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Lübeck Kostenloses Busfahren: 30 Prozent mehr Fahrgäste
Lokales Lübeck Kostenloses Busfahren: 30 Prozent mehr Fahrgäste
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18:32 03.12.2018
Großer Andrang herrschte am ersten Adventssonnabend an den Bushaltestellen wie hier in der Sandstraße. Quelle: 54° / Felix König
Innenstadt

 Andreas Ortz, Geschäftsführer des Stadtverkehrs, rechnete mit zehn Prozent mehr Fahrgästen. „Das zeigt die Erfahrung aus anderen Städten“, sagte der Chef des Busunternehmens einen Tag vor dem „Tag der offenen Bustür“. Doch die Bürger rannten Ortz förmlich die Bustür ein. 30 Prozent mehr Fahrgäste als am ersten Adventssonnabend 2017 nutzten die Busse. „Der Test war ein voller Erfolg“, jubelt auch der Seniorenbeirat, der sich für einen besseren Busverkehr einsetzt.

Um 17 Uhr waren die Busse richtig voll

Acht Fahrzeuge hatte der Stadtverkehr mit Zählgeräten ausgerüstet. Ab 11 Uhr waren die 20 Ersatzbusse voll im Einsatz. Nachmittags gegen 17 Uhr nutzten die meisten Fahrgäste den kostenlosen Fahrservice. „Am späten Nachmittag haben die Ersatzbusse nicht nur den Verkehr in die Stadt, sondern auch aus der Stadt unterstützt“, sagt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. Gegen 18 Uhr ebbte der Ansturm ab und die ersten Ersatzbusse kehrten auf ihre Wartepositionen zurück. Zielke weist daraufhin, dass es sich bei der Zählung nicht um eine repräsentative Erhebung handelt.

Reaktionen der Politiker

Für Politiker, die eine grundlegende Neuausrichtung des Busverkehrs in Lübeck fordern, zeigt der Verkehrsversuch die ungeheuren Potenziale auf. „Ein großartiges Ergebnis“, sagt Michelle Akyurt (Grüne), „so gelingt die Verkehrswende.“ Die Aktion habe auch gezeigt, „dass der Fahrpreis ein wichtiges Kriterium ist, ob Menschen den Nahverkehr nutzen oder nicht.“ Von einem „Super-Ergebnis“ spricht Detlev Stolzenberg (Unabhängige), „langfristig ist der fahrscheinlose Nahverkehr der richtige Weg.“ Bis dahin müssten die Fahrpreise gesenkt werden und die Busse wieder häufiger fahren. Stolzenberg: „Wir müssen die Auslichtung des Fahrplans zurücknehmen.“

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Marek Lengen, umweltpolitischer Sprecher der SPD, hat das Gratis-Busfahren am Sonnabend selber ausprobiert. „Es gibt ein enormes Fahrgastpotenzial“, sagt Lengen, „wir müssen neue Modelle des Nahverkehrs ausprobieren.“ Ragnar Lüttke (Linke), der seit Jahren für einen umlagefinanzierten Busverkehr in Lübeck kämpft, hat mit noch mehr Fahrgästen gerechnet. „Das Potenzial muss ausgeschöpft werden“, sagt Lüttke und denkt an Sozialticket, geringere Preise und bessere Takte.

Autos wurden abgeschleppt

Trotz Gratis-Busfahrten kamen am ersten Adventssonnabend auch noch viele mit dem Auto nach Lübeck. Fahrzeuge, die auf dem Standstreifen in der Possehlstraße stadtauswärts parkten, wurden abgeschleppt. Dort ist ein Ausweichparkplatz für Reisebusse. Die brauchten den Ausweichplatz, weil die Reisebusparkplätze an der MuK bereits gegen Mittag komplett voll waren.

Das Gratis-Busfahren war eine einmalige Aktion. Jeden Adventssonnabend dagegen verkehrt der P&R-Weihnachtsshuttle, den Stadtverkehr und Lübeck Management organisieren. Von den Parkplätzen Lohmühle und Dräger/Revalstraße pendeln die Shuttlebusse alle 20 Minuten zu den Haltestellen Sandstraße und Stadttheater. Von 11 bis 21 Uhr können sie kostenlos genutzt werden.

Sonntags stehen rund um die Altstadt gut 1500 Parkplätze für Autos kostenlos zur Verfügung.

Eine entspannte Verkehrslage und bessere Luft in der Stadt – das habe der Verkehrsversuch gebracht, sagt der Seniorenbeirat. Die stellvertretende Vorsitzende Margret Wulf-Wichmann: „So wenige Autos erlebe ich in der Ratzeburger Allee nur in den ganz frühen Morgenstunden, wenn Lübeck erwacht.“ Vorstandsmitglied Bruno Böhm: „Wenn das Angebot attraktiv ist, steigen Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr um.“

Grüne und Unabhängige wollten mehr Geld für den Stadtverkehr

„Das erhöhte Fahrgastaufkommen zeigt, dass die Bürger für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern sind“, bestätigt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Die Verwaltung werde den Auftrag der Bürgerschaft nun nutzen, um das Preissystem und die Zonentarife zu überprüfen. 120 000 Euro hat die Stadtvertretung für die Erstellung eines Gutachtens bewilligt.

Grüne und Unabhängige wollten zusätzliches Geld an den Stadtverkehr überweisen. Die Grünen eine und die Unabhängigen sogar zwei Millionen Euro. „Damit Busse wieder häufiger fahren“, erklärt Grünen-Fraktionschefin Akyurt. Die Unabhängigen zielten auf die kostenlose Beförderung von jungen Menschen. Beides fand in der Bürgerschaft keine Mehrheit.

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Kai Dordowsky und Fabian Boerger

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