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Lübeck Kitas: Stadt will Eltern erneut zur Kasse bitten
Lokales Lübeck Kitas: Stadt will Eltern erneut zur Kasse bitten
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07:31 07.10.2016
Der Halbtagsplatz für die ganz Kleinen – hier eine Szene aus der Kita Idun – wird im nächsten Sommer um sieben Euro teurer. Quelle: Lutz Roeßler

 Die Kreis- und Stadtelternvertretungen sowie das Frauenbüro lehnen die Anhebung ab. Der Jugendhilfeausschuss sprach sich gestern Abend einstimmig für die Erhöhung aus. Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos): „Die Kinderbetreuung wird ständig teurer, dann müssen die Elternbeiträge eben auch steigen.“

Die finanzielle Belastung der Eltern sei im Vergleich mit anderen, größeren Gemeinden wie Flensburg, Neumünster und Norderstedt bereits jetzt zu hoch, protestieren die Kreis- und Stadtelternvertretungen. Eine Anhebung um gleich drei Prozent sei weder moderat noch verhältnismäßig. 2013 und 2015 seien die Elternbeiträge jeweils um ein Prozent erhöht worden. „Insbesondere für Familien mit mehreren Kindern oder für Alleinerziehende ist die geplante Erhöhung unzumutbar“, kritisieren die Vorsitzenden Levke Stenman und Kai Daut. Zumal die Betreuung der Kinder durch Krankheit von Erzieherinnen zu oft ausfalle und Angebote eingeschränkt und Gruppen zusammengelegt würden. Diesen Missstand haben die Elternvertretungen wiederholt bemängelt. „Solange diese Mängel nicht behoben sind, halten wir die Erhöhung für ungerechtfertigt“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch das städtische Frauenbüro ist gegen die Anhebung. „Eltern werden in Zukunft zwischen 170 und 329 Euro pro Monat für Kita-Kinder zahlen“, rechnet die Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse vor.

Damit müssten die Eltern in der Hansestadt deutlich mehr von ihrem Einkommen für die Kita-Betreuung einsetzen, als es die Arbeitsgemeinschaft der Jugendämter der Länder empfiehlt. Hohe Elternbeiträge würden Mütter vor der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zurückschrecken lassen, argumentiert die Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse. Familienfreundlichkeit sei ein Standortvorteil für eine Kommune.

Sasse: „Wir empfehlen deshalb, von einer erneuten Erhöhung der Kita-Gebühren Abstand zu nehmen.“ Andere Kommunen wie Heilbronn, Düsseldorf, Kaiserslautern, Mainz oder Salzgitter hätten kostenlose Kitas eingeführt.

Das Meinungsbild der Elternbeiräte in den einzelnen Kitas fällt ganz anders aus. In 18 von 28 Einrichtungen stimmen die Beiräte der Anhebung zu, in sechs Einrichtungen lehnen die Eltern das ab, in zwei Kitas gibt es kein eindeutiges Meinungsbild – und zwei Einrichtungen sind geschlossen. Die Verwaltung hat landesweit Elternbeiträge für Krippenkinder mit einer täglichen Betreuung zwischen acht und zehn Stunden verglichen. Danach belegt Lübeck einen Mittelfeldplatz. Günstiger sind Norderstedt, Neumünster und Flensburg, teurer die Landeshauptstadt und eine Reihe mittelgroßer Städte.

Christian Weise von der Kreiselternvertretung: „In Kiel sind die Entgelte für das Essen dafür deutlich günstiger als in Lübeck.“

Bildungssenatorin Weiher weist darauf hin, dass ab nächsten Sommer Tausende Eltern von Kleinkindern bis zu 100 Euro vom Land als Zuschuss bekommen. Das sei der Einstieg in die beitragsfreie Kita, bestätigt Tim Klüssendorf (SPD). Das sei aber Sache des Landes und nicht der Hansestadt.

Preise des Kitawerks

38 Kitas betreibt das Kitawerk der Gemeindediakonie, ist damit Lübecks größter Träger. Zum 1. August dieses Jahres wurden die Elternbeiträge wegen Ausweitung der Betreuungszeiten angehoben. Ein Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren kostet für sechs Stunden ohne Essen 262 Euro, bei 8,5 Stunden 315 Euro. Der Kitaplatz für Kinder ab drei Jahren kostet halbtags ohne Essen 162 Euro im Monat, für 8,5 Stunden 232 Euro. Die Erhöhungen schwanken zwischen 1,67 und 8,25 Prozent.

 Kai Dordowsky

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