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Lübeck Kommt die Behelfsbrücke für die Großbaustelle?
Lokales Lübeck Kommt die Behelfsbrücke für die Großbaustelle?
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11:37 17.01.2017
Staufalle: Seit März 2015 ist die Possehlbrücke nur stadteinwärts zu befahren. Jetzt – nach fast zwei Jahren Bauzeit – soll eine Behelfsbrücke geprüft werden. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Ernster Wille oder fauler Kompromiss? Die Stadt will jetzt den Bau einer Behelfsbrücke prüfen lassen. Die soll neben der Baustelle Possehlbrücke errichtet werden. Die Machbarkeitsstudie selbst schlägt mit 30 000 Euro zu Buche. Das Ergebnis soll in sechs Wochen vorliegen. Eine Behelfsbrücke könnte Ende 2017/Anfang 2018 stehen. Der Gewerbeverein Genin hat sie gefordert, weil sich der Neubau der Possehlbrücke verzögert – und das Gewerbegebiet kaum noch erreichbar ist.

Aktuell können Autofahrer die Possehlbrücke nur stadteinwärts auf einer Spur nutzen. Betroffen sind täglich 32 500 Wagen. Die neue Possehlbrücke soll erst im Juni 2018 stehen. Der Bauausschuss hat die Studie mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP, Grünen und GAL abgesegnet. Die BfL ist dagegen, Gregor Voht (Freie Wähler) hat sich enthalten. Außerdem wird ab April eine Ampel an der Possehlbrücke eingerichtet. Dadurch können Autos in beide Richtungen über die Querung rollen, abwechselnd stadtein- und stadtauswärts. Das Ganze ist als Test angelegt.

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Selbst die Bauverwaltung ist nicht überzeugt. „Ich stehe dem Ganzen skeptisch gegenüber“, sagt Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). Er stehe zu seinen Fachleuten, die stets die Ampel wie auch die Behelfsbrücke abgelehnt haben. „Aber wenn es klappt – umso besser“, sagt Boden. Auf diese Lösung hatten sich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und die Unternehmenschefs aus Genin geeinigt. Sie haben erheblichen Druck gemacht, denn für sie stehen 3500 Jobs auf dem Spiel. Nach Angaben der Firmen beträgt der volkswirtschaftliche Schaden mittlerweile satte sechs Millionen Euro. „Und es gibt einige, die verzeichnen Umsatzrückgänge von 30 Prozent“, erklärt Sprecher Detlef Zielke.

Skeptisch auf die Behelfsbrücke reagieren Baupolitiker der kleinen Fraktionen. „Wieso sollen wir 30 000 Euro für etwas ausgeben, von dem wir genau wissen, dass es nicht funktioniert?“, fragt Dieter Rosenbohm (BfL). „Wer benötigt überhaupt eine solche Studie? Wir werden doch sowieso keine 3,5 Millionen Euro für eine Behelfsbrücke ausgeben“, argumentiert Karsten Mihr (BfL). Diese Summe war von der Stadt immer für eine Ersatz- Querung genannt werden. Ähnlich äußert sich Gregor Voht (Freie Wähler): „Ich habe das Gefühl, dass wir wegen des Kompromisses eine Studie für eine Behelfsbrücke machen.“ Aber für den Bau einer solchen gebe es gar kein Geld. „Das ist nicht im Haushalt für 2017 eingeplant“, so Voht. Das sei kein ernsthafter Ansatz. Auch Carl Howe (GAL) ist unschlüssig: „Ich weiß nicht, ob man 3,5 Millionen Euro dafür ausgeben sollte.“

Doch Zielke macht klar: „Wir glauben nicht an ein Ende der Bauzeit im Juni 2018.“ Wenn man sich die Großbaustelle jetzt anschaue, habe man nicht den Eindruck, dass es dort keine Probleme gebe. Die eine Hälfte der Querung ist seit Frühjahr 2015 abgerissen. Seither wird im Schneckentempo gebaut. Noch ist nichts von der neuen Querung zu sehen. Erst wenn die eine Hälfte der neuen Querung steht, soll der Rest der alten Brücke abgerissen werden – und an dieser Stelle eine neue errichtet werden.

Kritik an der Bauverwaltung kommt von der CDU. „Ich fühle mich nicht ernstgenommen“, sagt Ulrich Brock (CDU). Alle Fraktionen hätten auf Lösungen wie Ampel oder Behelfsbrücke gedrängt, um die Staus in der Stadt zu verringern. Das habe die Stadt stets als „nicht machbar“ abgelehnt, so Brock. Da sei er davon ausgegangen, dass die Stadt diese Möglichkeiten bereits überprüft habe.

Von Josephine von Zastrow

 

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