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Lübeck Kreuzweg-Station bekommt neuen Glanz
Lokales Lübeck Kreuzweg-Station bekommt neuen Glanz
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22:47 17.05.2018
Diplom-Restauratorin Malaika Krohn sitzt vor dem Relief auf dem Gerüst; in ihrem Eimer befindet sich die Ammoniumcarbonat-Paste, mit der Schadsalze aus dem Naturstein gelöst werden können. Quelle: Fotos: Felix König (3)
St. Gertrud

Dieses Jahr ist Malaika Krohn zum ersten Mal selbst mitgegangen. „Um eine Beziehung zum Objekt zu entwickeln“, sagt sie. Und es sei sehr stimmungsvoll gewesen auf dem Lübecker Kreuzweg am Karfreitag, merkt sie an. Den Auftrag, die fünfte und letzte Station direkt auf dem Jerusalemsberg wieder ansehnlicher machen zu dürfen, hat sie bereits vor einiger Zeit bekommen. „Aber der Frost hat sich in diesem Jahr ganz schön lange gehalten“, kommentiert die selbstständige Diplom-Restauratorin aus Timmendorfer Strand, „so dass ich erst in dieser Woche beginnen konnte.“

Das ungefähr vier Meter hohe Gerüst an dem gotischen Häuschen, in dem ein grobes Relief aus gotländischem Kalkstein eingelassen ist, ist bereits aufgebaut. Nun verreibt die Expertin großflächig eine weiße Paste auf der Steinoberfläche. „Damit schaffe ich eine Ammoniumcarbonat-Kompresse, die dazu führt, dass insbesondere Gipsausblühungen und Gipskrusten, also Schadsalze, entfernt werden können“, erläutert sie. Die Paste werde hart und könne dann quasi wie ein Papierbogen zusammen mit den gebundenen Schadsalzen abgezogen werden.

Das Relief, fast dreieinhalb Meter hoch und rund anderthalb Meter breit, trägt den Namen „Jesus stirbt am Kreuz“ und zeigt entsprechend Gottes Sohn am Kreuz mit Maria und Johannes. Schwebende Engel fangen in Kelchen das Blut auf, das aus Christi Wunden strömt. Vor dem mit Knochen belegten Kreuzeshügel ist das Wappen des Stifters angebracht. „So ein altehrwürdiges Monument, das schon über 500 Jahre alt ist, habe ich bisher noch nicht restauriert. Immerhin gilt der Lübecker Kreuzweg als ältester Wallfahrtsweg Deutschlands und wurde bereits 1493 angelegt“, erklärt sie.

Wann das christliche Kunstwerk das letzte Mal so gründlich gereinigt worden ist, weiß Krohn nicht. „Nach dieser Vorbehandlung werde ich die Oberfläche Zentimeter für Zentimeter mit heißem Wasserdampf behandeln“, schildert die 40-Jährige den nächsten Arbeitsschritt. Und die Vierungen, also die ausgebesserten Stellen in dem Naturstein, bekommen auch noch eine Spezialbehandlung, um sie zu verfestigen – „dazu werde ich sie mit einem Kieselsäureester-Produkt einsprühen“, verrät sie. Und abschließend werde das gesamte Relief noch mit einer erneuerten Kalkmörtel-Fuge umrahmt.

In zirka zwei bis drei Wochen hofft die Restauratorin, mit den Verschönerungsarbeiten auf dem Jerusalemsberg vis à vis vom Brahms- Institut der Musikhochschule fertig zu sein. Allerdings rät sie, dass sich ebenfalls die Kirchenbauhütte einschalten solle. „Denn an dem Häuschen sind an einigen Stellen Frostsprengungen im Backstein zu erkennen. Die sollten noch ausgebessert werden“, bemerkt sie.

Das notwendige Geld für die Restaurierungsmaßnahme – die Kosten betragen über 4000 Euro – wurde in den vergangenen Jahren als Kollekte während der ökumenischen Karfreitags-Prozession zum Jerusalemsberg gesammelt.

 Von Michael Hollinde

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