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Lübeck Kulturhauptstadt: Aus für Lübecks Bewerbung
Lokales Lübeck Kulturhauptstadt: Aus für Lübecks Bewerbung
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21:14 28.12.2017
Das Holstentor ist ein berühmtes Kulturgut, doch es gibt kein Geld für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat

Die Bürgerschaft hat einen umfangreichen Bericht der Verwaltung zu Lübecks Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 zur Kenntnis genommen. Nicht mehr und nicht weniger. Es gab weder von der Verwaltung noch von den Fraktionen einen Antrag, in die Bewerbung einzusteigen. Eineinhalb Jahre nachdem die CDU das Thema angestoßen hatte und ein Jahr nachdem ein Grünen-Antrag für eine Machbarkeitsstudie mit breiter Mehrheit angenommen wurde, hat die Stadtvertretung das Thema einfach so beerdigt.

Zwei große kulturpolitische Initiativen haben einen herben Dämpfer erlitten: Die Bürgerschaft konnte sich nicht zu einer Bewerbung der Hansestadt um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 durchringen. Auch das Umweltbildungszentrum wurde ausgebremst.

Die Kulturpolitiker der großen Fraktionen hatten schon im Vorfeld den Daumen gesenkt. „Die Kosten der Bewerbung und erst recht der Umsetzung wären öffentlich kaum vermittelbar gewesen“, sagt Henning Stabe (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses. „Solange wir Brücken, Straßen und Schulen reparieren müssen, können wir nicht Millionen in diese Bewerbung stecken.“ Tatsächlich hatte die Bonner Agentur „projekt 2508“ die Bewerbungskosten auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Das eigentliche Kulturhauptstadtjahr würde mit schätzungsweise 60 bis 70 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Aus unserer Sicht ist es nicht sinnvoll, so viel Geld hinauszuschmeißen“, erklärt SPD-Kulturpolitiker Peter Petereit.

Die 25000 Euro für die Machbarkeitsstudie zur Bewerbung seien trotzdem keine vergebliche Investition gewesen, erklärt die CDU. „Die Studie hat uns entscheidende Impulse für unsere Kulturpolitik gegeben“, sagt Henning Stabe. Die Kulturschaffenden würden sich jemanden wünschen, der sich um sie kümmert – das Kulturbüro der Stadt bekommt eine zweite Stelle. Die freie Kulturszene braucht einen Fördertopf für Projekte, „aus dem Beträge von wenigen Hundert Euro an kleine Initiativen ausgezahlt werden können“, sagt Stabe – die Bürgerschaft stellt 50000 Euro für den Fonds zur Verfügung.

Auf Geld hatte auch das Naturkundemuseum gehofft, das zu einem Umweltbildungszentrum weiterentwickelt werden soll. Das wurde von einem Großteil der Stadtvertretung abgelehnt. Museumsleiterin Dr.

Susanne Füting ist enttäuscht. Sie und ihr Team hätten viel Zeit in ein Konzept investiert, das eine deutliche Stärkung der Bildungsarbeit des Museums vorsieht. Dazu braucht Füting aber eine zweite, wissenschaftliche Kraft, die rund 85000 Euro im Jahr kostet. Außerdem hoffte sie auf eine zusätzliche, halbe Stelle in der Geschäftsstelle. Kulturausschussvorsitzender Stabe vertraut auf die „Verwaltungskunst von Kultursenatorin Weiher“, die das Geld in ihrem Budget auffinden soll. Für SPD-Kulturpolitiker ist das vorgelegte Konzept lediglich ein Zwischenbericht. Vor allem die 450000 Euro, die für den Umbau eines Ausstellungsbereiches ausgegeben werden sollen, seien nicht konkret genug dargestellt, moniert Petereit. „Das ist eine grobe Kostenschätzung“, sagt Museumsleiterin Füting. „Das Geld soll aus Drittmitteln aufgebracht werden.“

Die GAL ist sauer auf diesen Umgang mit dem Umweltbildungszentrum. „Für uns stellt dies eine bewusste Verschleppung von Beschlüssen und eine Missachtung der Bürger dar“, schreibt die GAL, „denn die Idee eines Zentrums für Umweltbildung wurde ursprünglich in einer Versammlung der Einwohner 2012 beschlossen.“ Die Bürgerschaft habe den Vorschlag damals einstimmig angenommen. „Seitdem wurde die Umsetzung mit fadenscheinigen Begründungen immer wieder verschleppt“, kritisiert GAL-Politikerin Katja Mentz. Auch die Grünen beklagen das „fortwährende Verschleppen“. Bruno Hönel, Kreisvorstandsmitglied der Grünen, klagt: „Es ist mir unerklärlich, wie SPD und CDU den Bürgerwillen und die umweltpolitischen Herausforderungen derart ignorieren können.“ Damit würden beide Fraktionen dem Umweltbildungszentrum jegliche Arbeitsgrundlage entziehen.

Kultursenatorin Weiher will das Umweltbildungszentrum auf jeden Fall umsetzen. Zur Not werde sie in ihrem Budget das Geld für die eineinhalb Stellen auftreiben.

 Von Kai Dordowsky

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