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Lübeck Küster fürchten um ihre berufliche Zukunft
Lokales Lübeck Küster fürchten um ihre berufliche Zukunft
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20:15 27.08.2016
Zusammen mit ihrem Ehemann versieht Sabine Weiß in St. Marien – „mein zweites Zuhause“, wie sie sagt – das Küsteramt. Quelle: Lutz Roeßler

Sie sind die guten Seelen von St. Marien, das Küsterehepaar Sabine und Gerd Weiß. Addiert man ihre Dienstjahre, kommen an die 50 Jahre im Küsteramt zusammen.

Doch sie sorgen sich um ihren Berufsstand. Deshalb stehen sie voll und ganz hinter der neuen Kampagne des Küsterarbeitskreises (AK) der Nordkirche, mit dem Leitsatz „Ohne Küster wird es düster – ein Beruf aus Berufung“.

„Wir wollen für unseren Job werben“, erklärt Marion Ratzlaff- Kretschmar, erste Vorsitzende des AK, während der letzten Sitzung in Lübeck. „Das ist nötig, weil diese Arbeitsstellen in den Kirchengemeinden aufgrund von Finanznot häufig eingeschmolzen werden“, so ihr Kollege Tobias Jahn, der als zweiter Vorsitzender fungiert. Diese Negativkurve wollen die „Berufenen“ aufhalten. Konsens im Arbeitskreis ist: Nichts gegen das Ehrenamt – aber der Küsterberuf braucht hauptamtliche Kräfte.

Gesangbücher verteilen, Glocken läuten und Kerzen anzünden: Wenn man Kirchenbesucher fragt, welche Aufgaben ein Küster in einer Kirche hat, fällt den meisten die Vorbereitung des Gottesdienstes ein.

Das ist bei Weitem aber nicht alles. Ihre Hauptarbeit geschieht im Hintergrund. Von der Steuerung der Heizungsanlage über die Wartung der Feuerlöscher bis hin zur Pflege der Außenbereiche und Koordination von Veranstaltungen liegen viele und vielfältige Aufgaben in ihrem Verantwortungsbereich. Sie brauchen ein großes Wissen an Arbeitssicherheit oder im Bereich Denkmalschutz.

Markus Meier, der vor gut einem Jahr sein Amt am Dom aufgenommen hat, formuliert: „Wir halten die Fäden in der Hand und gucken, dass alles läuft.“ Natürlich sieht auch er die dringende Notwendigkeit hauptamtlicher Kräfte in diesem Tätigkeitsfeld – „wenn aber das Geld nicht da ist? Was dann?“ Deshalb freut er sich, dass er inzwischen von einem 15- bis 20-köpfigen Team an Ehrenamtlichen in seiner Arbeit unterstützt wird.

Diese Konstellation ist also aus der Not geboren: Nachdem die beiden Dom-Küster im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen waren, gab es eine Zäsur. Der Kirchengemeinderat hatte überlegt, wie der Küsterdienst neu aufgestellt werden könnte. Die entscheidende Idee zum ehrenamtlichen Küsterteam kam dann aus den Reihen der Domwache. In ihr engagieren sich bereits seit vielen Jahren zwischen 70 und 80 Menschen, viele darüber hinaus auch im Bereich Kirchenpädagogik. Was hier hervorragend funktionierte, könnte auch im Bereich des Küsteramtes eine tragfähige Ergänzung sein.

„Die Ehrenamtlichen unterstützen mich primär in zwei Bereichen, bei der Gottesdienstvorbereitung sowie bei der Gartenpflege“, fasst der 58-Jährige zusammen. Und er resümiert: „Ich würde auf diese Gruppe nicht mehr verzichten wollen, selbst wenn es eines Tages wieder das Geld für einen zweiten Hauptamtlichen geben sollte.“ Er hebt zudem hervor, dass sich durch dieses Engagement so viele Menschen mit ihrer Gemeinde verbunden fühlen.

Zurück zum Küster-Arbeitskreis der Nordkirche: Im Oktober feiert er sein 40-jähriges Bestehen im Hamburger Michel. Dann wird sicherlich auch Sabine Weiß wieder dabei sein und möglicherweise eine Kerze anzünden – damit es nicht düster wird.

Allround-Manager

Der Küsterberuf ist kein eigentlicher Ausbildungsberuf, aber für eine Anstellung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung hilfreich. Diese Ausbildung sollte den Tätigkeitsbereichen des Dienstes entsprechen. Durch Teilnahme an Einführungslehrgängen und Seminaren kann das erforderliche Wissen – die praktischen, geistlichen und theologischen Bezüge – für die Arbeit in der Kirchengemeinde erworben werden. Die Landeskirche bietet in Zusammenarbeit mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt eine Grundausbildung zum kirchlich anerkannten Küster an.

Michael Hollinde

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