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Lübeck Korruption und bürgerliche Tugend
Lokales Lübeck Korruption und bürgerliche Tugend
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22:55 07.03.2018
Von Hanno Kabel

Wenn ein Bauprojekt sich verzögert, sind viele Bürger schnell mit dem Vorwurf der Korruption bei der Hand. Das stimmt meistens nicht – und ist sehr ungerecht. Die Korruption ist dadurch völlig in Verruf geraten, und niemand spricht mehr von ihren positiven Seiten. Eine Fahrradkette muss man auch schmieren, damit sie nicht knirscht.

Nehmen wir zum Beispiel die Possehlbrücke. Verwaltung und Baufirma haben sich in einem Rechtsstreit ineinander verkeilt, und wann der Bau fertig wird, weiß niemand so recht. Dabei hätte man das Problem höchstwahrscheinlich schon früh mit ein paar Flaschen Champagner aus der Welt schaffen können.

Zugegeben, das ist leichter gesagt als getan. Korruption erfordert Sachkenntnis und Fingerspitzengefühl auf beiden Seiten. Wer eine Bestechung anstrebt, darf nicht mit der Tür ins Haus fallen. Für gute Korruption bedarf es bürgerlicher Tugenden, die heutzutage leider so selten sind: Verbindlichkeit und gute Umgangsformen sind unerlässlich für jedes Anbahnungsgespräch, wenn nicht gleich ein Skandal losbrechen soll. Aber auch der Bestochene muss Klugheit walten lassen und das rechte Maß wahren. Sonst schlachtet er aus lauter Gier am Ende die Gans, die goldene Eier legt.

Und er darf nie aus dem Blick verlieren, dass er mit seiner Korruption einem höheren Zweck verpflichtet ist. Ich rede nicht einer maßlosen Korruption das Wort. Niemand will Zustände wie in Süditalien, wo eine wichtige Autobahn seit mehr als 50 Jahren nicht fertig wird. Aber wenn eine kleine Brücke in der Provinz ohne Korruption nicht fertig wird, sollte man bereit sein, auch mal unkonventionelle Wege zu beschreiten.

LN

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