Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Keiner baut für die Stadt
Lokales Lübeck Keiner baut für die Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:26 11.07.2018
Lübeck

Stell Dir vor, die Stadt baut – und keiner macht mit. „Wir finden keine Firmen“, sagt Dennis Bund, Chef des städtischen Gebäudemanagements. Vor allem: „Wir finden keine Betriebe, die kurzfristig Aufträge übernehmen.“ Denn die Handwerker sind ausgebucht.

Handwerker ausgebucht

Dadurch verzögern sich Projekte, bei denen die Stadt von den Bauschäden überrascht wurde – wie jüngst bei der Kalandschule. Dort haben Bunks Leute im Mai zufällig morsche Balken im Dach entdeckt – das zweite Obergeschoss musste gesperrt werden. Die Schüler werden seither an zwei Standorten unterrichtet. Jetzt dauert es, bis überhaupt der allererste Schritt erledigt werden kann.

Denn es ist eine ungeplante Maßnahme – und Bunk muss erst einmal eine Firma finden, die das Dach untersucht. „Bis Ende des Jahres soll die Bestandsaufnahme im Dachgeschoss fertig sein“, sagt Bunk. Er bedauert: „Schneller lässt sich das nicht machen.“ 2020 soll die Sanierung der Schule starten und Ende 2021 fertig sein: Die Kosten werden grob auf neun Millionen Euro geschätzt.

Der Kalandschule ist kein Einzelfall. „Mit dem Problem kämpfen wir auch bei anderen Projekten“, sagt Bunk. Bei 13 weiteren Bauvorhaben hat keine einzige Firma ein Angebot abgegeben. Betroffen davon sind die Sanierungen von Schulen und Verwaltungsgebäuden sowie Kita-Neubauten. Gesucht hat die Stadt Firmen die Maler- und Rohbauarbeiten übernehmen, Zimmer- und Dachdeckerarbeiten sowie Abbrucharbeiten.

Straßenbau hat auch Probleme

Im Straßenbau sind Firmen ebenfalls Mangelware. „Wir finden keine Betriebe, die bereit sind, die Arbeiten anzunehmen“, erklärt Matthias Drever, stellvertretender Bereichsleiter Verkehr. Deshalb wird die Kreuzung Hüxtertorallee/ Moltkestraße nicht umgebaut. Keine einzige Firma wollte den Auftrag haben. Jetzt wird die Neugestaltung der Kreuzung auf 2019 geschoben, denn die Arbeiten sollen in den Sommerferien erledigt werden. Zwar wurden die Fahrspuren der Kreuzung asphaltiert, aber es wurden keine Kantsteine verlegt.

Kritik kommt von der CDU. „Fakt ist: Die Stadt hat nicht genügend Mitarbeiter, um die Aufgaben zu erledigen“, erklärt Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses. „Die Stadt hat jetzt zwar Geld, aber nicht genug Leute, um es auszugeben“, stimmt Andreas Zander zu. Bei der Kalandschule kritisiert er, dass das alles viel zu lange dauert. „Später sind die Schäden viel höher als jetzt.“

Zudem zahle die Stadt ein Baugerüst, das vor der Schule steht. Die Kosten belaufen sich nach Auskunft der Stadt auf jährlich 17 000 Euro. Zander erinnert an die Schule Groß Steinrade. „Da hat man auch zu lange gewartet.“ Dann seien die Schäden so groß geworden, dass die Schule komplett saniert werden musste. Ein Lösungsvorschlag kommt von Ulrich Pluschkell (SPD). „Ich kann mir eine stadteigene Bauhütte vorstellen.“

Das wäre quasi ein Handwerksbetrieb der Stadt, der sich vor allem um die überraschenden Bauschäden kümmern könnte. Zwar gibt es bereits jetzt eine schnelle Eingreiftruppe des Gebäudemanagements, aber eine Bauhütte hätte mehr Leute aus unterschiedlichen Handwerksberufen. „Wir haben immer mehr Personal für das Gebäudemanagement gefordert“, stimmt Carl Howe (GAL) zu. Ihn ärgert vor allem, dass die Arbeiten an der Kreuzung Hüxtertorallee/Moltekestraße auf 2019 geschoben werden. „Das wäre eine gute Lösung für die Radfahrer gewesen.“

Von Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!