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Lübeck Kiel oder Lübeck: Wer bekommt die Elektroautos?
Lokales Lübeck Kiel oder Lübeck: Wer bekommt die Elektroautos?
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21:39 16.12.2017
E-Auto aufladen vor der Haustür: Detlef Aue (vorne) und Stefan Probst (2. v. l.) vom Bauverein stellen vor ihrem Neubau in Karlshof die Parkplätze, Hinrich Kählert (l.) das Auto und Marc Kudling (r.) die Ladesäule.  Quelle: Roessler
Lübeck

„Im Moment sieht es so aus, dass die größere Zahl dieser E-Autos nach Kiel geht“, sagt Kählert. Die Stadtverwaltung dort und die Stadtwerke seien sehr an der Stationierung der E-Autos interessiert.

Der Carsharing-Betreiber Stattauto hat 25 Elektroautos der Marke Renault Zoe bestellt, die 2018 auf die Straße sollen. Stattauto braucht attraktive Standorte und Ladesäulen und spricht darüber mit Kiel und Lübeck. Stattauto-Vorstand Hinrich Kählert sagt: „Kiel ist viel engagierter.“

74 Standorte

170 Fahrzeuge an 74 Standorten in Lübeck, Kiel und Umland stehen den 3600 Nutzern des Carsharing-Anbieters zur Verfügung. Die Fahrzeugflotte wird ergänzt durch Elektroautos. Aktuell kauft die Genossenschaft 25 Renaults Zoe. Die Nutzung kostet 2,50 Euro pro Stunde und 25 Cent pro Kilometer.

In Lübeck gebe es derzeit in der Verwaltung keinen Ansprechpartner, da ein Mitarbeiter länger erkrankt sei. Außerdem könne Lübeck in der Innenstadt keine Standorte anbieten. „Kiel ist besser aufgestellt.“

Eine Million Elektrofahrzeuge will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) 2020 auf deutschen Straßen rollen sehen. Für Lübeck wären das 2500. Davon ist die Stadt noch meilenweit entfernt – 117 sind derzeit angemeldet. Das sind nur 40 mehr als zu Jahresbeginn.

Wie Förderung von Elektromobilität geht, zeigen der Lübecker Bauverein, Stattauto und die Berliner Firma Allego, die bundesweit Infrastruktur betreibt. Der Bauverein errichtet neue Wohnungen in der Luisenstraße (Wohnen in Karlshof). Von den 38 Stellplätzen wurden zwei an den Carsharing-Anbieter Stattauto vermietet und eine Elektroladesäule mit zwei Ladepunkten aufgestellt. Mieter und Stattauto-Mitglieder aus Karlshof können einen Renault Zoe nutzen. „Der Zoe legt Entfernungen bis zu 160 Kilometer oder im Winter 120 Kilometer zurück“, sagt Hinrich Kählert. „Das reicht für die allermeisten Erledigungen in Stadt und Region.“ An Bord liegt aber auch eine Ladekarte, mit der unterwegs an Ladesäulen aller möglichen Betreiber geladen werden könne.

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Der zweite Stellplatz steht der Öffentlichkeit zur Verfügung. Jeder, der sein E-Auto aufladen will, kann sich hier hinstellen. „Externe Fahrer können mit Chip oder Ladekarte oder Kreditkarte über Handy und Barcode ihr Auto aufladen“, erklärt Marc Kudling von Allego. „Gemeinsam bringen wir die Elektromobilität in die Stadtteile“, sagt Kählert. Auch für den Bauverein ist das ein wichtiges Anliegen, versichern die Vorstände Detlef Aue und Stefan Probst. „Immer mehr Mieter fragen nach E-Ladestationen“, so Aue. An sechs Standorten arbeiten Bauverein und Stattauto bereits zusammen, in der Luisenstraße gibt es nun erstmals Stellplätze mit Ladesäule. In der Schützenstraße, wo der Bauverein gerade einen Neubau errichtet, wird es die nächste Ladestation geben.

Die Baugenossenschaft hat auch etwas davon. Für einen Carsharing-Parkplatz entfallen vier Stellplätze für Autos mit Verbrennungsmotor. Üblicherweise müssen Bauherren pro Wohnung einen Parkplatz vorweisen. Probst: „In der Schützenstraße fallen zwölf normale Stellplätze weg.“ In der Luisenstraße galt das noch nicht. Da musste der Bauverein den Parkplatz zusätzlich bauen. Probst: „Absurd.“

Marc Kudling von Allego: „Das ist die Problematik von Lübeck.“

Wenn es um E-Mobilität geht, sind viele entscheidende Akteure eher zurückhaltend. Bereits im Sommer hat der Bauausschuss ein ganzes Maßnahmenpaket beschlossen, aber die Umsetzung zieht sich hin – das kostenlose Parken auf öffentlichen Parkplätzen etwa. Mehr Ladesäulen in der ganzen Stadt? Lohnt sich erst, wenn mehr Fahrzeuge dort „betankt“ werden, heißt es. Lichtmasten für das Aufladen von E-Autos nutzen? Grundsätzlich sei das laut Stadtgrün und Verkehr möglich, aber die Stromleistung sei sehr schwach. 2018 werden aber Bike- and-Ride-Anlagen an den Bahnhaltepunkten Travemünde-Hafen und Travemünde-Skandinavienkai gebaut. Dort werden Ladevorrichtungen für Pedelecs und E-Bikes eingerichtet.

 Kai Dordowsky

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