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Trauriger Tag für Kücknitz: Abschied vom Stadtteilbüro

Kücknitz Trauriger Tag für Kücknitz: Abschied vom Stadtteilbüro

Hundert Leute nutzen am letzten Tag noch den Bürger-Service. Sie sind sauer, dass das Büro geschlossen wird und es keinen Ersatz gibt. Ein Stadtteil fühlt sich abgehängt.

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Die letzte Stunde hat geschlagen für das Stadtteilbüro Kücknitz. Künftig gibt es nördlich der Trave keinen Bürger-Service mehr.

Quelle: Ulf Kersten Neelsen

Kücknitz. Die letzte Stunde hat geschlagen für das Stadtteilbüro Kücknitz. Künftig gibt es nördlich der Trave keinen Bürger-Service mehr. Die Menschen müssen in die Innenstadt oder zum Meesenring auf Marli. Innensenator Bernd Möller (Grüne) will damit 200 000 Euro pro Jahr sparen. Am letzten Tag nutzen mehr als hundert Lübecker noch die Chance, ihren Personalausweis abzuholen oder sich umzumelden. Schon um acht Uhr morgens bildet sich eine Schlange, der Ansturm hält an, bis das Stadtteilbüro um zwölf Uhr für immer seine Türen schließt. Im Wartesaal sitzen 15 Frauen und Männer schicksalsergeben auf ihren Plätzen und blicken ins Leere. Hin und wieder schaut jemand zur Uhr. Im hinteren Teil des Raumes stapeln sich bereits die Umzugkartons des Büros.

Es ist ein trauriger Tag für die Kücknitzer. Sie haben für den Erhalt des Büros gekämpft. „Jetzt sind wir abgeschnitten und müssen für unsere Angelegenheiten durch den Herrentunnel“, sagt Anna Fiedler. Um zehn nach elf nimmt eine Mitarbeiterin den Kasten weg, aus dem man die Wartenummern ziehen kann. „Wegen des hohen Publikumsandrangs musste die Vergabe der Nummern eingestellt werden“, wird auf einem Zettel erklärt. Kurz darauf betritt ein älterer Herr den Wartesaal und blickt suchend um sich. „Keine Nummern mehr“, ruft ihm eine Wartende zu. Der Herr verzieht das Gesicht und geht.

Björn Dimke hat den vorletzten Platz ergattert. „Ich finde das nicht in Ordnung. Hier leben viele ältere Menschen, die jetzt den Weg auf sich nehmen müssen“, sagt er. Für Kücknitz und Travemünde sollte es ein Büro geben.

Um halb zwölf rauscht Susanne Wieck wütend aus der Tür. „Ich bin geladen, die haben meinen Personalausweis schon nach Lübeck geschickt“, ruft sie. Um zwölf stürmt Michael Dethlefs herein. „Bin ich zu spät?“, ruft er verzweifelt in den Raum. Eine Mitarbeiterin hat Erbarmen. Der 22-Jährige darf seinen Ausweis mitnehmen. „Glück gehabt“, sagt er. „Hier werden bald Zustände wie in der Großstadt herrschen. Da muss man sich drei Monate vorher anmelden“, sagt Kücknitz‘ letzter Kunde.

Während die Bürger noch versuchen, ihre Angelegenheiten zu regeln, sind die Vertreter des Stadtteils stinksauer. „Ich verstehe das nicht“, sagt Helga Lietzke, Vorsitzende der Frauen- und Sozialverbände. Die Verwaltung müsse sparen — und der Bürger müsse es bezahlen. „Das ist eine Schande, dass den Bürgern das aufgebrummt wird, weil die Stadt unfähig ist, es ordentlich zu organisieren.“ Nördlich der Trave leben 31 500 Menschen. „Warum wird nicht hier ein neues Stadtteilbüro gebaut, sondern am Meesenring?“, will Lietzke wissen. „Wir sind bitter enttäuscht“, sagt Georg Sewe, Chef des Gemeinnützigen Vereins Kücknitz. Die Politiker hätten versprochen, dass es Ersatz gibt. „Das Versprechen ist nicht gehalten worden.“ Sewe kritisiert: „Wir Kücknitzer werden schon mit dem Herrentunnel hängengelassen. Jetzt werden wir auch bei den städtischen Einrichtungen benachteiligt.“

Selbst die Politiker vor Ort können es nicht fassen. „Wir sind entsetzt, dass es keine Alternativen gibt“, sagt Oliver Prieur, CDU-Ortsverbandschef. „Die Schließung des Stadtteilbüros ist ein riesengroßer Nachteil für Kücknitz und Travemünde.“ Die Verkehrsanbindung sei sowieso schon schlecht wegen des Tunnels. „Meine Mutter ist 81 Jahre alt und muss sich einmal im Jahr eine Bescheinigung für die Rente holen“, erzählt Prieur. Sie sei entsetzt gewesen, weil sie nicht weiß, wie sie das jetzt machen soll. „Die Stadtteilbüro ist die einzige Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürger.“

Dieser würden die Kücknitzer jetzt beraubt, so Prieur.

SPD-Ortsvereinschef Jörn Puhle ist ebenfalls sauer: „Senator Möller hat unseren Beschluss ignoriert, dass erst Alternativen im Stadtteil geschaffen werden müssen.“ Beispielsweise Computer in der Stadtteilbibliothek, an denen die Bürger ihre Angelegenheiten erledigen können. Puhle: „Der Unmut der Büger würde nicht so groß sein, wenn es alternative Modelle gäbe.“

Noch zwei Anlaufstellen
380 000 Euro jährlich will Innensenator Bernd Möller (Grüne) mit seiner Reform sparen: 180 000 Euro durch die bereits vollzogene Zentralisierung der Kfz-Angelegenheiten am Meesenring und 200000 Euro durch das Schließen der drei Stadtteilbüros. Kücknitz ist bereits zu, am Montag folgt Moisling und am Dienstag St. Lorenz.
Als Ersatz wird ein neues Stadtteilbüro am Meesenring eröffnet: Am Donnerstag, 6. August, soll es soweit sein. Das Stadtteilbüro in der Innenstadt bleibt als zweite Anlaufstelle bestehen.

Alessandra Röder und Josephine von Zastrow

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