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Lübeck Kundgebung mit Misstönen
Lokales Lübeck Kundgebung mit Misstönen
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20:39 02.05.2016
„Was da passiert ist, ist eben Demokratie.“Juliane Hoffmann

Sonnig, aber durchsetzt mit Gewitterstimmung — so war die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und das anschließende traditionelle Familienfest am Gewerkschaftshaus. Erstmals hatte der DGB-Stadtverband Lübeck Teilnahmekriterien für das Fest formuliert, die kleinere Parteien davon ausschlossen. Erst sollten nur Parteien teilnehmen dürfen, die in der Bürgerschaft vertreten sind und einen aktiven Arbeitnehmerflügel haben. Kurz vor dem 1. Mai war der Stadtverband dann ein Stück zurückgerudert, indem neben den Grünen auch die Freien Wähler wieder willkommen waren — obwohl letztere keinen Arbeitnehmerflügel haben.

„Ja, wir wurden wieder zugelassen, werden aber nicht teilnehmen“, kündigte Gregor Voht (Freie Wähler) während der Kundgebung um die Mittagszeit an. Er hoffe, dass im nächsten Jahr wieder alle demokratischen Parteien dabei sein werden. Während die rund 650 Zuhörer den Reden von Vertretern der einzelnen Gewerkschaften lauschten, formierten sich am Rande der Masse Parteien und Verbände zu einer kleinen, bunt beflaggten Front.

Von der Notwendigkeit eines solidarischen Europas zur gemeinsamen Bewältigung des Flüchtlingszuzuges sprach man auf der Bühne, und von einem Nein zu Nationalismus und der AfD. Viel Zustimmung erntete Dirk Himmelmann von der Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) für seine Forderung nach mehr Renten- und Lohngerechtigkeit. Das übergeordnete Motto „Zeit für mehr Solidarität“ wurde am Rande des Platzes allerdings um „Solidarität ist nicht teilbar“ ergänzt. Mit einem großen Banner, das Vereine und Verbände, Linke, Grüne, Freie Wähler, KPD und MLPD am Durchgang zur Holstenstraße emporhielten, zeigte man seinem Unmut . „Das soll keine Gegenveranstaltung sein“, so Ragnar Lüttke (Linke). Dennoch wolle man dem DGB zeigen, was man von dem Beschluss halte. „Gerade jetzt ist keine Zeit für Spaltung“, ergänzte Andre Kleyer (Die Grünen).

Zusammen mit MLPD und KPD, die bis zuletzt vom Fest ausgeschlossen blieben, stand man Spalier, als die Menschen sich auf den Weg zum Gewerkschaftshaus machten. Sobald die Ersten das Banner passierten, erklang aus den Reihen der KPD und MLPD das Solidaritätslied von Bertolt Brecht und Hanns Eisler — und auch in anderen Reihen fiel man mit ein. Als Jan Lindenau (SPD), als Vertreter der einzigen Partei, die anschließend am Fest teilnahm, unter dem Banner hindurchging, erklang noch deutlich hörbar die Internationale.

Was passiert sei, wäre eben Demokratie, bewertete Juliane Hoffmann, Geschäftsführerin des Gewerkschaftsbundes Region Schleswig-Holstein Südost. Genau wie der Beschluss der Gewerkschaften.

Einzig Verdi habe sich als eine von acht Gewerkschaften stets gegen den Ausschluss ausgesprochen, erklärte Hoffmann. Sie fände es bedauerlich, dass vor dem 1. Mai keine Einigung gefunden wurde und kündigte zur Lösung des Konfliktes neue Gespräche an.

Von Luisa Jacobsen

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