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Lübeck Kulturhauptstadt: Szene begrüßt die Idee
Lokales Lübeck Kulturhauptstadt: Szene begrüßt die Idee
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21:46 09.05.2016
„Die Idee kann man noch gar nicht bewerten. Es wäre nett, wenn wir Bürger genauer informiert und dann auch gefragt werden.“ Julia Bleßmann (41)

„Ich glaube, Lübeck hat sehr gut davon profitiert, in den letzten zehn bis 15 Jahren auf Kultur gesetzt zu haben“, sagt Christian Schwandt, Direktor des Theaters Lübeck. Viele Touristen seien deshalb in die Stadt gereist und auch viele neue Einwohner seien auf Grund der kulturellen Vielfalt nach Lübeck gezogen. „Es ist gut, wenn durch so eine Bewerbung das Programm weiter geschärft wird“, sagt Schwandt. „Es ist wichtig, die Kultur zu erhalten und weiter zu stärken.“ Die finanziellen Mittel seien zwar begrenzt, trotzdem, so glaubt Schwandt, sei es eine lohnende Investition. „Die Bewerbung für die Stadt der Wissenschaft hat uns ja auch weitergebracht“, sagt der Theaterdirektor.

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Viele Akteure aus der Lübecker Kultur befürworten eine Bewerbung — Nur die Kosten sehen sie kritisch.

Ein klares „Ja“ zu der Bewerbung kommt auch vom Direktor der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen. „Lübeck ist schon jetzt eine Kulturstadt von nationalem Rang — und dies nicht nur im klassischen Sinne“, sagt Wißkirchen. Es seien nicht nur das Theater, die Museen und die Musik, sondern Lübeck zeichne sich auch durch eine immer stärker werdende aktuelle Kultur-Szene aus. Aber: „Die Bewerbung macht nur Sinn, wenn es einen eindeutigen Beschluss der Bürgerschaft gibt“, stellt Wißkirchen klar. „Das meint auch, dass öffentliche Gelder zur Verfügung gestellt werden sollten. Nur dann wird es möglich sein, die notwendigen Drittmittel zu akquirieren.“ Schon einmal hatte sich Lübeck um den Titel Kulturhauptstadt beworben. Damals stand nur ein mageres Budget von 150 000 Euro zur Verfügung, während andere Bewerber mehrere Millionen investierten.

Politiker entscheiden erst Ende 2016 über eine Bewerbung

Für eine Bewerbung spricht sich auch die stellvertretende Direktorin der Gemeinnützigen, Antje Peters- Hirt, aus: „Ich finde es absolut passend.“ Schon die erste Bewerbung sei gelungen gewesen. „Das Problem war nur, dass die anderen Bewerberstädte zu ähnliche Profile hatten.“ Was ist das Besondere? Diese Frage sei entscheidend und dementsprechend müsse eine Bewerbung entwickelt werden — zum Beispiel aus Schwerpunkten wie der Ostsee, Schiffen oder aber auch aus speziellen Engagements in der Integration oder Bildung heraus. „Und man muss genau gucken, wer die anderen Bewerber sind“, sagt Peters-Hirt. Dass eine Bewerbung die klamme Stadt einiges kosten könnte, sieht sie nicht als Problem. „Wenn man anfängt so zu argumentieren, ist das das Totschlagargument für alles.“

Eine durchdachte Planung müsse hinter der Bewerbung stehen, findet der 1. Vorsitzende der Overbeck-Gesellschaft, Dieter Witasik. „Grundsätzlich tut eine Kulturhauptstadt-Bewerbung der Region aber immer gut — damit rückt die Stadt weiter ins internationale Interesse.“

Zurückhaltend äußert sich Pröpstin Petra Kallies: „Eine erneute Bewerbung Lübecks als Kulturhauptstadt kann eine große Chance sein.“ Dafür spreche die bunte Kulturlandschaft der Stadt und ihre geschichtliche Tradition als Königin der Hanse. „Was mir unbedingt nötig erscheint, ist, die Idee der Kulturhauptstadt als ein international verbindendes Element zu verstehen und umzusetzen.“

Weltoffenheit und europäischer Gemeinschaftssinn sollten sich darin wiederfinden, das brauche es heute mehr denn je. Aber: „Nicht zuletzt sind die Kosten mit kühlem Blick zu bewerten, ein Verlustgeschäft wird sich Lübeck nicht leisten können.“

Von Kim Meyer

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