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Lübeck Kita-Personal händeringend gesucht
Lokales Lübeck Kita-Personal händeringend gesucht
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21:16 19.06.2017
Quelle: dpa
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Lübeck

Besonders kritisch sei die Lage bei den städtischen Kitas, sagen die Stadt- und Kreiselternvertretungen. Die Vorsitzenden Stefanie Berndt und Kai Daut bezeichnen „die Bilanz der Stellenbesetzung als geradezu skandalös“.

Im März 2016 stellte das Kieler Sozialministerium fest, dass 35 Prozent aller drei- bis sechsjährigen Kita-Kinder mehr als sieben Stunden pro Tag in der Einrichtung sind. Um die Qualität der Betreuung zu verbessern, wurden Mittel für die zweite Fachkraft am Nachmittag erhöht. In diesem Jahr gibt das Land dafür 25 Millionen Euro aus. Laut Sozialministerium stehen der Hansestadt davon 3,4 Millionen Euro zur Verfügung, die in zwei Tranchen ausgezahlt werden. „Die sehr zu begrüßende und notwendige Maßnahme der Landesregierung ist für die städtischen Kitas in Lübeck in unzureichender Weise und zum Nachteil von Kindern, Eltern und Mitarbeiterinnen umgesetzt worden“, kritisieren Daut und Berndt. Das sei skandalös, weil in den städtischen Kitas auf Grund von ungeplanten Fehlzeiten wie durch Krankheit Gruppen zusammengelegt oder Kinder nach Hause geschickt werden müssen. Der Antrag der Elternvertretungen auf mehr Personal sei von Politikern mehrerer Parteien mit dem Hinweis abgewiesen worden, dass das Land ja mehr Geld für Personal zur Verfügung stelle. Die Elternvertretungen haben andere Träger wie das Kitawerk der Gemeindediakonie und Kinderwege gefragt. Die Vorsitzenden: „Dort gibt es aktuell keine unbesetzten Stellen. Hier stellt sich die Frage, warum dies bei den städtischen Kitas nicht annähernd gelungen ist.“

„Alle notwendigen Stellen wurden besetzt, alle Mittel abgerufen“, bestätigt Joachim Karschny, Geschäftsführer von Kinderwege, einem gemeinnützigen Träger von zehn Kitas. Bislang sei die Bewerberlage gut gewesen, sie verschlechtere sich aber zusehends, erklärt Karschny. „Wir haben in einer Einrichtung zwei Planstellen offen, die seit drei Monaten mangels geeigneter Bewerberinnen nicht besetzt wurden und von den übrigen Kolleginnen durch Aufstockung von Stundenkontingenten kompensiert werden müssen.“ Das Kitawerk, mit 38 Einrichtungen der größte Anbieter in Lübeck, konnte 2016 die Mittel lediglich für 15 von 37 Kitas abrufen. Hauptgrund: Der Bescheid des Landes kam spät. In diesem Jahr seien nahezu alle Gelder abgerufen worden. 100 Prozent sei vor allem wegen des „landesweit dramatischen Fachkräftemangels“ nicht erreichbar.

Nach Angaben der Stadt konnten in zwölf von 28 städtischen Kitas die Stellen noch nicht besetzt werden. Mehrere Besetzungsverfahren seien seit August vergangenen Jahres gelaufen. In der ersten Runde hätten sich lediglich neun Bewerberinnen auf freie Stellen gemeldet, lediglich drei Fachkräfte wurden eingestellt. Die übrigen Bewerber erschienen nicht zum Vorstellungsgespräch, zogen ihre Bewerbungen zurück oder entsprachen nicht dem Stellenprofil. Im August konnte nur eine von neun Bewerberinnen eingestellt werden. Auch die städtischen Kitas stellen fest, „dass sich die Bewerberlage zunehmend verschlechtert“. Der zügige Ausbau des Rechtsanspruchs für Familien von kleinen Kindern auf einen Betreuungsplatz „erfordert bundesweit eine hohe Anzahl von pädagogischen Fachkräften, die derzeit nicht zur Verfügung stehen“. Auch die Aufstockung von Ausbildungsplätzen für Erzieherinnen werde kurzfristig keine Abhilfe schaffen, weil die Ausbildung lange dauert. Der Bereich städtische Kitas teilt den Vorwurf der Elternvertretungen nicht: „Der Bereich hat alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, um eine zügige Besetzung aller vakanten Stellen umzusetzen.“

Joachim Karschny, Geschäftsführer von Kinderwege, nimmt die städtischen Kollegen in Schutz. „Freie Träger können Stellen oft leichter besetzen“, sagt Karschny. „Wir plädieren seit vielen Jahren dafür, dem Bereich städtische Kitas eine größere Personalautonomie zuzubilligen.“

 Kai Dordowsky

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