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Lübeck Kulturhauptstadt: Weiher gegen Saxe
Lokales Lübeck Kulturhauptstadt: Weiher gegen Saxe
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„Ich bin da ausgeknockt worden.“Kathrin Weiher, Kultursenatorin (parteilos)
Lübeck

Es ist Wahlkampf. Auch beim Thema Kulturhauptstadt. Auf der einen Seite SPD und GAL, auf der anderen Seite Weiher und ihr buntes Bündnis aus CDU, FDP, BfL und Grünen. „Ich durfte nichts machen“, sagt Weiher. „Ich bin da ausgeknockt worden.“ Sie hatte bereits Zusagen von Hamburger Unternehmern, die Lübecks Bewerbung um den Titel unterstützen wollten. Die kostet zwei Millionen Euro, hat eine Machbarkeitsstudie ergeben. Doch Saxe habe das Thema an sich gezogen und Workshops organisiert, zu denen sie gar nicht eingeladen worden sei. „Ich bin rausgedrängt worden“, erklärt Weiher freimütig im Kulturausschuss. Deshalb wolle sie jetzt die Unterstützung der Politiker, dass sie die Bewerbung vorantreiben dürfe. „Ich brauche politische Rückendeckung auch gegen den Bürgermeister, der das nicht will“, sagt Weiher. „Geben Sie mir die Chance, das Geld einzusammeln“, wirbt die Senatorin. Die Bewerbung um den Titel müsse Mitte 2019 abgegeben werden.

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Den Vorgang beschreibt Saxe völlig anders. „Dass ich irgendjemandem etwas aus der Hand genommen hätte, ist Unsinn“, macht der Rathaus-Chef klar. Und: „Von einem Finanzier, der Geld für die Bewerbungsphase geben wollte, weiß ich nichts“, sagt der Bürgermeister. Er habe sich tatsächlich zwei- oder dreimal mit Kulturschaffenden und potenziellen Geldgebern getroffen. Das liegt aber Monate zurück. „Ich wollte mir eine persönliche Meinung über Vor- und Nachteile einer Bewerbung bilden“, erläutert Saxe. Dabei sei er zu der Haltung gelangt, „eine Bewerbung eher nicht zu starten“. Sondern die Energie besser in eine Weiterentwicklung der kulturellen Vielfalt zu stecken. Allerdings gibt Saxe zu: „Das ist keine Entscheidung, sondern eine vorläufige Haltung.“ Außerdem: „Die Finanzierung der Bewerbung ist nicht das Hauptproblem, sondern die Finanzierung der Durchführung im Falle eines Erfolges ist das Problem.“ Denn: Die Studie spricht von 60 bis 70 Millionen Euro, die ein Titelgewinn kosten würde. Die horrende Summe müsse in Infrastruktur gesteckt werden, um überhaupt ein Kulturhauptstadtjahr bestreiten zu können, so die Experten.

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Die SPD hat Saxes Haltung übernommen. Sie ist klar gegen eine Bewerbung. „Wir halten sie nicht für sinnvoll“, sagt Kultur-Experte Peter Petereit. Die Bewerbung habe erhebliche Folgekosten. Das Geld solle lieber direkt in die Kultur investiert werden. So sieht es auch Kristina Aberle (GAL). „Für die Kulturschaffenden fällt bei einer Bewerbung nicht so viel ab.“

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Widerspruch kommt von Weiher. „Es ist nicht so, dass die zwei Millionen Euro dann jährlich für die Kulturschaffenden ausgegeben werden, wenn wir uns nicht bewerben“, erklärt sie. Das Geld gebe es gar nicht im Haushalt der Stadt. Dort sind jährlich 25000 Euro für freiwillige Kulturförderung vorgesehen. Ihr Plan: Mit dem Titelgewinn will sie Projekte fördern, die die Stadt sowieso auf dem Zettel hat. „Der Titel ist das Tor, das uns diesen Weg aufmachen kann“, so Weiher. Sie wolle mehr Kultur in die Stadtteile bringen – und einen Kultur-Gürtel um die Altstadt aufbauen. Dafür ist Hauke Wegner (CDU). „Mit dem Titel Kulturhauptstadt kriegen wir einen Plan zustande, den wir ohne nicht hinbekommen würden“. Hans Georg Rieckmann (BfL) nickt: „Ich finde die Idee sympathisch, die Bewerbung als Vehikel zu nutzen.“

Idee der CDU

Alexandra Dinges Dierig (CDU), Ex-Bundestagsabgeordnete, wollte die Bewerbung um den Titel Europas Kulturhauptstadt 2025. Sie hatte das Thema im Mai 2016 nach vorne gebracht.

Es wäre Lübecks zweiter Anlauf um den Titel. Bereits 2003 hatte sich Lübeck beworben und wollte Kulturhauptstadt 2010 werden. Allerdings hatte die Stadt nur ein mageres Budget von 150000 Euro. Die anderen neun Städte gaben Millionen für die Bewerbung aus. Damals machte Essen das Rennen.

 Josephine von Zastrow