Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Krankheiten kennen keine Sprechzeiten
Lokales Lübeck Krankheiten kennen keine Sprechzeiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 11.10.2017
Patient Ralf Hoffmann hat sich auf der Arbeit das Knie verdreht: Ralf Staiger behandelt die akuten Schmerzen und stellt eine erste Diagnose. Quelle: Fotos: Ulf–kersten Neelsen
Anzeige
St. Jürgen

„Ich hebe das Bein nur ganz vorsichtig an“, beruhigt der Arzt Ralf Staiger seinen Patienten. Mit einem dicken Knie liegt Ralf Hoffmann auf dem Behandlungstisch des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Universitätsklinikum. Er verzieht das Gesicht vor Schmerzen, als Staiger das geschwollene Gelenk untersucht. „Sie haben sich das Knie verdreht“, stellt der Arzt schließlich fest.

Der ärztliche Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein behandelt Patienten, wenn die Praxis geschlossen ist. In Lübeck gibt es zwei allgemeinmedizinische Anlaufpraxen – in den Sana-Kliniken und am UKSH. Gestern fand der Tag der offenen Tür statt.

Der Bereitschaftsdienst

60 Ärzte betreuen die ärztlichen Bereitschaftsdienste im Bezirk Lübeck.

21500 Patienten wurden im Jahr 2016 in der Anlaufpraxis und vom Fahrenden Dienst behandelt.

20 Kilometer ist die durchschnittliche Entfernung zur nächstgelegenen Anlaufpraxis. Patienten können diese ohne Voranmeldung oder Termin aufsuchen.

Hoffmann ist nur einer von insgesamt 16000 Patienten, die in Lübeck die Anlaufpraxis des ärztlichen Bereitschaftsdienstes aufsuchen. Am Wochenende sei das Wartezimmer des Notdienstes besonders voll. „Vor allem, wenn es Brückentage gibt“, sagt Ralf Staiger. Denn der Bereitschaftsdienst soll immer dann helfen, wenn der Patient eigentlich zum Hausarzt gehen würde. „Wenn die Arztpraxis aber geschlossen ist, helfen wir weiter“, erklärt Staiger. Der Arzt leitet den Bereitschaftsdienst in Lübeck und ist der KVSH-Notdienstbeauftragte. Er ist einer von 60 Hausärzten im Bezirk Lübeck, die in den beiden Anlaufpraxen arbeiten.

Eingeführt wurde der Notdienst, damit die Ärzte entlastet werden, die Patienten aber trotzdem behandelt werden können. „Ich finde das System sehr sinnvoll“, erklärt Staiger. „Wenn ich abends um sechs meine Praxis verlasse, weiß ich, dass meine Patienten bei den Notdiensten in guten Händen sind.“

Normalerweise kommen Patienten mit Fieber, Zeckenbissen, Magendarm-Infekten oder Rückenschmerzen zum Notdienst. „Wir haben aber auch Patienten, die abends nicht gern allein sein wollen“, erzählt Staiger. „Die kommen dann einfach nur zum Reden vorbei.“ Mit den Anlaufpraxen sollen auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlastet werden. Diese seien oft überfüllt und Patienten müssen mehrere Stunden auf eine Behandlung warten. Angelika Büche ist genau aus diesem Grund zum Notdienst gegangen: „Ich brauche nur ein blutdrucksenkendes Medikament“, sagt sie. „Meine Hausärztin ist gerade im Urlaub, deswegen bin ich hier.“

Die Ärzte in den Anlaufpraxen behandeln immer das akute Problem. „Es kam aber auch schon vor, dass sich die Schmerzen in der Brust als Anzeichen für einen Herzinfarkt herausstellten“, erzählt Staiger. Dann werde der Patient natürlich sofort in die Notaufnahme überwiesen.

Bei Ralf Hoffmann und seinem verdrehten Knie ist es nicht so kritisch. „Sie bekommen jetzt einen Verband und Schmerztabletten“, sagt Staiger nach der Behandlung. „Damit können sie dann morgen zu ihrem Hausarzt gehen.“

Der ärztliche Bereitschaftsdienst hat montags, mittwochs und donnerstags jeweils von 19 bis 23 Uhr Sprechstunde, mittwochs und freitags von 15 bis 23 Uhr und am Wochenende von 18 bis 23 Uhr.

Zusätzlich gibt es einen Fahrenden Dienst, der die Patienten auch zu Hause untersuchen kann.

 Saskia Hassink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige