Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Wird Völkerkunde wieder ein Museum?
Lokales Lübeck Wird Völkerkunde wieder ein Museum?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 06.11.2018
Die 26000 Objekte umfassende Völkerkundesammlung, die derzeit in einem Depot untergebracht ist, wird auf einen Wert von 80 Millionen Euro geschätzt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Kulturpolitiker stehen am kommenden Montag vor einer historischen Entscheidung. 16 Jahre nachdem ihre Vorgänger die Völkerkundesammlung als städtisches Museum geschlossen haben, können sie den Sparbeschluss korrigieren. Gleich vier Anträge von verschiedenen Fraktionen befassen sich mit der Wiedereröffnung der Sammlung. Prof. Renate Kastorff-Viehmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde: „Der Schließungsbeschluss von 2002 muss weg. Ich bin guten Mutes, dass das passiert.“

Im Zeughaus am Dom lagert die Völkerkundesammlung. Quelle: Lutz Roessler

Jahrelang hat die Fördergesellschaft vergeblich darum gekämpft, dass die Sammlung mit 26 000 Objekten wieder öffentlich zu sehen ist. Im Bürgermeister- und im Kommunalwahlkampf mehrten sich die Anzeichen, dass es zu einer Wiedereröffnung kommen könnte. Bei einer Veranstaltung der Frauen- und Sozialverbände herrschte große Einigkeit unter den Politikern, dass die Sammlung wiedereröffnet werden müsse.

Jetzt kommt es zum Schwur. Die Grünen sowie Freie Wähler & GAL beantragen: „Das Lübecker Völkerkundemuseum wird an seinem alten Standort in der Parade 10 wiedereröffnet.“ Die Unabhängigen beantragen: „Der Bürgermeister wird gebeten, den Bürgerschaftsbeschluss von 2002 zur Schließung der Völkerkundesammlung aufzuheben und die zeitnahe Einrichtung eines Museums einzuleiten.“ Die SPD fordert bis zur Januarsitzung 2019 der Bürgerschaft ein „museumspädagogisches Konzept, in dem die Völkerkundesammlung einen dauerhaften Ausstellungsort erhält“. „Wir wollen ganz klar die Wiedereröffnung“, sagt SPD-Fraktionschef Peter Petereit, „aber wir wollen prüfen, an welchem Ort und mit welchem Konzept.“ Das „alte Museum“ werde es nicht wieder geben. Petereit: „Wir wollen die digitalen Möglichkeiten nutzen, wir wollen die Herkunft der Exponate klären und wir wollen Museumsfachleute sowie die Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde einbinden.“

Es gibt auch Widerstand

Mit SPD, Grünen, Unabhängigen, Freien Wähler & GAL und Linken gibt es eine Mehrheit für die Wiedereröffnung. Einig sind sich die Antragsteller auch darin, dass hier nicht einfach nur exotische Objekte nebeneinander gestellt werden, sondern dass Themen wie Globalisierung, multikulturelle Gesellschaft und Zuwanderung angesprochen werden müssen. Prof. Renate Kastorff-Viehmann stellt sich „interkulturelle Bildungsarbeit“ vor.

Unklar ist noch, ob dafür das Zeughaus an der Parade wieder als Museum geöffnet wird. Ragnar Lüttke, Fraktionschef der Linken: „Das Zeughaus wäre schön, ist aber kein Muss.“ So gibt es seit einigen Jahren die Idee, dass die Stadt das ehemalige Bundesbank-Gebäude am Holstentor kauft und die Sammlung dort etabliert. Wolfgang Neskovic (Unabhängige), Vorsitzender des Kulturausschusses: „Wir streben eine gemeinsame, fraktionsübergreifende Lösung an.“

Aber es gibt auch Widerstand gegen die Wiedereröffnung. „Wir haben derzeit nicht den finanziellen Spielraum dafür“, sagt Lars Rottloff, kulturpolitischer Sprecher der CDU. Rottloff schätzt, dass Lübeck für Personal und Gebäudekosten zwei Millionen Euro pro Jahr aufbringen müsste. Die Stadt müsse sich auch um die anderen Museen kümmern. Das Behnhaus brauche eine neue Klimatechnik und die Geschichtswerkstatt Herrenwyk einen Hausmeister. Die CDU werde zu diesem Zeitpunkt nicht für die Wiedereröffnung stimmen. „Es kann keine reine Wiedereröffnung geben“, sagt Ulf Hansen, Kulturpolitiker der FDP, „vor der Entscheidung über die Präsentation der Exponate muss ihre Herkunft geklärt werden.“

Die Liberalen machen sich für ein virtuelles Museum stark. Die Exponate sollen auf der Homepage der Hansestadt gezeigt werden. „Das ist ein interessanter Ansatz, reicht aber nicht“, sagt Renate Kastorff-Viehmann, Vorsitzende der Fördergesellschaft. Über den FDP-Antrag entscheidet der Kulturausschuss am Montag. Für die anderen Anträge trifft er eine Vorentscheidung, das letzte Wort hat die Bürgerschaft am 29. November. Die AfD hat noch keine Haltung zur Wiedereröffnung der Völkerkunde. Fraktionschef David Jenniches: „Wir hören uns alle Positionen an und entscheiden dann.“

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er ist mit seiner 70er-Jahre-Fassade nicht schön anzusehen: der Penny-Markt in der Dornestraße 73. Weil man die Filiale nicht zukunftsfähig weiterentwickeln konnte, wird sie Mitte Dezember geschlossen.

06.11.2018

Wer hat seinen Kinderwagen vergessen? An einer Parkbank an der Puppenbrücke wurde ein leeren Kinderwagen entdeckt.

06.11.2018

Lübecker Hilfsorganisationen präsentierten am langen Novemberwochenende ihre Arbeit. Ob Polizei, ASB, LN oder Feuerwehr: Das Interesse war groß und die Betreiber zufrieden.

06.11.2018