hansestadt wollen – wie alle anderen auch.

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Bauverwaltung befürchtet Rückstau und lehnt ab – Politiker reagieren empört – Innensenator Ludger Hinsen (CDU) will es weiter versuchen.

Die Politiker sind sauer. „Das ist kein Argument“, ärgert sich Heidi Menorca (CDU). Sie kritisiert: „Ein Menschenleben ist wichtiger als ein Stau.“ Außerdem: „Die Eric-Warburg-Brücke wird doch sieben Mal am Tag geöffnet – da gibt es dann auch Stau.“ Mit einer Feuerwehr-Ampel an der Possehlbrücke könnten die Rettungswagen auch stadtauswärts düsen, denn dort sind Uniklinikum und Sana-Klinik. Sie würde nur auf Rot springen, wenn Sanitäter und Feuerwehrleute im Einsatz sind. Aktuell müssen sie Ausweichrouten suchen. Denn Autos können die Possehlbrücke nur stadteinwärts passieren. Menorca befürchtet zudem, dass der Neubau der Possehlbrücke noch länger dauert als geplant. Offiziell soll er Ende 2017 fertig sein – doch die Arbeiten kommen kaum voran, weil sich Stadt und Baufirma seit Monaten streiten.

„Das ist ein Trauerspiel“, schüttelt auch Jochen Mauritz (CDU) den Kopf. Er argumentiert: „Wenn ein Rettungswagen über die Possehlbrücke muss, dann dauert das nicht lange.“ Der Verkehr müsse nur für zwei, drei Minuten anhalten. Zum Vergleich: Wenn die Eric-Warburg-Brücke hochklappt, müssen die Autofahrer zehn Minuten im Stau warten. Das Thema Ampel an der Possehlbrücke sei auch schon im Polizeibeirat angesprochen werden, berichtet Mauritz.

„Das ist ein unhaltbarer Zustand“, macht Silke Mählenhoff (Grüne) klar. Sie sei sehr unzufrieden mit der Entscheidung der Bauverwaltung. Auch sie glaubt nicht daran, dass die Brücke Ende 2017 fertig wird. Daher sagt Mählenhoff: „So kann das nicht weitergehen.“ Auch GAL-Fraktionschefin Antje Jansen sagt: „Die Bauverwaltung hat immer Argumente, warum etwas nicht geht.“ Sie fordert, dass die Sache noch einmal genau untersucht wird – und schlägt vor: „Man kann doch einen Probelauf machen.“ Außerdem: „Ob Rückstau oder nicht – wichtig ist, dass die Menschen gerettet werden.“

Für SPD-Sicherheitsexperte Frank Zahn ist klar: „Ein Menschenleben ist höher zu bewerten als ein Stau.“ Daher müsse es eine Ampel geben, wenn die Feuerwehr eine fordere. Seiner Ansicht nach, hat das Feuerwehr-Chef Bernd Neumann aber nicht ausdrücklich getan. Neumann hatte vor sechs Wochen von einer „massiven Beeinträchtigung“ für Feuerwehr und Rettungsdienste im Einsatz gesprochen – durch die einseitig gesperrte Possehlbrücke. Bereits 2015 haben es Rettungswagen und Notärzte nur bei 91 Prozent der 28566 Einsätze geschafft, in zehn Minuten vor Ort zu sein. Angepeilt sind indes 95 Prozent. Der Grund dafür: Die schwierige Verkehrssituationen, zum Beispiel Baustellen. „Das ist aber keine klare Forderung“, argumentiert Zahn. Gestern war Neumann auf LN-Anfrage nicht zu erreichen.

Innensenator Hinsen hält sich mit einer Bewertung zurück. Aber er will weiterhin versuchen, dass die Possehlbrücke eine Feuerwehr-Ampel erhält. Hinsen: „Wir werden das prüfen.“

Baustelle – und kein Ende

12,8 Millionen Euro kostet der Neubau der maroden Possehlbrücke mittlerweile. Die Stadt zahlt 6,8 Millionen Euro, das Land sechs Millionen Euro. Die Baufirma hat bereits 600000 Euro nachgefordert. Weitere Kostensteigerungen nicht ausgeschlossen. Seit März 2015 ist die Querung stadtauswärts einseitig gesperrt. Fertig soll der Neubau Ende 2017 sein. Doch bislang ist erst die Hälfte der Brücke abgerissen, von der neuen ist noch nichts zu sehen.

 Josephine von Zastrow

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