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Lübeck LHG: Jetzt beginnt die Sanierung
Lokales Lübeck LHG: Jetzt beginnt die Sanierung
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20:36 05.01.2018

Startklar für die Sanierung. Jahrelang wurde darum gerungen, die mehrheitlich städtische LHG wieder auf Vordermann zu bringen. Ohne Erfolg. Dabei schreibt die Gesellschaft seit Jahren Defizite – für 2017 wird mit knapp acht Millionen Euro Minus gerechnet. Jetzt ist der Startschuss nach ungezählten Verhandlungsrunden und monatelangem Stillstand gefallen.

Satte 34 Millionen Euro schwer ist das Rettungspakt für die angeschlagene LHG. Die 450 Beschäftigten verzichten auf 17 Millionen Euro Lohn vom 1. Januar 2018 bis Ende Februar 2022. Das sind gut vier Jahre. Und pro Arbeiter zwischen 1500 und 3000 Euro im Jahr – je nachdem, wie lange jemand schon bei der LHG arbeitet. Aber in dieser Zeit sind auch kleine Lohnsteigerungen von 1,1 Prozent vereinbart. Außerdem müssen die Hafenarbeiter dauerhaft flexibel arbeiten. Im Gegenzug verzichtet die Stadt auf 17 Millionen Euro Pacht vom 1. Januar 2018 bis Ende Februar 2021. Das sind gut drei Jahre.

Ein weiterer Teil des Deals: Die LHG übernimmt Hafenarbeiter des insolventen Hafenbetriebsvereins (HBV). Dort laufen die Verhandlungen derzeit immer noch. „Ich bin optimistisch, dass wir einen guten Abschluss hinbekommen“, erklärt Insolvenzverwalter Klaus Pannen. Etwa die Hälfte der HBV-Leute wechselt zur LHG. Die restlichen erhalten eine Abfindung. Nach LN-Informationen ist dieser Topf gut vier Millionen Euro schwer. Er wird zur Hälfte von der LHG mit 2,2 Millionen Euro gefüllt. Die Stadt gibt 800000 Euro dazu, der Rest kommt aus der Insolvenzmasse. Bis alles abgewickelt ist, wird es bis zum Sommer dauern. Der Hintergrund: Die HBV-Leute hatten sich nach der Insolvenz Mitte 2016 bei der LHG eingeklagt und Anfang 2017 vor dem Arbeitsgericht gewonnen. Jetzt sollte vor dem Landesarbeitsgericht weiterverhandelt werden. Die Übernahme der Hälfte der HBV-Leute ist die außergerichtliche Einigung.

„Aus heutiger Sicht sind wir zuversichtlich, die Sanierung im geplanten Zeitraum erfolgreich abschließen zu können“, erklärt LHG-Chef Sebastian Jürgens. Allerdings: Ob die Radikalkur der LHG gelingt, ist fraglich – zumindest für viele Hafenarbeiter. „Viele stehen dem Ganzen skeptisch gegenüber“, berichtet Betriebsratschef Hans Schwartz über die Stimmung. Denn: „Den Ärger gibt es schon seit Jahren.“ Er hofft, dass jetzt Ruhe in das Unternehmen durch die Zeit der Sanierung kommt. „Und es in den Köpfen etwas ruhiger wird“, so Schwartz.

Der Knackpunkt sind weiterhin die flexiblen Arbeitszeiten. Das führt zu Unmut im Hafen. Es wird eine mobile Arbeitsgruppe geben, die jede Woche flexibel arbeitet. Die Stammbelegschaft hat indes alle acht Wochen eine Bereitschaftswoche. „Großer Informationsbedarf besteht vor allem bei der Flexibilisierung“, gibt Jürgens zu. Mit dem Betriebsrat wolle er zügig Klarheit schaffen. „Die Disponenten werden nach dem Grundsatz arbeiten, dass es sich immer um ein gegenseitiges Geben und Nehmen handelt“, versichert er. Zudem würden Schlüsselstellen in der Disposition mit erfahrenen Kollegen besetzt, „die mit den Abläufen und den betrieblichen Notwendigkeiten vertraut sind“, erklärt Jürgens.

Was die Arbeiter aber weiterhin umtreibt, ist die Pacht für die Hafenflächen. Jährlich zahlt die LHG fünf Millionen Euro an die Stadt, der die Grundstücke gehören. Während des Zeitraums der Sanierung verzichtet die Stadt indes darauf. „Aber wir kämpfen darum, dass die Pacht an sich überprüft wird“, macht Betriebsrat Schwartz klar. Denn aus Sicht der Hafenarbeiter ist diese Pacht unverständlich.

Bis zum Einstieg des privaten Investors Rreef 2008 hat die LHG nie Pacht an die Stadt gezahlt. Alle anderen Hafenbetreiber schon. Dennoch: Ohne die Pacht wäre die LHG nicht in derartige finanzielle Turbulenzen geraten, so das Argument der Arbeiter. Allerdings: Der LHG ist die Ladung weggebrochen. Im Rekordjahr 2007 hatte sie fast 30 Millionen Tonnen umgeschlagen. Geträumt wurde damals von 50 Millionen Tonnen. „Dann wäre die Pacht auch in Ordnung gewesen“, argumentiert Schwartz.

Doch seit der Finanzkrise 2008 geht die Kurve nach unten. Zudem haben drei Großkunden die LHG verlassen und sind zur Konkurrenz nach Rostock und Kiel gegangen. Jetzt schlägt die LHG etwa 20 Millionen Tonnen um und ist damit unter das Niveau von 2000 gerutscht. Allerdings: Der Kunde Stora Enso bleibt und will vom Nordlandkai Ende 2019 an den Skandinavienkai ziehen. Dieser wird dafür massiv um 16 Hektar auf 82,9 Hektar erweitert. Die Kosten: 67 Millionen Euro. Davon zahlt das Land 28,5 Millionen.

Von Josephine von Zastrow

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