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Lübeck Kunsthandwerker bei Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital ausgeladen
Lokales Lübeck Kunsthandwerker bei Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital ausgeladen
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11:12 26.07.2018
Götz Peter Reichelt ist vor allem bekannt für seine geschnitzten Tiere. Quelle: Reichelt
Innenstadt

Der 75-jährige Hamburger Götz Peter Reichelt ist enttäuscht: Zehn Jahre lang hat er seine Holzkunst in der Kirchenhalle des Heiligen-Geist-Hospitals präsentiert, verkauft und nebenbei umweltphilosophische Gespräche mit vielen Standbesuchern geführt. Auch dieses Mal bekam er, wie alle übrigen Kunsthandwerker, im Februar eine Einladung. Anfang März erfuhr er vom Veranstalter, dem Verband Frau und Kultur, dass er in diesem Jahr seinen alten Platz in der Halle nicht mehr erhalten könne, sondern man ihm ein Kabäuschen reserviere. Was für Reichelt undenkbar ist – aufgrund der Größe seiner Holzobjekte und der Tatsache, dass stets viele Besucher seinen Stand umringten.

Voriges Jahr musste der Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital wegen der Sanierung ausfallen, dieses Jahr wird die 50. Auflage des beliebten Kunsthandwerkermarktes definitiv vom 30. November bis 10. Dezember stattfinden. Doch im Vorfeld gibt es Ärger.

Sie habe sich wirklich alle Mühe gegeben, eine Lösung für ihn zu finden, sagt Marktleiterin Lieselotte Tilinski, mit der Reichelt einen regen Mail-Schriftwechsel führte. Der mit der Absage-Mail endete: „Wir sind ein Kunsthandwerkermarkt mit hohem Niveau. Aufgrund dessen“, so Tilinski, „ist der Vorstand nun einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass eine Weiterführung unserer Zusammenarbeit für uns nicht tragbar ist.“

Eine Ohrfeige für den Kunsthandwerker, der zehn Jahre lang willkommener Aussteller war und auch dieses Jahr eingeladen worden war. Er hält es für einen „Vorwand, dass ich plötzlich die Qualitätsstandards nicht erfülle.“ Ein Vorwand ist es nicht, wohl aber eine missverständliche Formulierung, wie Lieselotte Tilinski auf LN-Anfrage einräumt. Reichelt hatte in einer langen Mail an die Marktleiterin geschrieben, ihm gehe es mehr ums „Predigen“ in Sachen Tiere und Umwelt als um den Verkauf seiner Produkte. „Wir wollen aber keinen Prediger haben, der 30 Leute um sich herum hat, sondern wir sind ein Kunsthandwerkermarkt“, sagt Tilinski.

Auch eine Begründung dafür, warum er seinen Stand nicht wie gewohnt in der Kirchenhalle aufbauen kann, erhielt er nicht. Jutta Szcakiel, Vorsitzende des Verbandes, liefert nun eine Begründung nach:

„Wir brauchen in der Kirchenhalle einen zweiten Fluchtweg, mussten dieses Jahr umstrukturieren und einigen der Ausstellern einen anderen Platz zuweisen.“ Zudem müsse man immer ein wenig rotieren und könne nicht jedem Kunsthandwerker jedes Jahr den selben Platz geben.

Dass Reichelt ausgeladen wurde, hat noch einen weiteren Grund: Man habe mittlerweile „Zweifel daran, ob er seine Sachen selbst herstellt“ – vor allem, da sich Reichelt die meiste Zeit des Jahres auf Bali aufhalte. Szcakiel: „Herr Reichelt ist übrigens nicht unser erster Fall, den wir ausladen mussten. Manchmal muss man auch Entscheidungen treffen, die nicht so einfach sind.“

Der Hamburger hat inzwischen für sich und seine Objekte eine schöne Alternative gefunden: „Ich werde dieses Jahr beim Kunsthandwerkermarkt in St. Petri dabei sein.“ Wie er gehört habe, seien auch andere Kunsthandwerker dieses Jahr ausgeladen worden, „etliche gehen freiwillig wieder ins Hoghehus.“ Dorthin waren voriges Jahr nach der recht kurzfristigen Absage des Marktes im Heiligen-Geist-Hospital durch Vermittlung des Lübeck und Travemünde Marketing (LTM) 50 der 150 Aussteller ausgewichen.

Für Reichelt ist das Thema Heiligen-Geist-Hospital passé, auch wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Er habe, sagt er, das Gefühl, dass im Vorstand des Verbandes Frau und Kultur nicht alles in Ordnung sei: „Da brodelt was.“

Fest steht: Der 50. Weihnachtsmarkt im altehrwürdigen Heiligen-Geist-Hospital wird wieder viele Tausende Besucher anziehen und ein wichtiger Faktor im Gesamtpaket „Weihnachtsstadt des Nordens“ sein.

Der Markt

Mehr als 150 Kunsthandwerker, die von einer Jury des Verbandes ausgewählt werden, stellen ihre Arbeiten vom 30. November bis 10. Dezember im Heiligen-Geist-Hospital aus; sie kommen unter anderem aus Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum. Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt, Schüler und Studenten 0,50 Euro.

Zum Jubiläum gibt es einige Besonderheiten, die aber derzeit noch nicht verraten werden.

Sabine Risch

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