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Lübeck Kinderarmut in Lübeck unverändert hoch
Lokales Lübeck Kinderarmut in Lübeck unverändert hoch
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16:27 02.09.2016
Margot Bartsch, 1. Vorsitzende der Lübecker Tafel (3.v.r.), schilderte Politikern um SPD-Landeschef Ralf Stegner die Lage. Quelle: Maxwitat
Lübeck

Detlev Wulff vom Paritätischen Wohlfahrtsverband: „Im Februar hatten wir 7414 Kinder, die von Hartz IV lebten. Vier Jahr zuvor waren es 7410.“ Seit neun Jahren seien die Zahlen nahezu unverändert, erklärte Wulff: „28 Prozent der Lübecker Kinder sind arm.“

Grund sei die Zunahme an prekärer Beschäftigung. Viele Menschen hätten zwar eine Arbeit, könnten von dem Einkommen aber keine Familie ernähren und müssten deshalb zusätzlich Hartz IV beziehen.

Zugleich beobachten die Sozialverbände eine zunehmende Altersarmut. Pastorin Dörte Eitel, Chefin der Gemeindediakonie, berichtete von Rentnerinnen, die in Mülltonnen wühlen. Dorothee Martini von der Caritas erklärte, dass sich immer mehr Bürger an die Beratungsstellen der Verbände wenden würden. Am sichtbarsten werde die Not an den Ausgabestellen der Lübecker Tafel, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Baasch: „Bei der Tafel holen sich wöchentlich 500 bis 600 Menschen Nahrungsmittel ab.“

Die Tafel besuchte gestern der SPD-Landeschef Ralf Stegner, der auf seiner Sommertour durch Städte und Kreise sozialen Ungerechtigkeiten auf der Spur ist. Stegner stellte eine wachsende Verteilungsungerechtigkeit fest, die sich auch in Lübeck zeigt. „Auf der einen Seite sprießen hochpreisige Wohnungsbauten wie Pilze aus dem Boden, auf der anderen Seite geht es einem Teil der Bevölkerung immer schlechter.“ Der Landes- und Fraktionschef sprach sich dafür aus, dass sich die Hansestadt wieder eine Beschäftigungsgesellschaft zulegt. „Es war ein Fehler, sich damals davon zu trennen“, erklärte der Spitzenpolitiker. Die örtliche SPD bemüht sich um die Wiederbelebung eines öffentlich organisierten Beschäftigungsangebotes, stößt aber auf erhebliche Widerstände. Die SPD macht sich auch für eine Jugendberufsagentur nach Hamburger Vorbild stark. Diese Agenturen verzeichnen bemerkenswerte Erfolge bei der Eingliederung von Jugendlichen in den Beruf. Die Verwaltung habe sich das Modell in Hamburg angeschaut und arbeite an einem Konzept, berichtete Detlev Wulff vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die Landes-SPD will Armut mit einer besseren Kita-Betreuung, mehr Bildungsgerechtigkeit und guter Arbeit bekämpfen. Zum 1. November sollen Eltern 100 Euro pro Monat für Krippenkinder erstattet bekommen. Das sei der Einstieg in die beitragsfreie Kita, erklärte Stegner. Der Landes- und Fraktionschef versprach eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung durch mehr Lehrerstellen. An dem Tariftreuegesetz werde nicht gerüttelt. Außerdem arbeite das Land an einem Konzept, damit künftig kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlässt.

 dor

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