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Lübeck „Kompass“ gibt Schülern Orientierung
Lokales Lübeck „Kompass“ gibt Schülern Orientierung
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20:35 06.11.2017
Muntere Präsentation: Mit „Gekommen um zu bleiben“ beschlossen die Mentorinnen und Mentoren ihre Vorstellungsrunde. Sie bleiben, so ist es geplant, ihren Schülern zwei Schuljahre lang treu. Die angehenden Musikpädagogen sammeln dabei Praxiserfahrung und „Credit Points“. Quelle: Fotos: Sabine Risch
Innenstadt

„Ich will meinen Realschulabschluss machen“, sagt Jonas voller Überzeugung. Doch so richtig klasse lief es bislang für ihn in der Schule nicht, weshalb sich der 14-jährige Achtklässler der Baltic-Schule freiwillig meldete, als sein Klassenlehrer fragte, wer bei „Kompass“ mitmachen wolle. Für Jonas, der Gitarre, Schlagzeug und Klavier spielt, passt es besonders gut, dass Lehramtsstudenten der Musikhochschule die Mentoren sind.

Achtklässlern Orientierung geben und sie zu einem Schulabschluss führen: Das will das neue Projekt der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung und der Musikhochschule Lübeck. Studierende betreuen über zwei Jahre hinweg die Schüler. Das Projekt startet sofort.

Insgesamt 27 Schülerinnen und Schüler sind es, die von der Baltic-, der Geschwister-Prenski-, der Gotthard-Kühl- und der Julius-Leber- Schule sowie der Schule an der Wakenitz kommen. Betreut werden sie von sechs Lehramtsstudentinnen und drei -studenten der Musikhochschule Lübeck (MHL). Zwei Jahre lang betreuen sie die Schüler und organisieren einmal im Monat eine kulturelle Veranstaltung jedweder Art. Pro Mentor sind es maximal drei Schüler. Finanziell möglich macht das die Gemeinnützige Sparkassenstiftung, die insgesamt 400000 Euro zur Verfügung stellt. Anlass ist das 200-jährige Jubiläum der Sparkasse zu Lübeck. „Kompass ist ein Schwerpunkt unserer Jubiläumsaktivitäten“, sagt Wolfgang Pötschke. „Wünschenswert“, so das Vorstandsmitglied der Stiftung, „wären 15 Mentoren und 45 Schüler.“ Doch mehr Mentoren waren zunächst nicht zu gewinnen.

Pädagogisch geleitet wird das Projekt von Prof. Gaja von Sychowski, ihr zur Seite stehen Sabine Hoene und Jan-Taken de Vries. Sie wollen auch die Mentoren schulen. Von Sychowski versicherte, es werde „Lernzuwachs auf drei Seiten geben“: bei den Schülern, bei den Studierenden, die vieles lernten, was sie sonst nicht lernen würden, und bei der Musikhochschule insgesamt, „denn es ist eine Chance, sich in breiter Bildung zu betätigen.“ Matthias Isecke-Vogelsang, Leiter der Gotthard-Kühl-Schule, bedankte sich im Namen seiner Kollegen für das tolle Projekt. Aber er korrigierte – oder ergänzte – von Sychowski: „Auch die einzelnen Schulen lernen durch das Projekt, also sind es vier Seiten.“

Im Großen Saal der MHL stand nach der Kooperationsvereinbarung durch Wolfgang Pötschke und MHL-Präsident Prof. Rico Gubler der feierliche Auftakt von „Kompass“ an – im Beisein der Senatoren Kathrin Weiher (Kultur) und Sven Schindler (Wirtschaft, Soziales), des Bereichsleiters Schule und Sport, Friedrich Thorn, des Schulrates Helge Daugs sowie der Eltern und Schüler.

„Für uns alle ist heute ein besonderer Tag“, sagte Stiftungsvorsitzender Titus Jochen Heldt. Er gratulierte gleichzeitig den 27 Schülern „zu dem Mut“ dazu, „noch mehr Zeit in die eigene Ausbildung und Orientierung zu investieren“. Der Anlass für das Engagement der Sparkassenstiftung seien erschreckende Zahlen aus dem vorigen Jahr gewesen: Jeder zwölfte Schüler in Schleswig-Holstein verlässt demnach die Schule ohne Abschluss, jeder zehnte davon komme aus Lübeck. Heldt dankte der „Zeit“-Stiftung, die mit ihrem Programm „Weichenstellung“ Vorbild gewesen sei und das Lübecker Projekt in der Planungsphase begleitet habe.

Schulrat Helge Daugs lobte die „neue Idee in einem herausfordernden Bereich“. Zum Schulbesuch, sagte Daugs, benötige man Motivation. Mit Hilfe der Studierenden könne das gelingen. Er appellierte aber auch an die Eltern, das Vorhaben zu unterstützen.

Aufregend wurde es noch einmal, als die Schülerinnen und Schüler ihre Teilnahme-Urkunden für „Kompass“ bekamen. Die Mentoren hingegen stellten sich mit musikalischen Einlagen teils humorvoller Natur den Besuchern im Großen Saal vor. Die Schüler hatten sie bereits kennengelernt und starten nun in Richtung Orientierung.

Motivations-Hilfe

„Kompass“ ist gedacht für die Schülerinnen und Schüler, die zwar Schwierigkeiten haben, denen man aber einen Schulabschluss mit Förderung zutraut. Drei Stunden pro Woche gehen die Mentoren zu ihren Mentees in die jeweilige Schule, machen sich selbst fit in allen Fächern.

Zum Schuljahr 2018/2019 soll die Jugendberufsagentur Lübeck starten. Ziel der Agentur: Kein Jugendlicher soll verloren gehen.

Sabine Risch

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