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Lübeck Kita-Eltern machen Druck: „Wir fordern keinen Luxus“
Lokales Lübeck Kita-Eltern machen Druck: „Wir fordern keinen Luxus“
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18:16 24.12.2015
Kai Daut (v. l.), Frederike Rickert, Christian Weise und Levke Stenman. Quelle: Dordowsky

„Irgendwann ist auch mal Schluss mit Ansprüchen.“ Mit diesem Satz, geäußert in der Bürgerschaft, wollte Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) den Forderungen von Kita-Eltern eine Grenze setzen. Doch die Elternvertreter lassen nicht locker. Sie fordern erneut, dass die über 100 Kitas in Lübeck personell besser ausgestattet werden, damit nicht mehr so viele Betreuungsstunden ausfallen. Unterstützt werden die Kreis- und die Stadtelternvertretung von der Gewerkschaft Ver.di.

Levke Stenman, Vorsitzende der Stadtelternvertretung (SEV), Kai Daut, der neue Vorsitzende der Kreiselternvertretung (KEV), Christian Weise, Vertreter der Kita-Eltern im Jugendhilfeausschuss, und Frederike Rickert, Mitglied im KEV, legen ein gemeinsames Positionspapier vor. „Wir fordern mehr Personal in den Kitas“, heißt es in dem Papier, „fehlendes und nicht ersetztes Personal führt zu einer gravierenden Minderung der Qualität der Betreuung.“ Der gesetzlich vorgeschriebene Bildungsauftrag werde zu stark vernachlässigt. Und Levke Stenman spricht sogar von „Missständen in vielen Kitas“.

Die Elternvertreter kennen die Lage in den Kitas ihrer eigenen Kinder. Sie wissen aus Gesprächen mit anderen Eltern, aber auch mit Kita-Leitungen, wie es anderswo aussieht. Sie haben eine Erhebung in zwei Kitas gemacht. Sie fordern von der Verwaltung, dass die Ausfallzeiten für alle Kitas erhoben werden. Der vorgeschriebene Betreuungsschlüssel von eineinhalb Fachkräften pro 20 Kinder (bei Kindern über drei Jahren) werde theoretisch in Lübeck erfüllt, sagt Weise: „In der Praxis wird der Schlüssel oft nicht eingehalten.“ Wenn zu viele Erzieherinnen und Erzieher krank sind, werden Eltern gebeten, ihre Kinder zu Hause zu behalten, und Gruppen zusammengelegt.

Die Verwaltung hat eine Liste über Ausfallzeiten durch Urlaub und Krankheit in 44 Einrichtungen aufgelistet — anonym. Die Quoten reichen von zehn bis fast 45 Prozent. Bei den großen Trägern liegen sie bei über 19 Prozent. „Diese Liste enthält aber keine Aussage darüber, ob die Ausfälle ersetzt wurden“, kritisiert Weise, „die Mittelwerte nützen uns überhaupt nichts.“ Der Elternvertreter geht davon aus, dass im Winter bis zu 30 Prozent und mehr der Betreuungsstunden ausfallen. Stenman: „Der Betreuungsschlüssel wird nur in Ausnahmefällen vorgehalten. Wir fordern das, was anderen Kita-Kinder im Land zuteil wird und wofür die Eltern ihre Beiträge bezahlen.“

Die Einwohnerversammlung hat die Forderung der Verbände nach kleineren Gruppen und mehr Personal in den Lübecker Kitas mit großer Mehrheit unterstützt. Die Bürgerschaft hat sich damit befasst, und die Entscheidung dann in den Jugendhilfeausschuss delegiert. Der hat darüber noch nicht diskutiert. „Wir brauchen endlich die Zahlen, um den Politikern die Brisanz zu verdeutlichen“, fordert Weise und wirft Senatorin Weiher „Verschleppungstaktik“ vor. Auch Ver.di hält es „für nicht hinnehmbar“, dass Weiher berechtigte Ansprüche von Beschäftigten und Eltern einfach abkanzele.

Die Verbände fordern eine Verkleinerung der Gruppen von 20 auf 16 Kinder und zwei Fachkräfte pro Gruppe. Als Einstieg soll die Stadt den besseren Standard, der derzeit in 34 Kitas gilt, flächendeckend ausweiten. Kai Daut: „Das ist ein Türöffner, aber noch nicht die große Lösung.“ Weiher lehnt das rigoros ab. Die Kitas mit verstärktem Personaleinsatz und kleineren Gruppen seien bewusst in Quartieren mit hoher Armut oder großem Migrantenanteil eingerichtet worden. Die flächendeckende Aufstockung würde zwischen 1,1 und 1,4 Millionen Euro im Jahr kosten. Weiher: „Das mache ich nicht.“ Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat angeregt, die Kosten über höhere Elternbeiträge abzufangen. Das lehnen die Elternvertretungen rigoros ab. Levke Stenman: „Wir zahlen schon jetzt für eine Qualität, die wir nicht bekommen.“ Im Februar treffen sich die Verbände mit der Senatorin.

Kai Dordowsky

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