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Lübeck Klimaexperte: „Viele Städte sind weiter“
Lokales Lübeck Klimaexperte: „Viele Städte sind weiter“
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21:20 11.12.2015
2,4 Tonnen CO2 pro Einwohner wurden 2010 durch den Autoverkehr — hier ein Bild aus der Wallstraße — in die Luft geblasen. Quelle: Fotos: Maxwitat (2), Roeßler

In Paris versucht die Weltgemeinschaft gerade, den Anstieg der klimaschädlichen Emissionen zu beschränken. In Lübeck weiß niemand, ob die vor fünf Jahren ausgegebenen Klimaziele überhaupt erreicht wurden. Eine neue CO2-Bilanz soll bis Oktober 2016 vorliegen, sagen die städtischen Klimaschützer.

Umweltsenator Bernd Möller (Grüne): „Die Notwendigkeit des Klimaschutzes ist bei Privathaushalten und Unternehmen angekommen und hat dort zu erheblichem Engagment geführt.“ Vom Straßenverkehr sei aber noch kein bedeutender Beitrag zu erkennen. Klimaexperten außerhalb der Verwaltung sehen keinen großen Wurf. Frank Dehnhard, preisgekrönter Klimaschützer und Mitglied des Energietisches: „Ich kann keine großen Maßnahmen in Lübeck feststellen.“ Ralf Giercke, Mitglied der Bürger-Energie-Genossenschaft: „Viele Städte in Deutschland sind erheblich weiter.“

Im Jahr 2010 beschlossen die Politiker, dass die CO2-Emissionen bis 2015 um mindestens zehn Prozent gesenkt werden sollten — 180000 Tonnen Kohlendioxid. Das zugrundeliegende Klimaschutzkonzept gab das als Minimalziel aus. „Langfristig wird Lübeck nicht um eine deutlich stärkere Reduzierung umhinkommen“, hieß es damals. 74 Handlungsempfehlungen sprach das Konzept aus, 14 seien bislang umgesetzt, berichten die städtischen Klimaexperten. Dazu zählen eine Datenbank für öffentliche Gebäude, ein Energiemanagement, die Einstellung einer Klimaschutzmanagerin, Veranstaltungen in Schulen und Aktionen für Radfahrer.

Als klimapolitischer Vorreiter erweisen sich die Entsorgungsbetriebe (EBL), die ihren Beitrag zur CO2-Reduzierung dokumentiert haben. Die Ökobilanz weist die Einsparung von mehr als 39

000 Tonnen CO2 aus — fünf Prozent mehr als 2012. 30000 Tonnen sparen die Stadtwerke. Auch der Stadtverkehr punktet. Mit seinen zehn Hybridbussen betreibe er die größte E-Mobilflotte in Lübeck, erklärt die Verwaltung. Der Wald leiste einen erheblichen Beitrag zur Bindung von CO2. Lobend wird auch die Landstrom-Versorgung im Hafen hervorgehoben.

Nach Angaben der städtischen Klimaschützer stellen die privaten Haushalte bislang die größte Verursachergruppe dar, gefolgt vom Straßenverkehr und der Wirtschaft. „Die Emissionen der privaten Haushalte haben abgenommen“, bilanziert die Stadt anhand der alten Daten, „und die Emissionen des Verkehrs zugenommen.“ Für die Zukunft kündigt die Verwaltung eine „Vision für eine nachhaltige Mobilität in der Stadt“ an.

Flickwerk — kritisieren die Experten. „Die Ausdünnung von Buslinien zwingt Menschen zum Umstieg auf das Auto“, nennt Dehnhard ein Beispiel. Klimaschutz spiele in Bebauungsplänen eine untergeordnete Rolle. Die Budgets der Stadt seien zu gering, um die öffentlichen Gebäude energieeffizient auszurüsten. Giercke: „Die Hightech- Busse des Stadtverkehrs sind Leuchttürme, aber das reicht nicht.“ Lübeck müsse verbindliche Ziele festlegen, so dass eine Institution wie die Klimaschutz- Leitstelle sich um die Einhaltung kümmern könne. Giercke empfindet die Lage als dramatisch: „Nach allen bekannten Prognosen ist Lübeck stark vom Hochwasser gefährdet.“

Kai Dordowsky

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