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Lübeck Keine Qual mit der Wahl
Lokales Lübeck Keine Qual mit der Wahl
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11:20 10.04.2017
Bei der Landtagswahl stehen in Lübeck in 111 Abstimmungsräumen die Wahlurnen im Mittelpunkt. Rundherum sind 1000 Freiwillige im Einsatz, damit alles reibungslos läuft. Etwa 100 Helfer fehlen noch. Quelle: COSIMA KÜNZEL
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Lübeck

„Es klingt vielleicht blöd, nach einer Phrase“, sagt Lennard Stegmann (31), „aber für mich ist das gelebte Demokratie.“ Seit acht Jahren hilft der städtische Mitarbeiter bei den Abstimmungen und ist in der Regel im Wahllokal im Einsatz. Laut Beate Lege, Bereichsleiterin Wahlen, sind 178390 Personen im Stadtgebiet Lübeck wahlberechtigt; und um alle abgegebenen Stimmen auszuzählen, werden 1000 Helfer gebraucht. Sie bekommen für ihren Einsatz ein „kleines finanzielles Dankeschön“ von 30 bis 40 Euro. Etwa 100 Ehrenamtler fehlen noch.

Los geht der Dienst um 7.30 Uhr, und als Vorsteher ist Stegmann für einen sechs- bis achtköpfigen Wahlvorstand verantwortlich. Gearbeitet wird zwischen 8 und 18 Uhr zunächst in zwei Schichten. Wer den frühen oder späten Dienst übernimmt, das wird am Morgen im Team entschieden. Wichtig ist, dass immer drei Leute aus dem Vorstand anwesend sind, das ist Vorschrift. Doch bevor die Unterlagen ausgegeben und die Strichlisten geführt werden, muss das Team das Wahllokal vorbereiten.

Für Stegmanns Wahlbezirk 704 ist das die Schule Lauerholz, Außenstelle Israelsdorf. „Zuerst kontrollieren wir, ob sich keine Parteienwerbung auf dem Gelände befindet, dann werden Hinweiszettel aufgehängt und der Raum hergerichtet: das Wahlgesetz ausgelegt, die Urne hingestellt, die Tische zurechtgerückt.“

Wenn die Wähler kommen, freut sich Stegmann, auch mal Bekannte zu treffen. „Ich bin in Karlshof aufgewachsen“, erzählt er, „man kennt sich hier.“ Bei manchen Wahlen geht er aber auch als „beweglicher Wahlvorstand“ in Alten- und Pflegeheime. „Wir stellen eine Wahlurne auf, gehen aber auch direkt zu den Menschen, die nicht mehr aufstehen können.“ Am Abend kommt der gesamte Vorstand wieder zusammen, um – ab 18 Uhr – die Stimmen auszuzählen. Und wenn alles geschafft ist, fährt Stegmann gegen 20 Uhr in den Ratskeller, wo sich die Parteien treffen und die Hochrechnungen reinkommen. „Ich finde Wahlen interessant“, betont er, „und es wichtig, dabei zu helfen.“

Heidi Petersen (72) hat ebenfalls bei der Stadt gearbeitet und kam auch so zum Ehrenamt. „Am Wahlsonntag sage ich mir immer, das ist eine gute Sache, und das schaffen wir hier jetzt gemeinsam.“ Die Rentnerin gehört als Beisitzerin zu einem Wahlvorstand in Travemünde und findet es positiv, wenn sie anderen helfen kann. „Viele alte Menschen können nicht mehr gut sehen oder sind mit den Abläufen nicht vertraut, die freuen sich dann.“ Weil auch sie jahrelang dabei ist, erkennen viele Leute sie wieder, und die Frage vieler Besucher im Wahllokal sei die nach der Wahlbeteiligung, verrät sie.

Christian Stosberg (44) hat schon bei der Bundestagswahl 1998 seinen ersten Einsatz gehabt und inzwischen Landtags-, Europa- und Bürgermeisterwahlen begleitet. Diesmal wird er als Briefwahlvorstand in einem Gymnasium rote und blaue Umschläge sortieren, Erklärungen prüfen und später die Stimmzettel auszählen. Dass er sich um die „Berufung in den Wahlvorstand“ reißt, will er nicht behaupten.

„Aber als Mitarbeiter der Stadt hat man ein erhöhtes Risiko, dass es einen trifft“, sagt der Abteilungsleiter schmunzelnd.

 Cosima Künzel

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