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Lübeck Kreuzfahrer: Der Markt wird härter
Lokales Lübeck Kreuzfahrer: Der Markt wird härter
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20:18 14.09.2013
Majestätisch präsentierte sich gestern die „MS Europa“. Viele Schaulustige bestaunten und fotografierten das Kreuzfahrtschiff. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob

Die durchwachsene Kreuzfahrtsaison 2013 ist in Lübeck zu Ende gegangen. Die „Europa“, die gestern am Ostpreußenkai in Travemünde anlegte, war das letzte Kreuzfahrtschiff, das Lübeck in diesem Jahr anlief. 20-mal war ein Kreuzfahrtschiff 2013 in Lübeck zu Gast — das ist wenig im Vergleich zu Kiel und Rostock.

Und was bringt das kommende Jahr? „Bis jetzt haben wir 16 Anläufe“, erklärt der Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft, Heinrich Beckmann. Diese Zahl könne sich aber noch erhöhen: „Da ist noch Luft drin.“ Das Lübeck und Travemünde Marketing (LTM) spricht sogar von bisher 19 Anmeldungen für Kreuzfahrt-Anläufe im kommenden Jahr und ist verhalten optimistisch. Sicher ist nach Aussage der LTM bereits jetzt, dass die „Europa“ und die „Deutschland“ Travemünde die Treue halten. „Wir sind mit dem Verlauf der Kreuzfahrtsaison 2013 zufrieden“, sagt Barbara Schwartz, Leiterin des LTM-Auslandsmarketings.

Dass der Kreuzfahrtmarkt in Lübeck nicht so boomt wie in Kiel und Rostock, hat Platzgründe. Am Ostpreußenkai können nur Kreuzfahrtschiffe bis zu einer Länge von 200 Metern anlegen, alle größeren Schiffe müssen am Skandinavienkai festmachen, der der einzige Lübecker Liegeplatz für die großen Kreuzfahrtschiffe ist. Aber auch dort sind keine hohen Zuwachsraten zu erwarten, weil die Weiterentwicklung des Fährverkehrs für die LHG Vorrang hat.

Heinrich Beckmann geht davon aus, dass das Kreuzfahrtgeschäft für den Lübecker Hafen künftig „ein bisschen schwieriger wird“, weil mit Wismar ein neuer Konkurrent in den Ring gestiegen ist. Das für Lübeck so wichtige Marktsegment der bis zu 200 Meter langen Kreuzfahrtschiffe „wächst nicht riesig“, betont Beckmann. Und genau in diesem Bereich tummele sich jetzt auch der Seehafen Wismar. „Der Lübecker Hafen ist ein sehr interessanter Standort und wird von den Reedern geschätzt, aber die Wismar-Konkurrenz wird stärker,“ bekennt der LHG-Geschäftsführer und versichert, man setze in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer alles daran, Lübecks Rolle als Kreuzfahrt-Hafen zu stärken.

Doch noch ist kein Land in Sicht. Die angespannte Lübecker Lage auf dem Kreuzfahrer-Markt belegt Beckmann mit Zahlen. 2011 gab es in Lübeck 24 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen, ein Jahr später brach der Markt ein. 2012 legten Kreuzfahrtschiffe nur noch elfmal im Hafen an. In diesem Jahr ging es wieder aufwärts mit 20 Anläufen von neun Kreuzfahrtschiffen.

„Unser Fokus wird aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auch in Zukunft in Kooperation mit der LHG auf der Akquise von Schiffen bis maximal 200 Meter Länge und 25 Meter Breite liegen“, sagt Barbara Schwartz . Mit individuellen Programmen, „die so in keinem Pauschalkatalog stehen und auf Wunsch der Reedereien und Agenturen maßgeschneidert werden“, sieht die LTM „die Chance für Lübeck-Travemünde als Hafen mit einer überschaubaren Anzahl von Anläufen“. Ende November erwartet die LTM zum Fachforum „Kreuzfahrttourismus die Ergebnisse einer Passagierbefragung. Barbara Schwartz: „Wir werden daraus Rückschlüsse für unsere weitere Arbeit ziehen.“

Auch die Vereinigung Lübecker Schiffsmakler und Schiffsagenten wünscht sich eine größere Zahl von Kreuzfahrtschiffen in Lübeck, es gebe aber „kein Patentrezept“ für eine Expansion im Kreuzfahrtmarkt.

Frank Maaßmann, Vorstand der Lübecker Schiffsmakler, bezeichnet die Travemünder Infrastruktur als problematisch: „Eine Verlängerung des Ostpreußenkais, damit dort auch größere Kreuzfahrtschiffe anlegen können, ist extrem schwierig.“ Dass Lübeck im Kreuzfahrt-Sektor keine große Nummer ist, zeigt der Vergleich mit Kiel und Rostock, obwohl auch dort die Häfen Einbußen haben. In Kiel gab es in diesem Jahr 137 Anläufe, 2014 sind es bislang nur 114. In Rostock-Warnemünde legten in dieser Saison 41 Kreuzfahrtschiffe 198 Mal an, im kommenden Jahr werden 35 Schiffe insgesamt 176 Mal zu Besuch sein. Und Wismar? Der Seehafen hat für die kommende Saison bislang Zusagen für 15 Anläufe. Damit bewegt sich Wismar fast auf Lübeck-Niveau.

Torsten Teichmann

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