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Lübeck Kirchenkreis legt Gebäude-Sparliste auf
Lokales Lübeck Kirchenkreis legt Gebäude-Sparliste auf
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20:17 08.07.2017
„Aufgrund der Mitgliederentwicklung gehe ich persönlich mittel- bis langfristig davon aus, dass sich Kirchenschließungen in Lübeck nicht mehr vermeiden lassen.“Pröpstin Petra Kallies, Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg

Eigentlich ist dieses Jahr aufgrund des Reformationsjubiläums ein Feierjahr in der evangelisch-lutherischen Kirche. Doch einigen Gemeinden ist das Feiern ein wenig vergangen, wenn sie auf die interne Gebäude-Sparliste schauen . . .

Pröpstin Petra Kallies: Das würde ich so nicht sagen. Denn das Gegenteil von Feiern ist ja Trauern – so weit würde ich also bei Weitem nicht gehen. Es ist jedoch ein Fakt, dass bundesweit Kirchenkreise und Gemeinden überlegen, wie es mit dem eigenen Immobilienbestand weitergehen soll.

Warum ausgerechnet jetzt?

Kallies: Weil wir neben unseren mittelalterlichen Kirchen zahlreiche Gebäude haben, die in der Nachkriegszeit, also in den 1950er und 1960er Jahren entstanden sind – speziell in Lübeck sind das in den 23 Kirchengemeinden an die 50 Prozent. Und diese kommen jetzt vermehrt „in die Jahre“.

Das heißt: Es stehen mittelfristig teure Sanierungen an, oder?

Kallies: Im Verlaufe der nächsten zehn Jahre kommen große Investitionen auf uns zu, übrigens nicht nur bei den Nachkriegsbauten. Vor allem muss man im Hinterkopf behalten, dass dieser Gebäudebestand damals auf die doppelte Zahl an Kirchenmitgliedern ausgerichtet war, wenn man die Zahlen mit heute vergleicht. Damit Sie eine Vorstellung haben – in unserem gesamten Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg verfügen wir über 550 Immobilien.

Ihr Ziel ist es entsprechend, darauf hinzuwirken, dass der Bestand „verschlankt“ wird, um ihn an die Mitgliederzahl anzupassen?

Kallies: Das könnte man so sagen. Aber eins vorab – am Ende werden immer die Kirchengemeinden selber entscheiden, wie es mit ihren Immobilien weitergehen soll. Bei unseren Überlegungen geht es „nur“ um den finanziellen Zuschuss, den der Kirchenkreis bei Bauprojekten leistet.

Um wie viel Geld geht es dabei?

Kallies: Hierfür haben wir bisher immer eine Million Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt – also für die Sanierung von Gemeindehäusern, Kirchen und Pastoraten. Diese Finanzspritze wollen wir mittelfristig um 250000 Euro im Jahr runterschrauben.

Ohne den Zuschuss könnte die einzelne Kirchengemeinde aber höchstwahrscheinlich nicht mehr ihre nächste große Baumaßnahme durchführen. Richtig?

Kallies: Es wird zumindest schwieriger. Wenn sie die Maßnahme durchführen möchte, müsste sie andere Finanzquellen erschließen, zum Beispiel über Fundraising oder Teilvermietung von Gebäudeteilen. Allerdings kommt unser Vorschlag nicht überraschend. Denn bereits 2013 hat die Synode das Problem erkannt und dazu einen Beschluss gefasst. Schließlich geht es darum, die Mittel aus unserer „Solidarkasse“ weiterhin vernünftig einzusetzen. Auch wenn es momentan auf der Einnahmeseite gut aussieht, wollen wir für die Zukunft gerüstet sein.

Woher wissen Sie denn, welches Gebäude noch erhaltenswert ist?

Kallies: Es wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die vorhandenen Daten aller Immobilien, die aus Kirchensteuern finanziert werden, gesichtet hat. Erfasst wurden Lage, Umgebung, Erreichbarkeit und Sichtbarkeit, tatsächliche Nutzung der Gebäude, geschätzte Investitionskosten in den nächsten zehn Jahren und Betriebskosten. Die Kirchengemeinden haben da auch noch mal draufgeguckt.

Und daraus wurde ein Gebäude- Sparplan erstellt?

Kallies: Nicht ganz. Der Kirchenkreisrat hat eine Empfehlung erarbeitet mit Gebäuden, die zukünftig noch einen Zuschuss erhalten sollen. Geplant ist, den Entwurf im September in Mölln bei der nächsten Kirchenkreissynode – das ist ja unser Parlament mit 88 Abgesandten unter anderem aus den einzelnen Gemeinden – zu diskutieren. Ein Beschluss wird schließlich für die Haushaltssynode im Dezember angestrebt.

Wie sind die bisherigen Reaktionen ausgefallen?

Kallies: Die sind sehr unterschiedlich – manche Gemeinden fordern berechtigte Nachbesserungen in der Beurteilung ihrer Gebäude, einige wenige üben Fundamentalkritik am gesamten Vorgehen.

Viele begrüßen aber den Prozess als solchen.

Können Sie denn schon verraten, welche Gebäude „in Gefahr“ sind?

Kallies: Nein. Außerdem müssen sie nicht „in Gefahr“ sein. Man kann sich in Ruhe Konzepte für ihren Erhalt überlegen.

Stehen möglicherweise Kirchen vor der Schließung?

Kallies: Mittel- bis langfristig gehe ich persönlich davon aus, dass sich dies nicht vermeiden lässt. Schließlich ist die demografische Entwicklung kein Geheimnis. Vermutlich werden sich irgendwann auch kleinere Gemeinden zusammenschließen.

Dies wird also die nächste große „Baustelle“ sein, oder?

Kallies: Ich denke, das ist die wesentliche Aufgabe – wie wollen wir zukünftig unsere kirchliche Arbeit attraktiv gestalten, trotz eines sich deutlich abzeichnenden Fachkräftemangels bei den Pastoren und einer sich wandelnden Mitgliederstruktur? Aus den Antworten auf diese Frage ergibt sich dann, welche Gebäude an welchen Standorten benötigt werden. Vorher werden die Kirchengemeinden wohl nicht über die Aufgabe von Immobilien entscheiden.

Interview: Michael Hollinde

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