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Lübeck Lübeckerin ließ sich beide Brüste entfernen
Lokales Lübeck Lübeckerin ließ sich beide Brüste entfernen
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06:00 14.10.2018
Urte Evert hatte Brustkrebs Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

 Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Inzwischen machen immer mehr Betroffene ihr Schicksal öffentlich, um andere zu warnen – und auch, um ihnen Mut zu machen. Eine von ihnen ist Urte Evert aus Lübeck. Die 56-Jährige zeigt sich in Frauenzeitschriften „oben ohne“, nachdem sie sich beide Brüste hat amputieren lassen.

Sie selbst war 48 Jahre alt, als sie die Diagnose bekam. Bei einer Vorsorgeuntersuchung werden zwei Tumoren in der linken Brust entdeckt. „Ich bin ins Bodenlose gefallen“, erinnert sich die Erzieherin. Nach weiteren Untersuchungen und einer Gewebeprobe steht schnell fest: Die linke Brust muss abgenommen werden.

Wie ein tickende Zeitbombe

Nach Chemo- und Antihormontherapie lernt Urte Evert in der Reha andere Frauen kennen, die schon wiederholt mit der tückischen Krankheit kämpfen. Und die Angst, diesen schweren Weg selbst noch ein zweites Mal gehen zu müssen, wächst. Rund ein Jahr später werden tatsächlich Krebsvorstufen in ihrer rechten Brust entdeckt. „Es fühlte sich wie eine tickende Zeitbombe an. Irgendwann habe ich das nicht mehr gewollt.“ Denn das Schlimme an der Erkrankung sei, dass sie chronisch sei und immer wiederkehren könne. Urte Evert, damals bereits zweifache Mutter, lässt sich vorsorglich auch die rechte Brust und die Eierstöcke entfernen. „Ich fühlte mich befreit. Das Krebsrisiko ist minimiert.“

3000 Neuerkrankungen im Jahr

Brutkrebs (Mammakarzinom) macht bei Frauen etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Etwa jede achte bis zehnte Frau erkrankt einmal in ihrem Leben daran. Damit ist es zwar die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – nicht aber die gefährlichste. Denn oft kann sie mit Medikamenten, durch Strahlentherapie oder auch durch eine Teilentnahme des Brustgewebes oder eine Amputation (Mastektomie) behandelt werden.

Allein in Schleswig-Holstein werden jährlich fast 3000 Neuerkrankungen diagnostiziert – mehr als die Hälfte der Frauen ist jünger als 62 Jahre.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. In Schleswig-Holstein erhalten nach Angaben des Instituts für Krebsepidemiologie jährlich 23 Männer die Diagnose Brustkrebs.

Mit diesem radikalen Schritt ist sie nicht allein. Fünf Jahre ist es bereits her, dass die US-Schauspielerin Angelina Jolie Schlagzeilen machte, nachdem sie sich vorsorglich beide Brüste operativ entfernen ließ. Den Angaben zufolge war bei ihr genetisch bedingt das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erheblich erhöht. Zuvor hatte ihre Mutter ein Jahrzehnt lang gegen den Krebs gekämpft und war schließlich mit 56 Jahren gestorben. Dieses Schicksal habe sie ihren Kindern ersparen wollen, argumentierte die Schauspielerin.

Anders als Jolie aber lässt sich Urte Evert ihre Brüste nicht wiederaufbauen. In ihr wächst das Bedürfnis, das Thema öffentlich zu machen, „um betroffenen Frauen weitere große Operationen zu ersparen“. „Ich möchte krebskranke Frauen ermutigen, zu sich zu stehen. Sich nicht zu verstecken“, erklärt Urte Evert, die viel lacht und leidenschaftlich gern Salsa tanzt. Es sei nicht schlimm, ohne Brüste durch die Welt zu laufen. „Eine Frau macht so viel mehr aus als nur das Profil mit zwei Brüsten.“

Jede achte Frau betroffen

Sie möchte den Frauen sagen: Geht zur Vorsorge und achtet auf Euch, so Urte Evert. Mittlerweile sei jede achte Frau betroffen. In ihrem Kollegenkreis von 16 Erzieherinnen treffe das genau zu. Dennoch sei das Thema Brustkrebs und -amputation noch immer ein großes Tabuthema. Dabei sei die Erkrankung im Früh- und Mittelstadium gut heilbar. Urte Evert gilt jetzt als „krebsfrei“. Trotzdem lässt sie sich noch immer regelmäßig jedes halbe Jahr untersuchen. „Das brauche ich für meine Sicherheit.“

Mutig findet sie sich nicht. Für mich war das eine „Lebensentscheidung“, sagt Urte Evert. „Ohne Brüste kann ich gut leben. Mit Krebs nicht.“ Für ihre Entscheidung bekommt sie viel Zuspruch. „Ich habe nie etwas Negatives gehört“, berichtet sie. Unterstützung bekommt sie auch von ihrem Mann und ihren Kindern. Inzwischen hat sie viele Kontakte zu anderen krebskranken Frauen geschlossen.

Urte Evert zeigte sich oben ohne in der „Meins“ Quelle: Lutz Roeßler

Eine davon ist die Hamburgerin Stefani Nennecke, die nachhaltige Bademode für Frauen mit Mastektomie entwirft –in modernen Schnitten, die die Narben verdecken, aus weichen Stoffen und mit Einschüben für die Epithesen, die Brust-Prothesen aus Silikon. Und so posiert Urte Evert, die schon immer sportlich und körperbewusst war, in diesem Sommer zunächst im Bikini – und mittlerweile auch oben ohne für verschiedene Frauenzeitschriften wie „Meins“, „Bella“ und „Tina“. Darin wird sie für ihren Mut gelobt, für ihre Lebensfreude und Weiblichkeit gefeiert.

Julia Paulat

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