Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Kücknitzer sauer: Wo bleibt der Radweg?
Lokales Lübeck Kücknitzer sauer: Wo bleibt der Radweg?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 03.11.2017
Reiner Sell (64) zeigt zusammen mit Bekannten und Nachbarn, wie eng der Radweg zwischen Elbingstraße und Ivendorfer Landstraße ist. Quelle: Foto: Felix König

Eine Gruppe Radfahrer aus Kücknitz hat sich an der Elbingstraße/Ecke Travemünder Landstraße versammelt. Reiner Sell, der seit 35 Jahren im Stadtteil wohnt und leidenschaftlich Rad fährt, fordert Aufklärung von Bürgermeister und Politikern, warum der versprochene Ausbau des Radweges ausgeblieben ist. „Ich möchte mit meinem Enkel, der nächstes Jahr zwei Jahre alt wird, im Sommer 2018 auf einem sanierten und breiten Radweg nach Travemünde fahren“, erklärt Sell, „und ich möchte meinen Enkel anschließend wieder gesund bei seinen Eltern abliefern.“ Derzeit befinde sich die 1,3 Kilometer lange Strecke in einem „gefährlichen Zustand“, hat Sell an Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) sowie die sechs Bürgermeisterkandidaten und den Bereich Stadtgrün und Verkehr geschrieben.

Der 64-Jährige spricht von Schlaglöchern, Deckenschäden und Wurzelaufbrüchen. „Wer hier mit dem Rad fährt, bekommt Kopfschmerzen“, drückt sein Mitstreiter Hartwig Heinz die Lage drastischer aus.

Heinz versteht nicht, warum nicht weitergebaut wurde, schließlich habe die Stadt die 1,4 Kilometer zwischen Solmitzstraße und Elbingstraße bereits erledigt. Stellenweise sei der Rad- und Fußweg so schmal, „dass ich immer vom Rad steige, wenn Gegenverkehr kommt“, erzählt Marita Hansen. Nicht nur für die Bewohner von Kücknitz und Travemünde sei die Piste ein Problem, sagen die versammelten Radfahrer, für eine Touristenstadt sei die Strecke beschämend. Viele Fahrradtouristen seien hier im Sommer unterwegs. Nach Angaben der Stadt nutzen täglich rund 1000 Radfahrer den Weg.

Deshalb sollte er ja auch in diesem Jahr saniert und ausgebaut werden – für 500000 Euro. Und am 16. Dezember dieses Jahres fertig sein. Was kam dazwischen? Das knappe Personal in der Bauverwaltung musste andere Projekte vorziehen. Nils Weiland, Abteilungsleiter Verkehrsplanung: „Wir mussten zuerst den Straßenausbau in der Kantstraße planen.“ Folge: „Die Ausführungsplanung konnte erst Anfang August abgeschlossen werden“, erklärt der Bereich Stadtgrün und Verkehr, deshalb sei die Verschiebung beschlossen worden. Die Bauarbeiten wären in den Oktober und November gefallen, das seien wegen Feuchtigkeit und Kälte ungünstige Monate. Der Bereich hat noch ein Argument – die aktuelle Auftragslage im Straßen- und Tiefbau. Die Baufirmen seien mit Aufträgen voll ausgelastet. Hätte die Stadt auf eine Sanierung in diesem Jahr gedrängt, wäre es sehr teuer geworden. Jetzt ist geplant, die Aufträge bis zum Jahresende zu vergeben. Im April 2018 soll dann mit dem Bau begonnen werden.

Der Kücknitzer Radweg ist nicht der einzige, der der Personalnot in der Bauverwaltung zum Opfer gefallen ist. Der Radweg an der Schwartauer Allee und der Knotenpunkt Hüxtertorallee/Moltkestraße wurden ebenfalls verschoben. Verkehrsplaner Weiland: „Wir konnten in diesem Jahr viele geplante Maßnahmen nicht umsetzen, die wir dann 2018 hoffentlich realisieren.“

Reiner Sell, der Unterschriften unter Nachbarn und Bekannten gesammelt hat, will von den Bürgermeisterkandidaten wissen, ob sie sich für den zügigen Weiterbau des Radweges einsetzen. Drei haben geantwortet. Joachim Heising (parteilos) will sich als Bürgermeister verstärkt um Sanierung und Ausbau des Radwegenetzes kümmern und die jährlichen Summen für die Radwege erhöhen. Detlev Stolzenberg (parteilos) will sich die Lage vor Ort anschauen und dann mit den Verantwortlichen sprechen. Thomas Misch (Freie Wähler) ist das Thema bekannt, er radelt selbst oft auf dem Weg. Misch will sich im Bauausschuss über die Verzögerung erkundigen.

Unterdessen kritisiert der Fahrrad-Club ADFC, dass die Stadt zwar die Mecklenburger Straße in Schlutup zwischen Brinkweg und B 104 mit einer neuen Asphaltdecke versieht, die beiden Radwege aber nicht gleich mit in Ordnung bringt. „Die Radwege sind in einem erbärmlichen Zustand“, sagt der ADFC. Die Verwaltung bestätigt, dass die Radwege nicht instandgesetzt werden. Das könne mehrere Gründe haben – unterschiedliche Zuständigkeiten, unterschiedliche Haushaltstöpfe, unterschiedliche Bauverfahren. Der ADFC fordert, dass wenigstens die Radwege-Benutzungspflicht aufgehoben wird und Radler auf der Straße fahren dürfen.

Radverkehr: Das wurde 2017 umgesetzt

An der Luisenstraße wurden Schutzstreifen ausgewiesen und rot markiert. Zugleich dürfen die vorhandenen Radwege im Seitenbereich weiter benutzt werden.

Ein neuer Radweg wurde entlang der Niedernstraße zwischen Bliestorf und Krummesse gemeinsam mit den Nachbarkommunen finanziert.

Der Radweg entlang der B 104/Mecklenburger Landstraße zwischen Schlutup und Israelsdorf/Herrentunnel wurde auf 2,50 bis drei Meter Breite ausgebaut.

Im Mönkhofer Weg wurde ein Sicherheitstrennstreifen markiert, so dass die Radfahrer nicht mehr von parkenden Autos gefährdet werden.

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Deutsche Städte- und Gemeindetag warnt vor übertriebenen Erwartungen bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt (LN berichteten). Lübeck kann ein Lied davon singen. Die Arbeitsagentur geht davon aus, dass es sich um die „Fachkräfte von übermorgen“ handelt.

03.11.2017

In Lübeck ist auch im Oktober die Zahl der Arbeitslosen weiter gesunken. Das meldet die Arbeitsagentur. Die Zahlen gingen dabei sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahr zurück. Leicht gestiegen ist dagegen die Zahl der Ausbildungsstellen in der Hansestadt.

03.11.2017

Ein letztes Mal in diesem Jahr öffnen die Geschäfte ihre Türen an einem Sonntag. Die Lübecker können am 5. November von 13 bis 18 Uhr in der Innenstadt und an den Einkaufsstandorten Bei der Lohmühle, Im Gleisdreieck, Genin, Dänischburg und Herrenholz sowie in Travemünde shoppen.

03.11.2017
Anzeige