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Lübeck Kita-Schließzeiten: Lübeck findet Lösung
Lokales Lübeck Kita-Schließzeiten: Lübeck findet Lösung
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19:37 07.02.2018
„Der gefundene Konsens lässt zu viel Spielraum, gar nichts zu verändern“, sagt Christian Weise, Vorsitzender der Kreiselternvertretung. Quelle: dpa
Lübeck

„Wir haben einen Konsens gefunden, der dem Bürgerschaftsbeschluss voll umfänglich Rechnung trägt“, sagt der bei der Stadt zuständige Fachmann Klaus-Peter Jürgensen. Und erntet dafür breite Zustimmung. Dörte Eitel, Geschäftsführerin des Kitawerks, mit 38 Einrichtungen der größte Anbieter in Lübeck: „Ich bin mit dem Konsens zufrieden.“ Im nächsten Jahr sollen die Kitawerk-Kitas das umsetzen. Eitel: „Die Ermittlung des zusätzlichen Personalbedarfs mit den damit verbundenen Personalkosten wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Der Geschäftsführer von Kinderwege, Joachim Karschny, begrüßt ebenfalls die Vereinbarung: „Die Verlängerung der Öffnungszeiten in den Ferien und die Verpflichtung der Träger, ihre Kitas über die gesamten Ferien hinweg zumindest mit Feriengruppen offen zu halten, erleichtert die Urlaubsplanung für alle Familien.“ Kinderwege werde 2019 alle Ergebnisse der Vereinbarung vollständig umgesetzt haben, versichert der Geschäftsführer. „Die Rückkehr der Jahresöffnungszeiten für Kitas in Lübeck zu einem in Deutschland üblichen Maß ist ein Signal für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben.“

Die Stadt und die Freien Träger von Kindertagesstätten (Kitas) haben sich auf eine Lösung verständigt, wie die Zahl der Schließtage von 30 auf 20 verringert werden kann. Die Bürgerschaft hatte das beschlossen, konnte es aber nicht einfach durchsetzen.

2001 wurden die Tage, an denen Kitas schließen, auf 30 heraufgesetzt, weil die Stadt Geld sparen wollte. 2017 wurde das von der Bürgerschaft mit großer Mehrheit korrigiert. Das wird zwei Millionen Euro zusätzlich im Jahr kosten. Doch der Bürgerschaftsbeschluss war rechtlich für freie Träger nicht bindend. Deshalb suchten Träger und Stadt nach einer freiwilligen Lösung, die jetzt vorliegt.

Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos), die die Vereinbarung für 28 städtische Kitas umsetzen muss, fordert Zeit. „Wir müssen Elternvertreter und Mitarbeiterinnen mitnehmen“, sagt die Senatorin, außerdem herrsche bei Erzieherinnen Fachkräftemangel. Längere Jahresöffnungszeiten bedeuten mehr Personal. Weiher: „Sobald mehr Personal an Bord ist, können die Schließtage reduziert werden.“ Andreas Hagenkötter, Vorsitzender des Kita-Ausschusses der Katholischen Pfarrei (vier Kitas): „Die Einrichtungen haben nun die Möglichkeit, bei Bedarf die Schließzeiten weiter zu reduzieren.

Außerdem müsste durch eine bessere stadtweite Grundschulbetreuung in den Sommerferien auch den Eltern eine vernünftige Urlaubsplanung möglich sein, die Kinder in der Kita und einer Grundschule gleichzeitig haben.“

Die Elterninitiative, die das ganze Thema ins Rollen brachte, ist mit dem Konsens zufrieden. Gründerin Jenny Scharfe: „Wir hoffen, dass die freien Träger das Angebot der zusätzlichen Finanzmittel der Stadt nun auch nutzen werden.“ Wichtig sei, dass zunächst neues Personal eingestellt werde. Scharfe: „Die Reduzierung der Schließtage darf nicht zu Lasten der Erzieher erfolgen.“ Dass es keine einheitlichen Schließtage geben werde, „ist kein Problem, wenn die Kitas künftig nur noch 20 Tage im Jahr geschlossen haben und die Schulen während der ganzen Sommerferien ein Betreuungsprogramm anbieten“, erklärt die junge Mutter. Die Kreiselternvertretung der Kitas erkennt an, dass sich Verwaltung und Träger überhaupt auf Verbesserungen für berufstätige Eltern oder Alleinerziehende verständigt hätten. Vorsitzender Christian Weise sieht aber „zu viel Spielraum für einzelne Träger, gar nichts zu verändern. Ich erwarte Nachbesserungen bei der Neuaushandlung der Budgetverträge im kommenden Jahr.“

Die drei Parteien, die sich für mehr Öffnungstage eingesetzt hatten, sind ebenfalls zufrieden. „Ich bin ziemlich von den Socken, was wir in den letzten Monaten alles geschafft haben“, sagt Katja Mentz (GAL). „Der Konsens bringt eine spürbare Entlastung für die Familien“, ist die Fraktionschefin der Grünen, Michelle Akyurt, überzeugt. „Aber die Vereinheitlichung der Schließtage muss auch noch kommen.“ Tim Klüssendorf (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses: „Der Konsens ist so in Ordnung.“

Was übrig bleibt

Der Beschluss: Die bislang vertraglich geregelte Schließzeit von 30 Tagen wird unter einheitlicher Festsetzung durch den Bürgermeister für alle Kitas auf höchstens 20 Tage reduziert.

Der Konsens: Sofern freie Kita-Träger dies wünschen und organisatorisch umsetzen können, werden diesen die finanziellen Mittel durch die Stadt bereitgestellt, um die Schließtage von 30 auf 20 zu reduzieren.

 Kai Dordowsky

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