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Lübeck Kleingärtner überlistet Lauben-Räuber
Lokales Lübeck Kleingärtner überlistet Lauben-Räuber
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13:12 08.04.2016
Gegen 10 Uhr bemerkt Kleingärtner Babies, dass in einer seiner drei Hütten am Eichenweg eingebrochen wurde. Quelle: Felix König

Plötzlich steht er vor ihm. Groß, sportliche Statur, dunkle, gelockte Haare. Gartenlauben-Besitzer Mirco Babies ist verunsichert. Was will der Unbekannte auf seinem Grundstück? Die Polizei, die der 39-Jährige wegen eines Einbruchs an seiner Hütte gerufen hatte, ist doch gerade einmal seit 30 Minuten wieder weg.

Der Fremde erzählt, er hätte den Einbruch gesehen. Plötzlich versucht der junge Mann zu fliehen. Babies reagiert schnell und beweist großen Mut: Er ringt den Flüchtigen drei Mal zu Boden. Dann überlistet er den Täter so, dass er Babies zum Versteck mit der Beute führt. Dort hält er den Mann so lange fest, bis die Polizei kommt und den Täter mitnimmt.

Die Geschichte beginnt am Mittwochmorgen in der Kleingartensiedlung „Sonnenschein“ des Vereins Holstentor Nord bei der Lohmühle. Gegen 10 Uhr bemerkt Kleingärtner Babies, dass in einer seiner drei Hütten am Eichenweg eingebrochen wurde. Es herrscht Chaos. „Alles wurde durchwühlt“, ärgert er sich.

Unter anderem fehlen ein Laptop, Tablet und Navigationsgerät. Während des Einbruchs hat Babies nebenan geschlafen. „Ich habe davon überhaupt nichts mitbekommen“, sagt er. „Es gab drei bis vier Einbrüche auf dem Gelände“, bestätigt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. Obmann Karl-Ludwig Engel kennt das Problem auf dem Gelände mit 320 Parzellen. „Hier passieren laufend Einbrüche — katastrophal“, so der 77-Jährige. Allein würde er hier nachts nicht mehr herumlaufen.

Mirco Babies ruft die Polizei. Die Beamten des 2. Polizeireviers nehmen den Schaden auf und ziehen daraufhin wieder ab. Kurze Zeit später steht der mutmaßliche Dieb im Garten. „Er hat sich wohl irgendwo auf die Lauer gelegt und so lange gewartet, bis die Polizei wieder weg war“, vermutet Dürbrook.

„Der Dieb hat die Sachen in Kisten gepackt. Es war wohl zu viel, um es alles auf einmal mitzunehmen“, so Babies. Der Unbekannte wird von ihm überrascht und verstrickt sich in Widersprüche. Babies wird immer skeptischer. Als der vermeintliche Täter erst langsam Richtung Ausgang geht und dann plötzlich über den Zaun fliehen will, verfolgt ihn Babies und ringt den laut Polizei 33-jährigen Lübecker mehrfach zu Boden. „Er hat sich mit Fäusten gewehrt“, berichtet Babies.

Während der Jagd ruft er die Polizei, verliert dann sein Handy. Er ruft auch um Hilfe — aber keiner hört ihn. Dann geht er einen vermeintlichen Deal mit dem Mann ein: „Wir haben ausgemacht, dass ich nicht die Polizei informiere, wenn er mir meine Sachen zurückbringt.“ Der Täter geht auf die Abmachung ein und führt Babies zu einer alten verlassenen, heruntergekommenen Parzelle. Auf dem Weg dorthin hofft Babies, dass er Nachbarn begegnet, die eingreifen.

Weiter entfernt sieht er einen Mann mit einer Schubkarre auf dem Weg. „Ich habe gehofft, dass irgendjemand mir hilft“, erzählt er. Angst hätte er in diesem Moment nicht gehabt — aber Respekt. „Du weißt ja nicht, was das für Leute sind. Ob da eine zweite Person im Versteck ist oder ob er ein Messer oder eine Pistole bei sich hat“, sagt er.

Kurz bevor das Duo am Versteck ankommt, sieht er etwa 50 Meter entfernt Kinder auf einem Gerüst spielen. Das ist seine Chance: Als der Fremde durch den verwilderten Garten geht und die Beute aus der verfallenen Hütte holt, sprintet Babies zu den Kindern im Garten. Babies findet dort einen Mann, der ihm anschließend hilft, den Täter im Versteck zu überwältigen und so lange festzuhalten, bis die Polizei eintrifft und ihn festnimmt.

Eine unruhige Nacht liege nun hinter ihm. Angst habe er aber nicht, weiterhin in seiner Parzelle zu schlafen. „Ich lasse mich nicht einschüchtern. Ich bin glücklich, dass ich den Kerl gefasst habe und meine Sachen wiederhabe.“

Von Beke Zill

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