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20:13 11.11.2017
Den Zettel mit der Aufschrift „Schön, daß ihr da seid“ schrieb Mona Rüßmann (Foto rechts) spontan. Sie klemmte ihn am verkaufsoffenen Sonntag nach der Grenzöffnung hinter einen Trabi-Scheibenwischer in der Holstenstraße.

Die deutsche Wiedervereinigung ist Jahre her, als Mona Rüßmann (heute 44) über ein Foto in der Zeitung staunt. Es zeigt einen Zettel mit der Aufschrift „Schön, daß ihr da seid“, den sie 1989 spontan hinter die Windschutzscheibe eines Trabis geklemmt hatte. „Ich war damals 16 Jahre alt und in der Lübecker Innenstadt unterwegs.“ Es war ein verkaufsoffener Sonntag, der 12. November, und die City war rappelvoll mit Besuchern aus der DDR. „Auch wir hatten Verwandte zu Gast, und ich war bewegt von diesen Ereignissen.“

Die Grenzöffnung in Schlutup am 9. November 1989 und die Wochen danach sind unvergessen. Viele Menschen erinnern sich jetzt wieder gern daran, holen historische Fotos und Zeitungsausschnitte hervor oder besuchen die Grenzdokumentations-Stätte in Lübeck- Schlutup.

So kam die Idee des kleinen Zettels, zu dem ein Unbekannter später noch eine Süßigkeit legte. Dass daraus ein Symbolfoto wurde, freut die gebürtige Lübeckerin, die heute in München lebt. „Damals dachte ich: ,Jetzt erlebst du etwas, das mal in den Geschichtsbüchern steht’. Und so ist es gekommen.“

Detlef Hardt (73) vom Weißen Ring war damals Leiter der Polizeistation Lübeck-Schlutup und erinnert sich an den Ort als „sehr beschaulichen“ Stadtteil. „Doch alles änderte sich schlagartig an diesem 9. November“, sagt er, „plötzlich kamen Scharen von DDR-Bürgern nach Lübeck.“ Er selber habe sich mit seinem – leider verstorbenen und unvergessenen – Kollegen Karl Speetzen an die Grenze begeben und den Kontakt zu Nachbardienststellen gesucht.

„Es gelang uns, den zögerlichen DDR-Grenzposten von unserem Vorhaben zu überzeugen; und so waren wir wohl die ersten Polizeibeamten, die mit einem Polizeifahrzeug in Schönberg waren.“ Die späteren Gespräche mit der Polizeiführung in Schönberg und Grevesmühlen seien freundlich verlaufen. „Aber doch noch in angespannter Atmosphäre.“

Gegenseitige Besuche und Fußballspiele hätten in den folgenden Wochen zu mehr Vertrauen geführt, so Hardt. „DDR-Volkspolizisten besuchten auch die Dienststelle in Schlutup und waren über die Offenheit erstaunt. „In der DDR war ja quasi alles geheim, auch die Landkarten.“ Hardt und Kollegen öffneten bereitwillig den Panzerschrank. Er enthielt neben den Waffen ,nur’ die obligatorische Kaffeetasse. „Alles andere war offen.“

Der damalige Stationsleiter erinnert sich auch, dass der Wunsch nach einem West-Fahrzeug übergroß war. „Es wurden uns im Gegentausch Datschen am Schweriner Ufer angeboten. Wir haben aber abgelehnt.“ Mit der Zeit verebbte jedoch die mitreißende Willkommensstimmung in Schlutup. „Die endlose Zahl von Trabis nervte viele Leute, es bildete sich eine Bürgerinitiative.“ Schlutuper beklagten, dass DDR-Bürger mit zu hoher Geschwindigkeit durch den Ort führen. Hardts Radarmessung ergab: Es waren überwiegend Einheimische, die gegen das Limit von Tempo 30 verstießen.

„Wenn ich heute durch die neuen Bundesländer fahre, mit Menschen spreche, vermisse ich oft das damalige Glücksgefühl und die Wärme. Auf beiden Seiten ist doch wieder eine Kälte und Gleichgültigkeit eingetreten.“

Auch für Ingrid Schatz, 1. Vorsitzende der Grenzdokumentations- Stätte Lübeck-Schlutup, ist die Zeit der Grenzöffnung unvergessen und sie erlebt oft, dass es anderen ähnlich geht. „So mancher wischt sich eine Träne aus den Augen, wenn er die Bilder hier sieht.“

Von Cosima Künzel

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