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Lübeck Keine Schiffstour für Rollstuhlfahrer?
Lokales Lübeck Keine Schiffstour für Rollstuhlfahrer?
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16:56 20.08.2016
Eine Stadtrundfahrt auf dem Wasser gehört zum Lübeck-Besuch. Eine Reisegruppe mit jugendlichen Rollstuhlfahrern aus Schweinfurt wurden jetzt allerdings von zwei Linien abgewiesen. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, Ltm
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Lübeck

Es hatte ein schöner Aufenthalt in der Hansestadt werden sollen, gekrönt mit einer Fahrt auf dem Wasser: Was nach der Reise einer fast 20-köpfigen Gruppe gehandicapter Jugendlicher und ihren Betreuern aus Schweinfurt bleibt, ist ein schlechtes Gefühl. „Wir wurden von zwei Schifffahrtsgesellschaften nicht mitgenommen – das hat sich nicht gut angefühlt“, erklärt eine der Betreuerinnen, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Als ich bei der ersten Linie anrief, sagte man uns, es könne der Besatzung nicht zugemutet werden, dass Rollstühle die Wege versperren. Ein zweiter Anbieter sagte: ,Sie fahren nicht mit‘ und legte dann auf“, sagt die Schweinfurterin. Dabei hätte sie die Bootslinien in dem Flyer „Barrierefreies Lübeck“

 

„Wir bitten um eine Voranmeldung.“ Doris Schütz, LTM

Lübeck ohne Barrieren

Die LTM (Lübeck und Travemünde Marketing) bündelt im Internet viele Informationen zum Thema barrierefreie Hansestadt. Aufgelistet sind Sehenswürdigkeiten, Stadtspaziergänge, Unterkünfte, Restaurants und Cafés, Verkehrsmittel sowie Hinweise über behindertengerechte Telefonzellen, WCs oder Rollstuhlverleih.

• Mehr Informationen gibt es im Internet unter luebeck-tourismus.de und behindertenwegweiser-luebeck.de

gefunden. „Die erste Linie wird dort als behindertengerecht gelobt“, kritisiert die Gruppenleiterin. Nach der Absage habe sie sich erneut an die Touristeninformation gewandt. „Dort nannte man uns eine zweite Linie, die wir auch nicht benutzen konnten – wir hatten das Gefühl, dass wir auf den Schiffen nicht willkommen sind“, sagt die Betreuerin. Man habe ihr sogar gesagt, sie solle Beschwerde beim Bürgerbüro einreichen.

Die Anbieter der Bootsfahrten sehen das anders. „Wir ermöglichen alles, um die Rollis mitnehmen zu können“, sagt Sabine Andreenko von der Quandt-Linie am MuK-Anleger. „Wenn möglich, sollten Gäste unseren Anleger an der Obertrave bei den Holstentorterrassen benutzen, dort ist der barrierefreie Zustieg“, erklärt sie. Nicht alle Schiffe der Linie seien rollstuhltauglich. „Wenn auf den Schiffen zu wenig Platz sei, könnte man die Rollstühle an der MuK unterstellen. „Dann kann man ohne Rollstuhl an Bord und auf den Plätzen dort sitzen.“

„Wir nehmen alle mit, soweit wir können“, bestätigt auch Karin Quandt vom Obertrave-Anleger. Am Wakenitz-Anleger der Linie seien allerdings mehrere schmale Treppen – für Rollstühle nicht geeignet. „Im Gang können die Rollstühle bei uns nicht stehen, das ist für die Crew gefährlich und das erkläre ich den Leuten immer wieder“, sagt Astrid Grabo vom Quandt-Anleger an der Wakenitz.

Helge Gabriel, Inhaber der Reederei Cityschifffahrt, erinnert sich an das Telefonat mit der Gruppe, will von den Vorwürfen aber nichts wissen. „Es ist technisch nicht machbar, Rollstühle mitzunehmen“, erklärt er. Aus versicherungstechnischen Gründen habe er sein Personal angewiesen, keine Rollstühle zu tragen. „Wenn da was passiert, kommen wir in Teufels Küche“, sagt Gabriel. Es sei eben leider nicht möglich. „Das habe ich ihr klipp und klar gesagt, aber es stimmt nicht, dass ich die Behinderten nicht an Bord haben wollte“, stellt Gabriel klar.

„In unserem Folder ,barrierefreies Lübeck‘ empfehlen wir eine Schifffahrt mit der ,MS Hanse‘ und eine Hafen- und Kanalrundfahrt mit der Quandt-Linie“, erklärt Doris Schütz, Sprecherin vom Lübeck und Travemünde Marketing (LTM). Allerdings würde man um eine Voranmeldung bitten, da die rollstuhlfreundlichen Schiffe nicht täglich im Einsatz seien.

Ein Happy End gab es für die Reisegruppe aus Schweinfurt doch noch. „Die Betreuerin rief uns an, und wir haben die große Barkasse mit den breiten Zugängen genommen“, erzählt Gabriele Stühff von der gleichnamigen Lübecker Barkassenfahrt. „Es ist immer schlimm zu hören, dass sich jemand schlecht behandelt fühlt“, sagt sie. „Hoffentlich hatte die Gruppe am Ende noch eine schöne Fahrt.“

 Tomma Petersen

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