Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Kirche ruft Laien auf die Kanzeln
Lokales Lübeck Kirche ruft Laien auf die Kanzeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:27 01.12.2016
Theaterchef Christian Schwandt (r.) steht zusammen mit Pröpstin Petra Kallies und Pastor Lutz Jedeck auf der Kanzel von St. Jakobi. Von hier darf er im September als Laie predigen. FOTOS: ROESSLER, DPA, NEELSEN, TEICHMANN, RICHTER

Dass er in der Jakobi- kirche auf die Kanzel gehen wird, steht für Christian Schwandt eigentlich schon fest – auch wenn der Geschäftsführende Direktor des Theaters erst im September 2017 an der Reihe sein wird. „Schließlich ist das ja durch den Titel dieser Aktion zum Reformationsjubiläum auch so gedacht“, sagt er. Zudem komme er aus einer evangelisch-kirchlich geprägten Familie und habe keine Berührungsangst.

Ab dem dritten Advent bis zum Reformationstag am 31. Oktober 2017 sollen Sonntag für Sonntag – abwechselnd in allen Lübecker Kirchen – die Kanzeln freigemacht werden für Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben, die keine theologische Ausbildung haben. „Unsere Kirche lebt vom Dialog und der Vielstimmigkeit. Dazu möchte die ,Lübecker Laienkanzel‘ beitragen“, erklärt Pröpstin Petra Kallies.

Wie Martin Luther einst gesagt habe: „Dem Volk aufs Maul schauen“. „Was treibt die Menschen also heute um? Es ist deshalb bewusst gewollt, dass auch Nichtchristen zu Wort kommen, die dann zum Beispiel für ihren Redebeitrag nicht unbedingt auf die Kanzel gehen wollen“, betont die Theologin. So wird Bürgermeister Bernd Saxe im Februar während des Gottesdienstes ein Gespräch mit der Pröpstin führen. Der Gottesbezug in der Verfassung wird thematisiert. „Denn um eine Art Predigt zu halten, bin ich ungeeignet“, so Saxe. Den Anfang macht am 11. Dezember Ministerpräsident Torsten Albig in St.

Marien. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr.

„Der Ursprungsgedanke, als wir mit den Planungen zum Luther- Jahr begonnen hatten, war, mal etwas anderes zu machen als sonst“, erklärt die Theologin. Und dass Christen, und zwar sowohl Laien als auch Ordinierte, öffentlich zu Fragen unserer Zeit Stellung nehmen, sei in der evangelischen Kirche ausdrücklich erwünscht. „Luther begründete dieses Recht mit dem Priestertum aller Getauften und der Verantwortung eines Christenmenschen für die Sache Jesu“, erläutert Petra Kallies.

Bei der Laienkanzel dabei ist auch Dr. Bärbel Kunze. Die Biologin leitet an der Uni das Lübecker Offene Labor (Lola). „Ich habe mich natürlich gefreut, angesprochen worden zu sein“, sagt die Privat-Dozentin. „Ich werde im März in St. Thomas über die persönliche Freiheit im Umgang mit den eigenen genetischen Daten sprechen – eine Freiheit, die für die meisten Betroffenen mit einem aufgedeckten Gendefekt eher unfrei macht“, resümiert die Forscherin.

Psychiater Dr. Peter Delius wird in St. Lorenz im Steinrader Weg zur Gemeinde sprechen. „Diese Verbindung darf es nicht geben“, hat er als Titel seiner Ausführungen gewählt. „Ich möchte beschreiben, wie schwer es zwei verliebte Menschen mit unterschiedlichem Glaubenshintergrund haben können“, berichtet er. „So weiß ich aus meiner Familiengeschichte, dass eine Ehe zwischen einem Katholiken und einer Protestantin noch vor 50 Jahren einer Tragödie gleichkam.“ Und Olivia Kempke vom Lübeck Management möchte sich in ihrem Beitrag mit der demokratischen Mitbestimmung auseinandersetzen. „Wozu das führen kann, erleben wir aktuell“, so Kempke.

Theaterchef Christian Schwandt hat sich extra ein Luther-Zitat vorgenommen. „So hat der Reformator gesagt: Die bösen Gedanken, sie sind wie die Vögel, wir können nicht hindern, dass sie über uns hinfliegen, aber wir können hindern, dass sie auf unseren Köpfen Nester bauen“, zitiert er.

 Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige