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Lübeck Kutschenunfall überschattet Waldtag
Lokales Lübeck Kutschenunfall überschattet Waldtag
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20:22 02.09.2013
Die Flucht der Pferde endete an einem geparkten Auto. Ein Tierarzt beruhigte die Tiere und brachte sie auf eine Koppel. Quelle: Fotos: von Freeden, Malzahn (3)

Ein geprelltes Knie, ein Schleudertrauma und mehrere Schocks — das ist die Bilanz des Kutschenunfalls während des diesjährigen Walderlebnistags in Israelsdorf. Zwei Pferde waren am Sonntag gegen 12.55 Uhr durchgegangen und rasten unkontrolliert mit der mit zehn Personen besetzten Kutsche rund 500 Meter vom Tilgenkrug zum Buchenweg. Dort stoppten die Tiere, weil sich der Wagen zwischen einer Gartenmauer und einem geparkten Pkw verkeilte.

„Mit einem Mal sind die Pferde losgerannt“, erinnert sich Brigitte von Freeden. Ihre vier Enkelkinder waren auf die Kutsche geklettert, weil sie eigentlich eine Rundtour machen wollten. „Bevor der Kutscher wieder aufsteigen konnte, gingen die Pferde durch und rasten mit der Kutsche durch den Wald davon“, sagt ihr Ehemann Heiko von Freeden. Die beiden und die Tochter waren nicht an Bord, weil das zu schwer geworden wäre für die zwei ziehenden Warmblüter. Als die Pferde durchgingen, hätten die Menschen auf dem Waldweg zur Seite springen müssen.

Während ihrer Flucht streiften die Tiere einen Mercedes, einen VW sowie einen Renault und jene Gartenmauer, die die Flucht stoppte. Der Schaden beläuft sich auf etwa 8000 Euro. Heiko von Freeden:

„Im Buchenweg fanden wir sie wieder.“ Seine Enkelinnen im Alter von vier und 19 Jahren sowie der zehnjährige Enkel erlitten Schocks, der Siebenjährige zog sich eine Knieprellung zu. Eine 39-Jährige erlitt ein Schleudertrauma, ihre Tochter (5) und ein 49-Jähriger standen ebenso unter Schock. Alle wurden vom Rettungsdienst betreut, einige kamen ins Krankenhaus. Die drei übrigen Insassen blieben offenbar unversehrt.

Der zwölfte Walderlebnistag hatte um 11 Uhr begonnen. An der Veranstaltung nahmen 15 000 Menschen teil. Eventuell waren die vielen Gäste der Grund, dass die Pferde durchdrehten — Tiere und Besucher teilten sich einen Teil des Rundwegs. „Vermutlich sind die Pferde nervös gewesen“, sagt Knut Sturm, Bereichsleiter Stadtgrün. Die Einschätzung teilt Wilfried Schulz vom Gestüt Moorgarten:

„Pferde sind Fluchttiere.“ Wenn eins durchgehe, folgen die anderen dem Herdentrieb und rennen hinterher. Ein Knall reiche schon aus. Warmblüter wie die beiden Zugpferde am Sonntag seien zudem „sehr sensibel und regen sich schnell auf“. Sturm zieht daher Konsequenzen. „Wir werden künftig den Parcours und die Kutschstrecke strikt trennen.“ Die Ausflüge mit den Pferden werden bleiben, Überschneidungen zwischen Menschen und Tieren gibt es aber nur noch am Haltepunkt.

Auch an anderen Lübecker Veranstaltungen wie dem Volksfestzug nehmen Pferde teil — das bleibt auch so. Jürgen Taubert, Chef des Volksfest-Komitees, hält an den Tieren fest. Seit vielen Jahren ziehen zwei die Komitee-Kutsche. „Wir werden weitermachen.“ Die zwei Führer und der Kutscher seien sehr erfahren, die Rösser an Großveranstaltungen gewöhnt.

Die Tierschutzorganisation Peta fordert dagegen ein Pferdekutschenverbot in Lübeck. „Die Risiken sind unkontrollierbar“, sagt Diplom-Zoologe und Peta-Kampagnenleiter Peter Höffken. Immer wieder komme es zu schweren Unfällen. Höffken: „Pferden, die Kutschen ziehen, wird zudem jede natürliche Lebensweise abgesprochen.“ Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) lehnt entschieden ab: „Ein Verbot scheint mir überzogen.“ Eine besondere Gefahrenlage oder eine Verletzung von tierschützenden Normen sei aus Sicht des Lübecker Tierschutzes bei dem Vorfall „nicht erkennbar“.

Blickpunkt Katharinenwiese: Hier pulsierte wieder das Leben. Vor der Strohhüpfburg, die morgens als dreistöckige Pyramide startete und abends platt gehüpft war, hatte Gitarrist Roland von der Band „Reuters Fritzen“ eine große Schar aufmerksamer Zuhörer. Auf dem Platz mit vielen Info- und Produktständen eröffnete Senator Bernd Möller am Morgen den Walderlebnistag, der an die 15 000 Besucher anlockte.
Mit dem Baumlift in luftiger Höhe: „Der Ausblick ist einmalig“, schwärmte Kathrin Schumacher von ihrer Fahrt mit dem Baumlift. Aus einer Höhe von 35 Metern boten sich der 38-Jährigen sowie den Kindern Mika (13), Ennio (4) und Janna (9) beeindruckende Lübeck-Ansichten. Bisher haben sie keinen der bisherigen zwölf Walderlebnistage ausgelassen. „Das angebotene Programm ist Jahr für Jahr ein Hit“, so Schumacher.
Wie echte Baumpfleger: Sprosse für Sprosse stieg der siebenjährige Leon die Strickleiter Richtung Baumkrone empor. Schließlich ertönte aus 23 Metern Höhe der Glockenklang — „er hat es geschafft“, freute sich seine Oma Ute Zucker. „Wir wollen den Kindern vermitteln, dass das In-der-Natur-sein auch viel Spaß machen kann“, erklärte Joachim Niedenhoff, der mit seinem Team das beliebte Baumklettern anbot.

Michael Hollinde und Peer Hellerling

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