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Lübeck Kreuzfahrt: Experte fordert Entscheidung
Lokales Lübeck Kreuzfahrt: Experte fordert Entscheidung
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22:12 29.09.2016
„Wir können nicht mehr jahrelang abwarten. Deckel drauf oder wir machen es.“ Jobst Schlennstedt (Berater)

Der Lübecker Kreuzfahrtexperte Jobst Schlennstedt appelliert an Bürgerschaft und Verwaltung, zügig eine Grundsatzentscheidung in Sachen Kreuzfahrt zu treffen.

Die 181 Meter lange „Azamara Quest“ hat am Ostpreußenkai in Travemünde festgemacht. Größere Urlauberschiffe passen nur an den Skandinavienkai. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Lutz Roeßler
„Wir können nicht mehr jahrelang abwarten. Deckel drauf oder wir machen es.“ Jobst Schlennstedt (Berater)
Die 181 Meter lange „Azamara Quest“ hat am Ostpreußenkai in Travemünde festgemacht. Größere Urlauberschiffe passen nur an den Skandinavienkai. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Lutz Roeßler
„Wir können nicht mehr jahrelang abwarten. Deckel drauf oder wir machen es.“ Jobst Schlennstedt (Berater)

„Entweder Deckel drauf oder sagen: ,Wir machen es‘“, fordert der 39-jährige Geschäftsführer des Beratungsunternehmens CPL. „Mit dem jetzigen Rumgeeiere kommen wir nicht weiter.“ Schlennstedt prophezeit einem Kreuzfahrtstandort Travemünde mit einer Infrastruktur für bis zu 300 Meter lange Schiffe eine hohe Nachfrage. „Reeder würden Travemünde sofort in ihr Angebot aufnehmen. Das Seebad wäre ein Top-Produkt und würde in einer Liga mit Tallinn, Stockholm und Warnemünde spielen.“

Schlennstedt hat 2013 als Mitarbeiter einer Hamburger Beraterfirma eine Kreuzfahrt-Potenzialanalyse für Travemünde erstellt. Aktuell arbeitet der Geschäftsführer der Beratungsfirma Competence in Ports and Logistics (CPL) am Hafenentwicklungsplan der Hansestadt mit. Fazit der 2013er-Analyse: Baut Lübeck einen Anleger für die großen Urlauberschiffe, würde die Zahl der jährlichen Anläufe auf 71 hochschnellen. In der abgelaufenen Saison machten gerade einmal 18 Schiffe in Travemünde fest. Schlennstedt prognostiziert 127000 Kreuzfahrtpassagiere statt um die 18000 im Seebad. Bei Anbietern von Hafen-, Schiffs- und Tourismusdienstleistern würden 220 neue Jobs entstehen, die regionale Wertschöpfung würde sich auf mehr als acht Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Seit Jahren wird in Lübeck über das Stiefkind Kreuzfahrten debattiert. Während das Geschäft in Hamburg, Rostock und Kiel boomt, geht Travemünde weitgehend leer aus, weil hier nur kleinere Kreuzfahrtschiffe Platz finden. Der eigens gegründete Verein Lübeck Cruise bemüht sich, mehr kleinere Schiffe herzulocken – bislang mit mäßigem Erfolg. „Rostock und Wismar bauen ihre Häfen weiter aus“, mahnt Experte Schlennstedt, „Lübeck sollte den Markt nicht verpassen.“ Die Zahl der Kreuzfahrten in der Ostsee wächst mit jährlich drei bis vier Prozent. Seit Vorliegen der Potenzialanalyse sind weitere drei Jahre vergangen. Schlennstedt: „Es hat keinen ernsthaften Versuch gegeben, das Thema voranzubringen.“

In den nächsten sechs bis maximal zwölf Monaten müsse Lübeck eine Grundsatzentscheidung treffen, ob die Stadt in das Boom-Geschäft einsteigen will. Diese Forderung geht an den Bürgermeister und die Bürgerschaft. Im ersten Quartal 2017 könnte ein Standort festgelegt werden. Danach würden ein paar Monate für die Suche nach einem Betreiber vergehen. Der Bau der Infrastruktur würde zwei Jahre dauern. Weil die Reeder und Reiseveranstalter ihre Angebote mehrere Jahre vorher schon auflegen, rechnet Schlennstedt damit, „dass 2022 die ersten großen Kreuzfahrtschiffe hier anlegen würden“.

Für einen neuen Kreuzfahrtterminal müssten Standorte vom Nordlandkai bis zur Nordermole abgeklopft werden. Eine „Arbeitsgruppe Kreuzfahrt“ hat vor acht Jahren mögliche Flächen in Travemünde geprüft und alle verworfen. Schlennstedt sieht trotzdem Möglichkeiten im Fischereihafen und an der Marina Baltica. Als Betreiber kämen Hafenbetreiber wie die städtische LHG, aber auch die Privatfirma Lehmann, Reeder sowie in der Passagierabfertigung tätige Unternehmen in Frage. Schlennstedt würde auch Hamburg mit ins Boot holen. Und Kiel. „Eine schleswig-holsteinische Kreuzfahrtgesellschaft mit zwei Standorten könnte sich gegen Rostock und Wismar aufstellen.“

Schätzungen, dass die Infrastruktur 20 bis 30 Millionen Euro kostet, seien nicht belegt, erklärt der Experte. „Man muss nicht mit einem Glaspalast als Terminal starten“, erklärt Schlennstedt, „man könnte das Zelt vom Flughafen aufstellen.“ Der Imagegewinn für Lübeck wäre gewaltig, ist sich der CPL-Geschäftsführer sicher. „Wenn in Rostock vier große Kreuzfahrer gleichzeitig festmachen, kommen Tausende Sehleute, und es werden tolle Bilder gefertigt.“ Der Hafenstandort Lübeck käme dann von der ständigen Negativpresse weg.

Kai Dordowsky

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