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Lübeck Kostenloser Busverkehr: Lösung gegen schlechte Luft?
Lokales Lübeck Kostenloser Busverkehr: Lösung gegen schlechte Luft?
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21:53 14.02.2018
Ein Bus in Lübeck. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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„Grundsätzlich ist das ein hochinteressanter Gedanke, den ÖPNV attraktiver zu machen und die Menschen zum Umsteigen zu animieren“, sagt Stormarns CDU-Landrat Henning Görtz. Der CDU-Landtagsabgeordnete Lukas Kilian ist skeptisch: „Am Ende zahlt das der Steuerzahler.“ Und Abgasprobleme habe im Norden ja nur Kiel.

Rund zwölf Milliarden Euro müssten den Verkehrsunternehmen beim Verzicht auf den Fahrscheinverkauf bundesweit ersetzt werden, heißt es. In Schleswig-Holstein kosten Busse und Bahnen pro Jahr 700 Millionen Euro, sagt die Sprecherin des Verkehrsministeriums, Birte Pusback. 280 Millionen davon kommen durch den Ticketverkauf wieder herein, 100 Millionen zahlen Kreise und kreisfreie Städte, 260 Millionen der Bund, 60 Millionen das Land. Somit zahlten die Steuerzahler schon jetzt 420 der 700 Millionen Euro. FDP-Staatssekretär Thilo Rohlfs hält es aber für schwierig, die 280 Millionen woanders her zu bekommen. Denn eines könne nicht sein: „Dass dieses Modell nur für einzelne Städte gilt. Wir wollen Mobilität im ganzen Land gewährleisten, auch und gerade im ländlichen Raum.“

Kostenloser ÖPNV kostet 40 Millionen

Görtz gibt zu bedenken, dass bei mehr Fahrgästen im Gratis-Nahverkehr auch Geld in noch mehr Busse, Züge und Park-and-Ride- Parkplätze investiert werden müsse. „Kurzfristig lässt sich sowas nicht umsetzen“, mahnt der Mainzer Oberbürgermeister und Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Michael Ebling. Man brauche erst „mehrere Testballons“ – und Finanzzusagen des Bundes. In Hamburg würde pro Jahr eine ganze „Elphi“ fällig werden, heißt es aus der Verkehrsbehörde. 830 Millionen Euro nehme der HVV durch Fahrscheine ein. Sollten zu den 770,5 Millionen Fahrgästen noch mehr dazu kommen, gebe es Kapazitätsprobleme.

Der Grüne Segeberger Kreistagsabgeordnete Arne Hansen hält die Idee daher für „Populismus“. Bei den Ratzeburg-Möllner Verkehrsbetriebe (RMVB) ist man optimistischer. „Wenn wir in Ratzeburg einen kostenlosen ÖPNV auf Kosten des Bundes sicherstellen könnten, würde ich das sehr begrüßen“, sagt Bürgermeister Rainer Voß. Selbst wenn der Bund nur die Hälfte der Kosten übernähme, könne man eine dritte Stadtbus-Linie einrichten, sagt der Segebergs SPD-Bürgermeister Dieter Schönfeld. Der SPD-Aufsichtsratsvorsitzende des Lübecker Stadtverkehrs, Ulrich Pluschkell, hält den Vorstoß angesichts von drohenden 40 Millionen Euro Einnahmeausfällen für „blinden Aktionismus“. Der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Vogel ist sich sicher: Von Gratis-Bussen und Bahnen hätten am Ende alle Bürger Nutzen.

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