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Lübeck Klemmende Poller behindern Feuerwehr
Lokales Lübeck Klemmende Poller behindern Feuerwehr
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12:36 03.08.2016
Nach einigen Minuten geben die Einsatzkräfte auf: Rückwärts steuern sie das Löschfahrzeug zurück auf die Holstenstraße. Die mittleren Poller sollen mit einem Dreikantschlüssel eigentlich aus dem Boden genommen werden können. Quelle: Peer Hellerling

Es ist schon dunkel, als das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr am Montagabend in die Straße An der Obertrave einbiegt und mit Blaulicht in Richtung Dom fährt.

Pfeiler an der Obertrave ließ sich nicht entfernen – Einsatzkräfte erreichen Feuer nur über Umweg.

„Leider passiert es öfter mal, dass ein Pfeiler sich nicht lösen lässt.“Feuerwehrsprecher Matthias Schäfer

Doch an der Ecke Marlesgrube endet die Fahrt für die Einsatzkräfte, vier Poller blockieren hier die Durchfahrt. Üblicherweise können die Retter die Poller mit einem Dreikantschlüssel lösen und aus dem Boden heben. Nicht so bei diesem Einsatz. Die beiden mittleren Pfeiler bereiten den Einsatzkräften von Wache 2 Ärger. Einer der Poller lässt sich noch leicht lösen – der zweite klemmt. Mehrere Minuten vergehen.

Mittlerweile sind einige Passanten stehengeblieben und Kneipiers vor die Türen gekommen – das mit Blaulicht vor den Pollern stehende Einsatzfahrzeug hat Aufsehen erregt. Ungläubig schüttelt ein älterer Mann den Kopf. Nach kurzer Zeit geben die Einsatzkräfte auf. Rückwärts lenken sie das Fahrzeug die Obertrave wieder hinauf und weichen auf den Mühlendamm aus.

„Um 23.19 Uhr wurden wir an die Obertrave gerufen“, erklärt Feuerwehrsprecher Matthias Schäfer. Ein Mülleimer sollte brennen, die Feuerwehr sei deshalb mit einem Kleinlöschgerät ausgerückt. Zwar haben die Poller eine Sollbruchstelle und im Ernstfall fahren die Einsatzkräfte die Pfeiler einfach um. „Das wäre aber völlig unverhältnismäßig gewesen“, so Schäfer. Denn nicht nur die Poller, sondern auch das Einsatzfahrzeug nimmt dabei Schaden.

Mit dem Umweg über den Mühlendamm war das Feuer um 23.40 Uhr gelöscht. „Leider passiert es öfter mal, dass ein Pfeiler sich nicht lösen lässt – durch Rost oder Schmutz kann es sein, dass die Poller mal klemmen.“ Oder jemand anderes als die Einsatzkräfte hat sich an den Absperrungen zu schaffen gemacht.

„Es ist schon richtig, dass man nichts kaputt macht, wenn es nicht zwingend notwendig ist“, sagt auch Jochen Mauritz, sicherheitspolitischer Sprecher der CDU. Im Ernstfall kostet ein klemmender Poller trotzdem wertvolle Minuten. Spätestens dann geraten die Sperren in die Kritik.

Das letzte Mal verzögerten die Sperren an der Obertrave im Januar 2012 einen Feuerwehreinsatz in der Marlesgrube – glücklicherweise stellte sich der Einsatz als ein Fehlalarm heraus.

Versenkbare Poller wie der am Klingenberg sind für das Hochwassergebiet Obertrave allerdings keine Alternative. Das Problem bleibt bestehen. „Sicherheitsfahrzeuge aller Art haben Priorität – auch wenn die Poller den Verkehr begrenzen sollen, sie dürfen nicht dafür sorgen, dass Rettungswagen nicht mehr durchkommen“, erklärt FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke. Absperrungen hätten eben nicht nur Vorteile. „Wie man sieht, lenken sie nicht nur den Verkehr, sondern behindern manchmal auch – und das geht nicht.“

Hans-Jürgen Martens (Die Linke) schlägt eine Kontrolle der Lübecker Poller vor. „Die Stadt sollte die Sperren überprüfen – und zwar alle“, sagt er. „Dort unten werden ständig Strafzettel geschrieben, dann kann man auch das Geld mal sinnvoll einsetzen und die Wartung zahlen“, so Martens.

Ob und wie die Poller an der Obertrave und in anderen Straßen der Hansestadt kontrolliert und überprüft werden, ist nicht bekannt. Die Stadt hat sich gestern nicht auf eine LN-Anfrage zu dem Thema geäußert.

Jede Sekunde zählt

Eiserne Regel: Innerhalb von zehn Minuten sollen zehn Einsatzkräfte der Lübecker Feuerwehr nach der Alarmierung an einem Brandort sein können.

In vielen Baustellen machen nicht gebildete Rettungsgassen die Arbeit schwer. Eine Feuerwehrampel an der Possehlbrücke ist gerade im Gespräch.

Für den Ernstfall haben Sperrungen wie die Poller an der Obertrave Sollbruchstellen, damit die Einsatzkräfte sie umfahren können.

 Tomma Petersen

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