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08:07 10.10.2018
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Versicherten in Lübeck. Quelle: stock.adobe.com
Lübeck

Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Depressionen und Angstzustände – unter diesen Krankheiten leiden die Arbeitnehmer in Lübeck am häufigsten. Das geht aus den aktuellen Gesundheitsreports von vier Krankenkassen hervor – der AOK (43000 Mitglieder), der Barmer (23500), der DAK (23000) und der Techniker Krankenkasse (32 500).

Die DAK hat mit Hilfe eines Instituts eine bundesweite Umfrage unter 5000 versicherten Arbeitnehmern gemacht, 206 kommen aus Schleswig-Holstein, und die Antworten hochgerechnet. Fazit: „Trotz Prävention und zahlreicher Gesundheitskurse leiden in Schleswig-Holstein rund 1,1 Millionen Erwerbstätige unter Rückenschmerzen“, bilanziert Nils Junker, DAK-Chef für Lübeck sowie die Kreise Ostholstein und Segeberg, „fast jeder dritte hat aktuell Beschwerden.“ 83 Prozent der Befragten würden trotz Schmerzen zur Arbeit gehen.

Starke Zunahme in Lübeck

In Lübeck lag der Anteil von Muskel-Skelett-Erkrankungen an den Fehltagen im vergangenen Jahr bei 21,6 Prozent – eine Zunahme um zehn Prozent zu 2016. Psychische Erkrankungen nehmen mit 20 Prozent Platz zwei im Leidens-Ranking ein – und nahmen mit zwölf Prozent sogar noch stärker zu. Bei den DAK-Versicherten liegt Lübeck bei Rückenleiden und Seelenschmerzen deutlich über dem Landesdurchschnitt. Junker: „Dafür habe ich keine Erklärung.“

Krankenstand in Lübeck

Der Krankenstand der AOK-Versicherten in Lübeck lag 2017 bei 5,5 Prozent und damit genauso hoch wie 2016. Das waren 20,2 Arbeitsunfähigkeitstage pro Mitglied. Die Barmer meldet für 2017 einen Krankenstand von 4,99 Prozent in Lübeck – im Vorjahr waren es 5,02 Prozent. Auf jede Erwerbsperson entfielen 18,23 Fehltage. Die Techniker Krankenkasse meldet einen Krankenstand von 4,64 Prozent (16,9 Fehltage). Die DAK meldet für Lübeck einen Krankenstand von 4,4 Tagen. Regionale Vergleiche sehen Lübeck unter den ersten drei Kreisen (DAK) beziehungsweise auf Platz sechs von 15 Kreisen (Barmer).

Auch bei den erwerbstätigen AOK-Versicherten rangieren Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 22,2 Prozent Anteil an Fehltagen auf Platz eins. Psychische Erkrankungen machten im vergangenen Jahr 13,6 Prozent der Fehltage aus. „Wie oft Lübecker am Arbeitsplatz fehlen, hängt stark vom Job ab“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch. Mitarbeiter in der Holzverarbeitung kamen 2017 auf 44,9 Fehltage, Kranführer auf 39,2 und Schweißer auf 36,6 Fehltage. Hochschul-Mitarbeiter fehlten nur an 1,6 Tagen, Beschäftigte in Forschungsabteilungen 2,8 Tage.

Die AOK hat auch Daten für einzelne Branchen. Danach hatten Beschäftigte im Energie- und Entsorgungssektor mit 7,9 Prozent den höchsten Krankenstand, während die Mitarbeiter von Banken und Versicherten nur auf 3,5 Prozent kamen.

Psychische Erkrankungen liegen vorne

Bei den Versicherten von Barmer und Techniker machen Rückenleiden ebenfalls einen hohen Prozentsatz aus, aber psychische Erkrankungen liegen vorne. „Der höchste Anteil an den Arbeitsunfähigkeitstagen mit 24,1 Prozent entfällt in Lübeck auf psychische Erkrankungen“, erklärt Unternehmenssprecher Wolfgang Klink, „auf Muskel-Skelett-Erkrankungen – insbesondere Rückenschmerzen – entfielen 21,4 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.“

Auch bei den Lübecker Versicherten der Techniker Krankenkasse liegen die psychischen Erkrankungen vorne. 16,9 Tage waren die Versicherten im Durchschnitt 2017 krank geschrieben. „Davon entfielen 3,5 Tage auf psychische Erkrankungen, drei Tage auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und 2,5 Tage auf Atemwegserkrankungen“, sagt Jana Walther, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Der Länderreport der Techniker Krankenkasse stellt fest, dass die Fehltage der TK-Versicherten in Schleswig-Holstein bei Seelenschmerzen 12,8 Prozent und bei Schmerzen im Bewegungsapparat 12,2 Prozent über den bundesweiten Daten liegen.

Verbesserungen im Gesundheitsmanagement

Nils Junker zeigt den DAK-Gesundheitsreport 2018. Quelle: 54° / John Garve

„Leider zeigt sich auch bei uns in Lübeck, dass es trotz eines verstärkten Engagements im betrieblichen Gesundheitsmanagements noch keine signifikanten Verbesserungen gibt“, sagt der Lübecker DAK-Chef Nils Junker, „deshalb müssen wir gemeinsam mit Unternehmen das individuelle Arbeitsumfeld noch rückenfreundlicher gestalten.“ Junker denkt vor allem an die Mitarbeiter kleiner Betriebe und an Handwerker sowie Pflegekräfte.

Die DAK-Mitgliederbefragung habe ergeben, dass immer noch viele Beschäftigte in unbequemer Körperhaltung, mit hohem Termin- und Leistungsdruck und wenig Freude am Job arbeiten. Junker: „All diese Faktoren machen eine Krankmeldung wahrscheinlicher.“ Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest, rät den Unternehmen, dass „Präventionsangebote in den Betrieben immer speziell auf die jeweilige Berufsgruppe bezogen werden müssen, um erfolgreich zu sein“.

Was gegen Rückenschmerzen hilft

Die bundesweite Befragung der DAK-Versicherten förderte auch zutage, wie die Betroffenen sich bei Rückenschmerzen behelfen. 68 Prozent sagen: „Ich wende Wärme an – Heizkissen, Bad, Sauna.“ 45 Prozent nehmen Schmerzmittel, je 17 Prozent gehen zum Arzt oder zum Physiotherapeuten und 31 Prozent hoffen, dass das Leiden von selbst vergeht.

Kai Dordowsky

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