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Lübeck Kirche kommt nicht zur Ruhe: Jetzt bröckelt der Dom
Lokales Lübeck Kirche kommt nicht zur Ruhe: Jetzt bröckelt der Dom
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16:43 27.08.2017
Sanierungsbedarf: Der Dom bröckelt. Quelle: Lutz Roeßler

Die Akte „St. Petri“ kann bald geschlossen werden, und zwar mit Eröffnung des Kunsthandwerkermarktes in der Adventszeit. Doch die nächsten Sanierungskandidaten unter den Altstadtkirchen warten schon – in Spitzenposition ist dabei der Dom. „Die Fassade bröckelt, lange Risse im Mauerwerk innen und außen“, analysiert kurz und knapp Domvogt Markus Meier. Sichtbarstes Zeichen für diese Schadenslage ist wohl der Bauzaun mit den Warnschildern „Vorsicht Steinschlaggefahr“, der den Fuß mit den beiden majestätischen Kirchtürmen umrahmt.

„Wir haben ja schon seit Längerem festgestellt, dass hier Steinchen runterkommen. Aber als tatsächlich mal ein größeres Exemplar auf Höhe unseres Infokastens aufschlug – glücklicherweise ohne jemanden dabei zu treffen –, haben wir zu der Sicherungsmaßnahme mit dem Zaun gegriffen“, erklärt Meier. Wobei er offen gesteht: „So ganz wohl ist mir nicht, wenn ich hier lang gehe.“

Die Bauabteilung der Kirchenkreisverwaltung in der Bäckerstraße ist mit der Situation vertraut. „Wir wissen, dass wir bald etwas tun müssen“, sagt deren Vizechef Jürgen Rösing bei einer Vor-Ort- Begehung. Wie bei den anderen Backsteinkirchen auch, dringe oft Feuchtigkeit über die Fugen ins Gestein, die dann vor allem bei Frost wie Sprengstoff im Gemäuer wirken kann. „Warum es aber an einigen Stellen mehr passiert und an anderen weniger, muss immer genauestens untersucht werden“, erläutert der studierte Architekt.

Letztendlich sei es so, dass jedes Kirchengebäude wie auch jeder Altbau immer seine eigene Geschichte habe und entsprechend die Ursachen jedes Mal anders gelagert sein können, stellt er fest. „Zum Beispiel hat man beim Wiederaufbau der Turmhelmkonstruktion andere Materialien verwendet. Zudem ist es möglich, dass bei dem wiederholten Ausbessern des Mauerwerks Steine herhalten mussten, in die leichter Wasser eintritt“, so der Experte. Auch zu harte Mörtelfugen könnten Auslöser für den Steinschlag sein. Inzwischen hat die Dom-Gemeinde jedenfalls schon den Experten Christoph Diebold, der auch die Sanierung der Petri-Kirche begleitet, beauftragt, mit einer gründlichen Bestandsaufnahme der Schäden am Norder- und Süderturm zu beginnen. „Vom Ablauf her wird es wie bei St. Petri sein“, betont Jürgen Rösing, „wo wir 2013 mit den Voruntersuchungen begonnen haben und nun Ende des Jahres die Baumaßnahme abschließen können.“

2,8 Millionen Euro hat die „Gesundung“ des Petri-Turmes in den vier Jahren gekostet. Dass sich diese Summe bei zwei maroden Türmen mehr als verdoppeln könnte, dürfte kein Geheimnis sein. „So weit denken wir noch gar nicht“, sagt Carlos Blohm aus dem Kirchengemeinderat, „wir denken nur Schritt für Schritt.“

Denn erstmal müsste man überhaupt die 400 000 Euro für die Voruntersuchungsphase zusammenbekommen. „Das wird schwer genug. Unsere Gemeinde ist jedenfalls nahezu pleite. Es sind nicht mehr die Mittel da, um solche großen Dinge zu stemmen“, resümiert er. Große Hoffnung setze man daher auf die „Sieben Türme“-Spendenkampagne.

Und dann ist da ja noch mit St. Marien ein weiteres akutes Sorgenkind. Dort steht seit vier Jahren am Norderturm ein Beobachtungsgerüst. „Das dortige Monitoring der Mauerrisse ist fast abgeschlossen“, erklärt dazu Liane Kreuzer, Leiterin der Bauabteilung im Kirchenkreis, „momentan arbeitet die Kirchengemeinde mit den zuständigen Fachplanern an der Erstellung eines Sanierungskonzeptes, das 2018 fertig gestellt wird.“ Eins steht auch hier fest: Billig dürfte es nicht werden; Sponsoren sind willkommen.

 Michael Hollinde

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