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21:12 30.06.2017
Im Zirkuszelt auf dem Schulgelände der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen zeigen die Kahlhorstschüler ihre Show. Mitmachzirkus Aron hat alle Schulkinder drei Wochen lang begleitet und mit ihnen auch die Kunststücke mit den Hula-Hoop-Reifen einstudiert. Quelle: Fotos: Künzel (3), Malzahn*
Lübeck

Das Zirkuszelt ist voll, die Menge jubelt und applaudiert fast ohne Pause. Dabei stehen in der Manege keine Profis, sondern Grundschüler der Kahlhorstschule, die eine Woche für ihren Auftritt geübt haben. Jetzt begeistern sie als Seiltänzer, Clowns oder Zauberer vom Mitmachzirkus Aron rund 400 Eltern und Lehrer. Nicht nur hier kommt das Zirkus-Machen gut an.

Drei Wochen lang hat der Zirkus Aron mit Kindern der Kahlhorstschule geprobt und die Zuschauer begeistert – Auch andere Projekte für den Nachwuchs füllen die Zelte und Turnhallen.

Auch andere Projekte für kleine Artisten an Schulen oder in Vereinen haben mit unterschiedlichen Konzepten regen Zulauf.

Der Mitmachzirkus Aron aus Berlin ist ein elfköpfiges Familienunternehmen mit sieben Trainern. Bis vor 17 Jahren waren sie ein herkömmlicher Zirkus mit Artisten, Clowns und Tiershow. „Doch dann hat uns eine Schule gefragt, ob wir mit den Kindern eine Vorführung einstudieren könnten“, sagt Sprecherin Andrea Tabak, „und seitdem wurden es immer mehr.“ Inzwischen besuchen sie Schulen in ganz Deutschland, 20 bis 40 im Jahr. „Wer einen Wunschtermin haben will, muss vier Jahre im Voraus buchen.“

Mit rund 450 Kindern der Kahlhorstschule haben sie drei Wochen lang in verschiedenen Gruppen trainiert, und es gab sechs Vorführungen. „Die Kinder wurden sehr individuell gefördert und richtig starkgemacht“, sagt Schulleiter Rüdiger Rückbrodt (52) und ist begeistert vom Konzept.

Als Zirkus im Verein Lübeck 1876 hat auch Charivari regen Zulauf und wurde erst jüngst als Sieger der Aktion „200000 für Zehn“ ausgezeichnet. Direktorin Trix Langhans betont, dass „Zirkus einen sehr einladenden Charakter hat“ und alle mitnimmt. „Ein Kind mit Höhenangst entpuppt sich vielleicht als sehr guter Jongleur. Jemand, der kräftig gebaut ist, ist möglicherweise ein guter Untermann.“

So könne jeder seine Stärken entdecken und das Erlebnis von Gemeinschaft auch in den Alltag mitnehmen. „Viele Charivaris sagen, dass der Zirkus ihre zweite Familie sei.“

Wichtig ist der Leiterin auch, dass sich die Kinder ernstgenommen fühlen. Sie dürfen beim selbstständigen Auf- und Abbau Verantwortung übernehmen und müssen mit anpacken. „Viele Kinder werden heutzutage zu sehr in Watte gepackt, bei uns im Zirkus werden sie gefordert – und das tut ihnen gut.“ Kein Wunder also, dass es sogar eine Warteliste gibt, auf der derzeit über 160 Kinder stehen.

Allerdings brauche es auch „sehr viel Herzblut und immer wieder große Kraftanstrengungen“, wenn die Projekte gestemmt werden müssen. Zum Glück habe der Zirkus einen „sehr engagierten Förderverein“

und Jugendliche, die „mit bewundernswerter Tatkraft“, das an Jüngere weitergeben, was den Zirkus ausmache, so Langhans.

Auch bei Ubuntu, einem Kinder- und Jugendzirkus, der ab 25. Juli wieder mit Zelt und Wagenburg im Drägerpark gastiert, sieht Sprecher Leonhard Peters die Gemeinschaft als Erfolg solcher Projekte. Bei der Tournee müssten sich alle Beteiligten anstrengen und zusammenarbeiten. Jeder sei wichtig, jeder werde gebraucht. „Diese soziale Erkenntnis in die Herzen der Kinder und Jugendlichen gepflanzt, ist ein Teil unser Zukunft und somit Teil eines pädagogischen Konzeptes.“ Gründe, warum die Kinder und Jugendlichen seit Jahren mit Ubuntu auf Tournee gehen, gebe es viele: Das Gefühl, anderen eine Freude zu bereiten oder während der abenteuerlichen Tournee in einer Parallelwelt zu leben und eine verschworene Gemeinschaft mit festen Ritualen zu bilden.

Aber auch dieses Projekt braucht Engagement im Ehrenamt: „Ubuntu funktioniert nur als Familienprojekt“, sagt Peters. Entscheidet sich ein Kind, mit auf Tournee fahren zu wollen, heißt das für die Eltern, mindestens hundert Arbeitsstunden in das Projekt zu investieren. „Eine gewisse Zeit dreht sich fast alles nur um Ubuntu. Wenn man dann aber die strahlenden Augen der Kinder in der Manege und die des Publikums sieht, ist alle Mühe vergessen – und jeder weiß genau, warum sich dieser Einsatz lohnt.“

Cosima Künzel

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