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Lübeck Klinik-Keime: Ministerium schlägt Alarm
Lokales Lübeck Klinik-Keime: Ministerium schlägt Alarm
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22:02 19.09.2013
Hochgefährliche Krankheitserreger, die nicht auf Antibiotika reagieren, werden in deutschen Krankenhäusern zum wachsenden Risiko. Es hilft nur Hygiene. Quelle: LN

Hochgefährliche Krankheitserreger, die nicht auf Antibiotika reagieren, werden in deutschen Krankenhäusern zum wachsenden Risiko. Der Anteil sogenannter multiresistenter Keime ist in den vergangenen Jahren in Hunderten von Kliniken deutlich gestiegen. Das geht aus einer neuen Liste des Bundesgesundheitsministeriums hervor, mit der es auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktionantwortete. Je nach Bakterien-Art stieg der Anteil an multiresistenten Keimen an den insgesamt gemessenen Keimen seit 2008 um 50 bis 200 Prozent.

Kommentar: Ein zäher Kampf

Die Anteile bewegen sich je nach Erreger zwischen 0,04 und 17,9 Prozent. Die Daten stammen aus einem Kontrollprojekt zu Antibiotika-Resistenzen, bei dem Kliniken ihre Daten mitteilen. Ältere Schätzungen gehen von bis zu 600 000 Klinikinfektionen in Deutschland pro Jahr aus. Die Zahl der Todesfälle wurde auf bis zu 15 000 geschätzt.Aufgrund der Meldepflicht für MRSA-Infektion sind 2012 in Lübeck 34 Fälle gemeldet worden, in Schleswig-Holstein 212. 2013 wurden in Lübeck bisher 18 Fälle gemeldet, im Land 134. „In letzter Zeit nimmt vor allem das Problem mit multiresistenten gram-negativen Erregern (MRGN) stark zu“, sagt Dr. Bettina Tiemer, Sprecherin des Lübecker Netzwerks MRSA plus, in dem 70 Akteure des Medizinsektors zusammenarbeiten.

Solche Keime könnten etwa über Nahrungsmittel auf Menschen übertragen werden. „Diese Bakterien können zum Problem werden, wenn sie zu Infektionen führen.“ Das Netzwerk habe Erfolge erzielt. In der Kommunikation habe sich viel getan, Kliniken müssten Risikopatienten auf multiresistente Keime untersuchen. Der Antibiotika-Einsatz bei Mensch und Tier müsse aber noch kritischer betrachtet werden. „Das Problem wird uns auch in Zukunft begleiten. Die Beachtung von Hygienemaßnahmen und verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika sind zwei wichtige Empfehlungen, um die Ausbreitung einzudämmen“, sagt Dr. Kaschlin Butt vom Gesundheitsamt Lübeck.

Die Verbreitung der MRSA-Keime sei durch bessere Hygiene stabil geblieben. „Dafür betrachten wir die Ausbreitung der multiresistenten Darmkeime (MRGN) mit großer Sorge“, sagt auch Dr. Dietrich Willemsen vom MRE-Netzwerk östliches Holstein. Schutz biete neben mehr Basis-Hygiene in den Kliniken nur die Verringerung der Keimlast in den Nahrungsmitteln. Das UKSH registriere keine erhöhte Zahl an Erregern, sagt Sprecher Oliver Grieve.

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